Reise

Von Banksy bis Cider-City Bristol ist ein echter Reise-Geheimtipp

Von Sonja Gurris, Bristol

Blick auf die Bristol Cathedral - auf dem Green College.

Blick auf die Bristol Cathedral - auf dem Green College.

(Foto: Sonja Gurris)

London, Liverpool, Manchester - alle diese Städte sind deutschen Kurzurlaubern bekannt. Doch Bristol? Das hat kaum einer auf dem Radar. Grund genug, um in die Stadt im Südwesten Englands mit ihrem ganz eigenen Charakter einzutauchen.

Grün, grüner, Bristol Aiport: Wer am Flughafen im Südwesten Englands landet, hat das Gefühl, sich zu einer kleinen Landpartie aufzumachen. Hier rollt man direkt neben sattgrünen englischen Wiesen entlang. Die Sonne scheint, es ist so gar nicht britisch verregnet, wie es die Klischees immer voraussagen. Vom Flughafen geht es in einer halben Stunde per Bus ins "Miniatur-London", wie so mancher Bristol nennt. Doch kann es diesem Vergleich auch wirklich standhalten?

Der berühmteste Sohn der Stadt ist Street-Art-Künstler Banksy. Doch wer in Bristol nach seinen Werken sucht, muss gut zu Fuß sein: Die wenigen Arbeiten sind über die Stadt verteilt - und man muss schon genau wissen, wo sie zu finden sind. Nahe des College Green (an der Frogmore Street) hängt etwa das "Well Hung Lover"-Motiv. Wer es sucht, muss nur auf die Touristengruppen achten, die sich am Straßenrand vor einer Mauer ansammeln und auf die Wand blicken. Doch was bietet Bristol außer Street Art?

Die Hafengegend ist ein Ausgehviertel.

Die Hafengegend ist ein Ausgehviertel.

Wilde Mischung mit viel Charme

Die Stadt am Fluss Avon hat eine lebendige Hafenszene mit zahlreichen Bars und Restaurants, an denen an einem heiteren Frühjahrswochenende Studenten, Familien und ältere Herrschaften flanieren. Besonders schön ist ein Rundgang in Richtung Bristol Cathedral, entlang des College Green, einer großen, parkähnlichen Wiese. Besucher blicken gleichzeitig auf die Kirche und die imposante City Hall - Achtung, mit goldenen Einhörnern auf dem Dach. Verrückt? Ja, das ist es und passt so gar nicht hinein. "Rundherum war ziemlich viel zerstört und dann habe sie goldene Einhörner auf die Stadthalle gebaut. Die Bewohner haben das natürlich für verrückt erklärt", lacht Stadtführer Duncan.

Bristol wurde im Krieg stark vom Bomben getroffen. Vieles ist neu in der Stadt und die Architektur ist eine wilde Mischung aus verschiedenen Stilen und Einflüssen. Doch gerade das macht es rund um die "Old City", die Altstadt, und das Hafenviertel so interessant.

Einen schönen Überblick über die Stadt gibt eine Fahrt mit der Fähre. Die Schiffe sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs und verbinden beispielsweise das Stadtzentrum mit entfernteren Teilen wie Noca Scotia. Doch neben der durchmischten und interessanten Architektur hat Bristol auch seine ganz eigene Identität - das erfährt man, wenn man die Einwohner fragt.

St. Nicholas Markets - hier stehen Einheimische und Besucher gerne Schlange.

St. Nicholas Markets - hier stehen Einheimische und Besucher gerne Schlange.

(Foto: Sonja Gurris)
Street Food und Cider-Kultur

"Wir haben hier ein tolles Flair, hier ist man gerne. Die Preise sind nicht so hoch wie in London, wir leben hier in Bristol etwas unter dem Radar", erklärt ein Einheimischer in einem Pub in der Altstadt. Das liebevolle Flair spürt man an vielen Ecken: Im Castle Park (Schlosspark) genießen die Einheimischen bei Sonnenschein die Natur, am Hafen belagern sie mit Picknickkorb und Getränken zur Mittagspause die Promenade. Wenn schon mal die Sonne da ist, wird es so richtig ausgekostet. Kosten ist auch das Stichwort für ein Bristol-Highlight: Die St. Nicholas Markets liegen im Herzen der Altstadt. Der überdachte Markt ist ein alter Komplex, der aber die neusten Trends der Foodszene aufgreift.

Rund um die Kirche gibt es von Montag bis Samstag Street Food, so viel das Herz begehrt. Ein keiner Tipp: Besucher sollten sich zur Mittagszeit dort einreihen, wo die längste Schlange ist. Die Wartezeit lohnt sich, denn es ist mit größter Wahrscheinlichkeit das beste Essen, was man auf dem Markt finden kann.

Cider ist Bristols Nationalgetränk. Bauern aus der Region liefern den Stoff für den Kult-Drink.

Cider ist Bristols Nationalgetränk. Bauern aus der Region liefern den Stoff für den Kult-Drink.

(Foto: Sonja Gurris)

Wen es vom Markt ans Ufer des Avon verschlägt, der findet sogleich auch ein anderes Kulturgut von Bristol: den Cider-Biergarten. Die Region ist berühmt für ihre zahlreichen Cider-Varianten mit verschiedenem Alkoholgehalt. Wer das erste Mal probiert, sollte nicht gleich das stärkste Getränk zu sich nehmen, sondern sich herantasten. An der Promenade Richtung Welsh Back finden sich viele kleine Läden, die neben Craft Beer und Essen auch den regionalen Cider anbieten. Wer Regionales ausprobieren will, ist hier also richtig. Auch rund um die King Street finden sich viele Pubs.

Die Unabhängigkeit ist wichtig

Zurück zu den Sightseeing-Hits: Wer Bristols Highlights sehen will, der sollte auf jeden Fall das Museumsschiff SS Great Britain anschauen und sich in Richtung Clifton Suspension Bridge aufmachen. Diese beiden Punkte sind Bristols ganzer Stolz und bieten ordentlich Historie. Ebenfalls lohnt sich ein Ausflug nach Clifton. Das etwas schickere Viertel hat einen aristokratischen Touch und bietet einen schönen Kontrast zum Rest der Stadt.

Auf eines legt man in Bristol besonders Wert: auf die Unabhängigkeit. Eigene Shops und lokale Läden stehen im Fokus, die eigenen Unternehmen sollen gestärkt werden. Deswegen gibt es sogar eine eigene lokale Bristol-Währung, die in einigen Geschäften getauscht wird. Außerdem bietet die Stadt mit der Park Street eine der längsten unabhängigen Einkaufsstraßen des Landes. Gewöhnliche Konzernketten sucht man dort vergeblich. Die Einwohner von Bristol wollen auch ein bisschen rebellisch sein - und sei es nur beim Shopping.

Wer Bristol erlebt, findet von Street Art bis Hafenkultur, von Foodmarkets bis Pub-Runde einen wunderbaren Querschnitt, der einen Städtetrip abwechslungsreich und aufregend macht. Das Mini-London ist entspannt und gesellig und gleichzeitig mit seinem Unabhängigkeitsdrang auch etwas eigensinnig. Wer einen Kurzurlaub ganz ohne Hetze, aber mit viel Erlebnissen sucht, ist im Südwesten Englands genau richtig.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise von Visit Britain entstanden.

Quelle: n-tv.de

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