Ratgeber

Fehler bei Immobiliendarlehen Widerruf weiterhin möglich?

Ab heute sticht der "Widerrufsjoker" für Immobilienkredite nicht mehr. Denn das ewige Widerrufsrecht für alte Kontrakte endet. Was aber nicht bedeutet, dass fehlerhafte Verträge nicht weiter angefochten werden können, wie die Verbraucherzentrale Hamburg aufklärt.

Viele Verbraucher haben in den letzten Monaten laufende oder bereits abgewickelte Immobiliendarlehen wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrungen widerrufen und bessere Konditionen mit ihren Kreditinstituten aushandeln können. Für Immobilienkredite, die zwischen dem 2. November 2002 und dem 10. Juni 2010 unterzeichnet wurden, erlischt am 21. Juni 2016 das ewige Widerrufsrecht. Kreditverträge, die ab dem 11. Juni 2010 geschlossen wurden, können nach Meinung der Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) auch weiterhin widerrufen werden, wenn die Widerrufsbelehrung den gesetzlichen Anforderungen nicht standhält. Die Verbraucherschützer raten dazu, die Kreditverträge prüfen zu lassen.

Das ewige Widerrufsrecht ist Geschichte.

Das ewige Widerrufsrecht ist Geschichte.

(Foto: dpa)

Denn auch bei Immobilienkreditverträgen, die später abgeschlossen wurden, sind Belehrungen häufig noch so fehlerhaft, dass Verbraucher gute Aussichten haben, ihre Forderungen durchzusetzen, befindet die vzhh. Es sei damit zu rechnen, dass zu diesen Verträgen in nächster Zeit höchstrichterliche Entscheidungen gefällt werden. Wer seinen Vertrag mit Hilfe eines Widerrufs rückabwickelt und einen neuen zu einem günstigeren Zinssatz abschließt, kann meistens eine Menge Geld sparen. Seit Jahren sind die Zinsen für Immobilienkredite schrittweise gefallen - für Darlehen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung beispielsweise von durchschnittlich 4 Prozent im Jahr 2010 auf nunmehr rund 1,5 Prozent. Der Zinsvorteil für die Verbraucher beläuft sich also auch bei neueren Verträgen auf einige Prozentpunkte pro Jahr und damit schnell auf mehrere tausend Euro.

Für Kreditnehmer, die ihr Immobiliendarlehen vorzeitig gekündigt haben und deswegen eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen mussten, kann eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung ebenfalls bares Geld bedeuten. Ist der Widerruf des Vertrags erfolgreich, können sie die bereits gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung zurückverlangen. Davon profitieren beispielsweise Menschen, die ihre Immobilie verkaufen und aus ihrem laufenden Kredit aussteigen mussten.

Fehlerhafte Widerrufsbelehrungen in Immobiliendarlehen geben Verbrauchern die Möglichkeit, noch Jahre nach Vertragsschluss einen Kredit vorzeitig aufzulösen, weil die gesetzliche 14-tägige Widerrufsfrist aufgrund falscher Informationen nicht begonnen hat. Die Juristen der Verbraucherzentrale Hamburg haben in den letzten drei Jahren mehrere tausend Verträge rechtlich beurteilt.

Weitere Informationen zu den aktuellen Möglichkeiten des Widerrufs von Immobiliendarlehen und zum Angebot der Vertragsprüfung sind online zu finden unter www.vzhh.de

Hier eine günstige Rechtsschutzversicherung finden

Quelle: n-tv.de , awi

Mehr zum Thema