Reise

Wo der Berg ins Wasser taucht In Zell am See wartet das Outdoor-Abenteuer

Wenn der Zeller See so ruhig daliegt, verschwimmt die Grenze zwischen den Bergen und dem Wasser. Wer hierherkommt, kann entspannen - oder sich einer Herausforderung nach der anderen stellen.

Die Sonne spiegelt sich im Wasser, der letzte Schnee auf den Berggipfeln glitzert und eine warme Brise weht die Haare aus dem Gesicht. Es ist Sommer in Zell am See-Kaprun. Die Region in Österreich ist eher als Wintersportgebiet bekannt, hat aber auch in den warmen Monaten für Sportler, Familien und für jene, die frische Bergluft und tiefblaue Seen lieben, viel zu bieten - eine "Anti-Stress-Therapie", wie Nationalpark-Ranger Werner Schuh es nennt.

Die Region im Salzburger Land erstreckt sich vom Zeller See in 750 Metern über dem Meeresspiegel bis zum Kitzsteinhorn mit 3200 Metern. Wer höher hinaus möchte, kann den Großglockner mit 3800 Metern erklimmen. Aber auch darunter zwischen Zeller See und Kitzsteinhorn bieten sich viele Möglichkeiten zum Wandern, Klettern, Schwimmen und Genießen.

Sommerkarte

Mit der Sommerkarte von Zell am See-Kaprun Tourismus können alle Lifte zu zur Schmittenhöhe, dem Kitzsteinhorn und den Stauseen kostenfrei genutzt werden. Zudem erhalten Karteninhaber freien Zugang zu allen Hallen- und Strandbädern, der Sigmund-Thun-Klamm, diversen Museen und Attraktionen. Bei diversen Anbietern gibt es außerdem Vergünstigungen. Die Sommerkarte erhalten Gäste in Mitgliederhotels. Sie gilt von 15.5. bis 15.10. und ist nicht übertragbar.

Es gibt kaum etwas Schöneres, als nach einer langen Wanderung den erschöpften Körper im Zeller See zu erfrischen. Gespeist von den umliegenden Bergflüssen ist er zwar etwas kälter, als man es zum Beispiel aus Brandenburg gewohnt ist, dafür besticht er durch glasklares Wasser. Er zählt zu den reinsten Seen Europas und hat Trinkwasserqualität.

Das gesamte Ufer ist nahezu unbebaut. Wer den See einmal umrunden will, muss sich Zeit nehmen: Circa drei Stunden sollten Wanderer für die gesamte Strecke von 12 Kilometern einplanen. Die Promenade mit dem Strandbad und dem Garten des "Grand Hotels" lädt aber auch zu einem Abendspaziergang ein. Ab 22 Uhr kann man dort dienstags, donnerstags und sonntags kostenfrei den "Zeller Seezauber" besuchen, eine Lichtschau mit Musik von Schlager bis Klassik.

Auf Fischjagd mit "Heini"

Neben dem Schwimmvergnügen können sich Wasserbegeisterte auch mit diversen Sportgeräten fortbewegen. Am Nordufer des Sees gibt es eine Ausleihstation für Bretter zum Surfen, Windsurfen oder Stand-up-Paddeln. Jene, die die Ruhe vorziehen, fahren in den frühen Morgenstunden zum Angeln auf den See - so wie Hobbyfischer Heinrich Stöcklinger. "Für mich ist der Sommer in Zell viel besser als der Winter", sagt er.

Heinrich Stöcklinger ist Profi im Renken-Angeln.

Heinrich Stöcklinger ist Profi im Renken-Angeln.

(Foto: Lisa Schwesig)

Den 72-Jährigen kennt beinahe jeder der 10.000 Einwohner in Zell am See. Spätestens ab sieben Uhr sitzt er in seinem kleinen Metallboot auf dem Zeller See und beobachtet die Posen seiner zwei Angelrouten. "Heini" gilt als Profi im Renken-Fischen und hat bereits viele Preise gewonnen. Beißt ein Fisch auf einen der Haken, muss jeder im Boot einen Marillenschnaps trinken. "Ich gehe nicht mehr weg von hier. Es lebt sich gut in Zell", erzählt der Rentner.

Am Vormittag holt Stöcklinger den Anker seines Bootes aber wieder ein. Dann wird es zu heiß in der Sonne. Sein frischgefangener Fisch landet anschließend im Restaurant "Seewirt" am Südufer des Zeller Sees. Chefkoch Nikolaus Lang ist selbst passionierter Angler und sorgt in der Küche des 500 Jahre alten Wirtshauses mit regionalen Produkten für Gaumenfreuden. Auf der Speisekarte steht an diesem Tag Kräuterrisotto mit "Heinis" frischer Renke. Seit 60 Jahren betreibt die Familie Lang den "Seewirt" und lädt Gäste ein, ihren selbstgefangenen Fisch unter fachgerechter Anleitung zuzubereiten.

Risotto und Fisch im "Seewirt".

Risotto und Fisch im "Seewirt".

(Foto: Lisa Schwesig)

Naturgewalt am Wasserfall

Nach der Stärkung im "Seewirt" geht es hinauf zur Sigmund-Thun Klamm, einem mehr als 30 Meter tiefen und 320 Meter langen Felsspalt. Über Holztreppen gelangen Besucher zum Wasserfall, der sich vom Klammsee bis hinunter ins Tal ergießt. Oben angekommen löst der Blick über den Klammsee Staunen aus. Das Wasser erinnert mit seiner türkisblauen Färbung an Karibikstrände. Baden ist zwar nicht erlaubt, eine Umrundung dafür aber kurzweilig. Im Juli und August haben Gäste die Möglichkeit, am Montagabend mit einem Fackelzug die Felsklüfte zu erkunden. Auf den nassen und rutschigen Holzwegen empfiehlt sich festes Schuhwerk.

Wanderschuhe benötigen auch jene, die sich für eine Kunstwanderung auf der Schmittenhöhe entscheiden. Schon Kaiserin Sissi erklomm den knapp 2000 Meter hohen Berg - damals in Rekordzeit. Ihr zu Ehren steht eine kleine Kapelle auf dem Gipfel, in der auch geheiratet werden kann. Wer die zwei Stunden hinauf nicht zu Fuß gehen möchte, kann mit der Gondel fahren.

Der Klammsee an der Sigmund-Thun-Klamm ist türkisblau.

Der Klammsee an der Sigmund-Thun-Klamm ist türkisblau.

(Foto: Lisa Schwesig)

Oben angekommen müssen sich Wanderer dann für eine der vielen Kunstwanderrouten mit insgesamt 30 verschiedenen Kunstwerken entscheiden. Die Wege sind größtenteils mit Schotter bedeckt, aber auch für Wanderanfänger gedacht. An mehreren Punkten kann bei ausbleibender Kraft der Lift hinunter ins Tal genutzt werden.

Mit dem Ranger auf Tour

Wer sich größeren Herausforderungen stellen will, ist bei der Explorertour auf das Kitzsteinhorn richtig. Per Gondel oder zu Fuß durchquert man vier Klima- und Vegetationszonen. Der komplette Aufstieg auf den 3029 Meter hohen Gletschergipfel ist enorm schwierig und darf nicht ohne einen ausgebildeten Wanderführer probiert werden. Ranger Werner Schuh sagt: "Wir passen die Tour an das Level der Wanderer an." Theoretisch sei sie aber für jeden machbar. Mit Schuh und seinen 15 Ranger-Kollegen sind auch Touren über mehrere Tage hinweg möglich.

Werner Schuh ist seit sechs Jahren Ranger im Nationalpark Hohe Tauern.

Werner Schuh ist seit sechs Jahren Ranger im Nationalpark Hohe Tauern.

(Foto: Lisa Schwesig)

Wanderunerprobte können von den Zwischenstationen auf 1900 und 2400 Metern aus den Aufstieg absolvieren. Auf dem Weg erwarten die Läufer ein unvergesslicher Ausblick, Schafe, Wildblumen und Schneefelder mitten im Sommer.

Hotels und Herbergen

Wer mit kleinem Budget verreist, kann in der Jugendherberge in Zell am See unterkommen. Sie hat direkten Seezugang und eine angeschlossene Surfschule. Wer etwas mehr Geld ausgeben möchte, sollte im Hotel "Tiroler Hof" schlafen. Das Vier-Sterne-Haus punktet mit Halbpension und einem ausgedehnten Wellnessbereich. Wanderer können sich am Gebirgsquellbrunnen vor dem Haus selbst versorgen.

Oben angekommen empfängt einen die sogenannte Gipfelwelt 3000 mit einem kleinen Kino und Restaurant. Von der Aussichtplattform überblicken Gäste die Skipisten auf dem Gletscher, die auch in den Sommermonaten zu befahren sind. Erfahrene Bergsteiger haben am Kitzsteinhorn und unter Leitung eines Rangers zudem die Möglichkeit, ihren ersten Dreitausender zu erklimmen. Dafür sind aber eine gute Ausrüstung und Steigeisen nötig.

Adrenalinkick am Klettersteig

Für Kletterer und Wagemutige bietet sich der Klettersteig an der Staumauer Mooserboden an. Mit Liften und Bussen gelangt man zu dem auf 2000 Meter Höhe gelegenen Stausee, der zur Energieerzeugung genutzt wird. Die vorgelagerte 70 Meter breite Betonmauer ist im Juni als Kletterzone präpariert worden. Wer sich mit einem Seil gesichert auf den Klettersteig begibt, wird mit Murmeltiersichtungen und einer erhöhten Adrenalinausschüttung belohnt. Anschließend wandert man den Kräuterlehrpfad vorbei an Gebirgsbächen zur Fürthermoar Alm hinab.

Das beeindruckende Bergpanorama entschädigt dafür, nicht den perfekten Sonnenuntergang gesehen zu haben. Denn die Sonne verschwindet rasch hinter dem gigantischen Massiv. Während man sich gemütlich über den Zeller See treiben lässt und den müden Muskeln im kühlen Wasser zur Regeneration verhilft, vergisst man den Sonnenuntergang aber sowieso.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

 

Quelle: n-tv.de


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