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Unbekanntes Guthaben Wie Erben vergessene Konten finden

Auch wenn das Sparbuch nicht mehr vorhanden ist, kommen die Erben ans Geld - vorausgesetzt, sie wissen, wo es liegt.

Auch wenn das Sparbuch nicht mehr vorhanden ist, kommen die Erben ans Geld - vorausgesetzt, sie wissen, wo es liegt.

(Foto: imago/blickwinkel)

Die Erbtante ist verstorben - leider ohne eine Aufstellung über ihre Vermögenswerte zu hinterlassen. Wie findet man heraus, ob es noch alte Konten gibt, von denen niemand etwas weiß?

Alte Sparbücher aus Kindertagen, Tagesgeldkonten, die irgendwann eröffnet und dann wieder vergessen wurden und Girokonten, die nie gekündigt worden sind – bei umfangreicheren Bankkontakten ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Konten in Vergessenheit geraten. Kein Problem, wenn darauf ohnehin kein Guthaben mehr geführt wird. Wenn doch, wird die Sache kompliziert, zumindest später für die Erben.

Verliert die Bank dauerhaft den Kontakt zum Kunden, etwa weil Post als unzustellbar zurückkommt, gilt ein Konto als nachrichtenlos. Das Institut versucht dann, den Kontobesitzer ausfindig zu machen, in der Regel über Anfragen beim Einwohnermeldeamt oder die Umzugsdatenbank der Deutschen Post. Nach 30 Jahren ohne Kontobewegungen erfolgt ein letzter Versuch. Danach muss das Guthaben ausgebucht werden, so will es das Bilanz- und Steuerrecht. Falls der Kontoinhaber oder dessen Rechtsnachfolger irgendwann doch noch auftauchen, muss die Bank die Einlage zwar theoretisch auszahlen – in der Praxis beißen Kunden aber mitunter auf Granit, wenn entsprechende Nachweise fehlen.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans schätzt, dass in Deutschland rund 2 Milliarden Euro auf solchen nachrichtenlosen Konten liegen, Tendenz steigend. Die Bundesregierung hält das für übertrieben, hat aber auch keine eigenen Zahlen erhoben. Eine Meldepflicht für verwaiste Konten gibt es in Deutschland nicht. In den europäischen Nachbarstaaten sieht das anders aus, hier gibt es zum Teil schon seit Jahren solche Register. Sie machen es Erben deutlich einfacher, potenzielles Vermögen aufzuspüren. Wer hierzulande ein Konto oder Schließfach vermutet, das der Erblasser nirgends aufgeführt hat, muss die einzelnen Bankverbände abklappern. Das ist natürlich einfacher, wenn man Anhaltspunkte hat, bei welcher Bank das Geld liegt.

Privatbanken

Gibt es Hinweise auf ein Guthaben bei einer Privatbank, kann man beim Bundesverband deutscher Banken einen Antrag auf Kontennachforschung stellen. Ein Formular gibt es nicht, ein Musterschreiben findet man beispielsweise hier. Wichtig ist, dass man seine Berechtigung nachweist, etwa durch eine Kopie des Erbscheins oder des Testaments. Das Suchverfahren per Rundschreiben beschränkt sich auf den letzten bekannten Wohnsitz des Erblassers, kann bei konkreten Hinweisen aber auf andere Bundesländer ausgeweitet werden. In den westdeutschen Bundesländern ist die Suche kostenlos, der Ostdeutsche Bankenverband, zu dem auch Berlin gehört, verlangt nach Informationen des Verbraucherportals "Finanztip" eine Unkostenpauschale von 20 Euro.

Sparkassen

Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sucht auf Antrag nach verschollenen Konten. Eine E-Mail an nachforschung@dsgv.de reicht, schriftlich kann man den Antrag natürlich auch einreichen. Auch hier nicht vergessen, eine Kopie des Erbscheins oder des Testaments beizufügen. Die Anfrage wird dann an den Regionalverband des Ortes weitergeleitet, an dem der Verstorbene zuletzt gewohnt hat. Wenn sich dort ein Konto findet, setzt sich die Sparkasse mit dem Erben in Verbindung.

Volks- und Raiffeisenbanken

Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) hat eine eigene Infoseite für Kontonachforschungen eingerichtet. Eine bundesweite Suchaktion gibt es hier aber auch nicht. Stattdessen sollte man sich gleich an den Genossenschaftsverband des Bundeslandes wenden, in dem ein Konto vermutet wird. Auch hier müssen Interessenten ihr Auskunftsrecht nachweisen, etwa über den Erbschein oder das Testament. Wichtig: Der BVR stellt seinen Nachforschungsaufwand in Rechnung. Wie teuer es werden kann, sollte man mit dem jeweiligen Regionalverband klären.

Ausland

Am bequemsten ist die Nachforschung in der Schweiz. Dort kann man sich an den Bankenombudsmann wenden. Es gibt einen Fragebogen, den man ausfüllt und zusammen mit einer Kopie des Ausweises und anderen Nachweisdokumenten einsendet. Den Service gibt es aber nicht umsonst. Wer Vermögenswerte in der Schweiz aufstöbern will, zahlt 100 Schweizer Franken.

Vermutet man dagegen ein Konto in Luxemburg, hilft die Luxemburger Bankenvereinigung weiter. Sie sucht zwar nicht selbst, versendet für 50 Euro aber alle Unterlagen, die man braucht, um bei den in Frage kommenden Banken selbst nachzuforschen.  

Quelle: n-tv.de

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