Reise

Von Road Tennis bis Windsurfing Barbados mal ganz sportlich statt entspannt

Windsurfen und Segeln machen auf Barbados viel Freude.

Windsurfen und Segeln machen auf Barbados viel Freude.

(Foto: imago/robertharding)

Barbados - das ist Sonne, Sandstrand und Meer. Doch die Heimat von Sängerin Rihanna bietet auch viele Aktivitäten an. Dabei kann es ganz schön sportlich unter der karibischen Sonne zugehen. Und wer kennt schon Road Tennis?

Rihanna kennt wirklich jeder auf Barbados, nur machen die Einheimischen keinen großen Hype um Robyn, wie die R&B-Sängerin dort genannt wird. Klar sind die Leute stolz auf ihren Popstar Robyn Rihanna Fenty, wie sie mit vollem Namen heißt. Aber ob sie nun gerade da ist oder nicht, interessiert hier ungefähr so sehr, wie wenn in den Lagerhallen der ältesten Rummarke Mount Gay ein Fass umfällt. Viel wichtiger ist der Tourismus, der schon lange das Zuckerrohr als wichtigste Einnahmequelle abgelöst hat. Um nicht nur die Reichen ins karibische Steuerparadies zu locken, kommen die barbadischen Experten auf einige Ideen. Wie etwa die, 2017 zum "Jahr des Sports" zu erklären. Grund genug, sich auf einige Disziplinen einzulassen, die einen faden Strand- zu einem erlebnisreichen Aktivurlaub machen.

G wie Golf: Jede Spielbahn ein neues Naturerlebnis, 15 der 18 Löcher mit Blick auf die Westküste. Abschlag für Abschlag ein Ansichtskartenmotiv, Fairways wie samtene Rasenteppiche, die Greens wie mit der Nagelschere manikürt. "The Green Monkey" ist des Golfers Sehnsucht, aber bei der ist hier Endstation, bei 4000 Dollar Greenfee. US-Dollar und pro Person, versteht sich. Das macht den "Grünen Affen" zu einem der teuersten Sportplätze der Welt, dafür gehört er zu einem der legendärsten Resorts, dem Sandy Lane Hotel. Wer dort wohnt, darf übrigens für 390 Dollar abschlagen. Und bevor jetzt jemand beklagt, wie ungerecht die Golfwelt ist, sollte wissen, dass die Nacht im Sandy Lane zwischen 3000 und 9000 Dollar kostet und zumindest in der Hochsaison ein Mindestaufenthalt von 14 Tagen gefordert wird.

Golfen unter karibischer Sonne.

Golfen unter karibischer Sonne.

(Foto: Visit Barbados)

H wie Hiking: Als in den Achtzigern ein gewisser Richard Goddard nach einem langen Arbeitsleben in Kanada in seine Heimat zurückkehrte, stellte er entsetzt fest, dass die große Mehrheit seiner Landsleute erstens ihre eigene Insel nicht kannte und sich zweitens als Folge mangelnder Bewegung Fettleibigkeit und Diabetes ausbreiteten. Im Januar 1983 organisierte er deswegen das erste Volks-Hiking, und seither ist jeden Sonntag Wandertag für die Einwohner von Barbados. Diese und viele andere Geschichten über seine Insel erzählt George, ein drahtiger, topfitter 74-Jähriger, der einst Lehrer war und noch immer als Wanderführer unterwegs ist. Sein großes Wissen, gepaart mit milder Altersweisheit, macht die Tour durch Zuckerrohrfelder und Regenwald zu einem ganz besonderen Erlebnis. Wer also von Barbados mehr sehen will als die 110 Strandkilometer an den Küsten, der sollte sich die Hochebene im Landesinneren rund um den 336 Meter hohen Mount Hillaby nicht entgehen lassen - und beim Barbados National Trust unbedingt nach George fragen. Unterhaltsamer kann man sich Wissen nicht erwandern.

K wie Karting: Manchmal werden Businessideen aus einer Laune heraus getroffen. Wie im Fall von Mark Meloniy, einem Multiunternehmer der Insel, der vor ein paar Jahren in feucht-fröhlicher Runde mit Freunden in Rum-Stimmung von einer Schnapsidee begeistert war. Dies darf man durchaus wörtlich nehmen, denn überall würde man eine Rennstrecke vermuten, nur nicht auf einer Karibikinsel. Auf Barbados aber wurde im Mai 2014 der "Bushy Park" eröffnet, ein Schmuckstück mit variablen Rennstrecken, die von kleinen Tribünen gesäumt werden. Weil Mister Meloniy selbst gerne Gas gibt, kommt im Bushy Park wohl Spaß vor Kommerz. Aber nicht nur Touristen können hier in flotten Go- Karts schnelle Runden drehen, denn die Strecke ist bereits so etwas wie das motorsportliche Herz der Karibik. Von vielen Inseln kommen die Piloten, um sich in unterschiedlichen Rennserien zu messen. Und einmal im Jahr findet das "Festival of Speed" statt, die barbadische "Lightversion" des Originals im englischen Goodwood. Bei der Premiere im letzten Jahr bewegte Formel-1-Star Lewis Hamilton seinen Mercedes-AMG um den Rundkurs. Ehrengast beim nächsten Termin (14. Oktober) wird Kollege Jenson Button sein, auch er ein Weltmeister der Formel 1.

M wie Mountainbiken: Zu behaupten, die Leute reisten des Radfahrens wegen nach Barbados, wäre leicht übertrieben. Aber es gibt Mountainbikes und schöne Routen, und wer auf der Insel hoch zu Stahlross unterwegs sein mag, ohne sich stressen zu wollen, der ist bei einem wie Randy genau richtig. Rastalocken, Dauergrinsen, "Life is good"-Einstellung. Randy radelt jeden Morgen um seinen Acker, auf dem er Gemüse zum Eigenverbrauch anbaut und wenn er dann nach dem Rechten gesehen hat, geht es sofort an den Strand, um die Wellen zu beobachten. Randys größte Leidenschaft ist das Surfen und wenn die Bedingungen gut sind, muss er sofort aufs Brett. Was aber, wenn er gleichzeitig als Bikeführer gebucht ist? "Dann kann es vorkommen, dass die Tour abgesagt werden muss", grinst Randy. So locker wie seine Einstellung ist dann auch Randys Radstunde: gemütliches Pedaletreten über Straßen und Feldwege mit ein paar spektakulären Aussichten über die Ostküste. Ganz so, wie es Touristen mögen.

Polo wird auch auf Barbados gespielt.

Polo wird auch auf Barbados gespielt.

(Foto: Visit Barbados/instagram)

P wie Polo: Für einen, der letztmals als Kleinkind auf dem Schaukelpferd geritten ist, eine Horrorvorstellung: Polo-Trainerstunde. Und dann stellte sich mit James Dickson, dem Manager des Apes Hill Polo Club, einer vor, den man eher bei den Navy Seals verortet hätte: hagere Gestalt, kantiges Gesicht, kahl rasiertes Oberhaupt. Die Polopferde waren bestens geschult, reagierten auf die Zügel wie mit einem Joystick dirigiert. James entpuppte sich als großartiger Lehrer beim einstündigen Crashkurs und lobte lautstark mit einem langgezogenen "Shooooot", wenn die Probanden mit dem Stick den Ball getroffen hatten.

Das funktionierte - man muss es leider zugeben - nur im Schritt einigermaßen, beim leichten Trab eher nicht und an Galopp war ohnehin nicht zu denken. Aber was soll's? Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Polo nicht nur elitär, sondern auch die zweitschwierigste Sportart ist, die es gibt - vor Golf, hinter Stabhochsprung. Einmal im Sattel bekommt man eine Ahnung davon, dass diese Dissertation richtig sein könnte. Gleichzeitig aber fasziniert der Sport so sehr, dass James und seine vierbeinigen Kameraden gerne interessierte Besucher an ihm schnuppern lassen wollen. Wer also schon immer davon geträumt hat, einmal gegen die regelmäßig auf Barbados urlaubenden Prinzen Harry oder William die Keule zu schwingen: James Dickson könnte helfen. Wird allerdings etwas länger als einen Urlaub brauchen.

R wie Road Tennis: "Das ist unser Weltmeister", stellt Präsident Dale Clarke stolz einen jungen Mann vor, den diese Aussage leicht peinlich zu berühren scheint. Aber wenn man so will, ist Mark Griffith aus Bridgetown, Barbados, der Champ im Road Tennis. Was das ist? Ganz einfach: Eine sechs mal drei Meter auf die Straße gemalte Tischtennisplatte ohne Netz, dafür mit einem acht Inch hohen Brett, das sind knapp über 20 Zentimeter. Gespielt wird mit einem Gummiball (alternativ Tennisball), den sich die Gegner mit großen Holzpaddles zum Stückpreis von nicht mal 25 Dollar um die Ohren schlagen. Gezählt wird wie früher beim Tischtennis bis 21. Auf Barbados wird Road Tennis seit den 1930er-Jahren gespielt, fast jedes Wochenende gibt es irgendwo ein Turnier.

Wenn Mark antritt, steht der Sieger auch so gut wie fest. Denn der Weltmeister ist Profi, kassierte kürzlich nach einem gewonnenen Finale ein Mittelklasseauto plus Bargeld im Gesamtwert von um die 70.000 Barbados-Dollar, das sind mehr als 30.000 Euro. "Ich kann gut von meinem Sport leben", sagt der Champ. Sein Präsident wiederum hofft, dass möglichst viele Touristen Spaß am Road Tennis finden und "Big Tischtennis" auf der ganzen Welt verbreiten: "Unseren Sport kann man überall spielen und billig ist er auch." Und anstrengend. Eine Viertelstunde unter karibischer Sonne gegen den Champ genügte, um schweißgebadet wie japsend den Court zu verlassen. Aber es ist wahr: Road Tennis macht Laune, ist allerdings wegen der ständig gebückten Spielhaltung für Bandscheibengeschädigte nicht zu empfehlen.

S wie Segwaypolo: Elektrische Roller statt Pferden? Da rümpft der Novize, der am Sport der Millionäre schnuppern durfte, pikiert die Nase. Immerhin wird Segwaypolo, das Anfang der Jahrtausendwende im Silicon Valley erfunden wurde, weitgehend nach den Regeln des Originals gespielt.

T wie Tauchen: Gleich neben dem Hilton Hotel, einer vor gut einem halben Jahrhundert begangenen architektonischen Bausünde an einem wunderschönen Strand, liegt der Carlisle Bay Marine Park. In ihm in Schnorcheltiefe versunken sind sechs Schiffswracks mit unterschiedlichen Schicksalen, die vor allem Taucher faszinieren: Eine torpedierte deutsche Fregatte aus dem Zweiten Weltkrieg, ein aufgegebenes Partyboot und ein Handelsschiff, das sein Kapitän absichtlich versenkte, um nicht mehr zur See fahren zu müssen, sind die Attraktionen. Da trifft es sich gut, dass "Barbados Blue" vor Ort eine Tauchbasis hat. Die reizende Oschell hinterm Tresen sieht zu, dass die Hobbytaucher Flaschen und Flossen bekommen, und dann geht es mit Tauchlehrer Robert unter Wasser, um bunte Fischschwärme und mit etwas Glück Meeresschildkröten zu bewundern.

W wie Windsurfen: Was für den Rest der Welt Robby Naish ist, ist für Barbados Brian Talma - eine Windsurflegende. "De Action Man" nennen sie den inzwischen 52-Jährigen, der nun von seinem guten Ruf und seiner Kite- und Surfschule am Sandy Beach lebt. Die Reviere für Könner liegen anderswo: Silver Sands am Südzipfel, Drill Hall Beach bei Bridgetown und die berühmt-berüchtigte "Soup Bowl" an der Ostküste.

Y wie Yoga: Es hat durchaus Charme, an einem feinen Sandstrand im Lotus-Sitz Padmasana die Beine zu kreuzen. Die warmen Sonnenstrahlen, die sanfte Windbrise, die rauschenden Wellen - man möchte die Augen gar nicht mehr öffnen bei dieser Yoga-Meditation mit Barbados-Spirit. Ooommm. 

Quelle: n-tv.de , sgu/spot

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