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Reiche Privatkunden betroffen Sparkasse verlangt Strafzinsen von Sparern

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Lange sah es so aus, als ob die Geldinstitute Strafzinsen für das Ersparte von Privatkunden auf jeden Fall vermeiden wollen. Stattdessen wurde kräftig an der Gebührenschraube gedreht. Diese Zeiten scheinen nun vorbei - zumindest für Reiche.

Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat für Sparer gravierende Folgen - die Zinsen für die Geldanlage sinken kontinuierlich. Ob Fest- oder Tagesgeld, viel ist mit dem Ersparten nicht mehr zu holen. Um die ihnen für das Geldparken von der EZB auferlegten Strafzinsen zu kompensieren, verlangen die Geldinstitute zunehmend Gebühren für ihre Dienstleistungen. Immerhin: Negative Zinsen für Sparer haben die Institute bisher auf breiter Front vermieden.

Doch die Einschläge kommen näher. So hatten bereits in der jüngeren Vergangenheit einige Sparkassen ihre Pläne, Strafzinsen zu verlangen, angekündigt. Und nun ist es so weit. Die Sparkasse Köln-Bonn erhebt Minuszinsen für das Guthaben von Privatkunden. Allerdings - und das mag beruhigen - vorerst nur für Einlagen ab einem bestimmten, bisher ungenannten Millionenbetrag. Dies berichtet das "Handelsblatt". Laut Privatkundenvorstand der zweitgrößten deutschen Sparkasse, Christoph Siemons, sind davon nur "zwei Handvoll" Kunden betroffen.

Gemutmaßt wird, dass diese über ein Guthaben von mindestens drei Millionen Euro auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto verfügen müssen. Auch über die Höhe der Strafzinsen wurden keine Angaben gemacht. Die Sparkasse Köln-Bonn hat insgesamt rund 900.000 Privatkunden. Auch die größte Sparkasse Deutschlands, die Hamburger Sparkasse, führt derzeit entsprechende Gespräche mit vermögenden Kunden, um die ihr auferlegte Belastung weiterzugegeben.

Institutionelle und Geschäftskunden müssen bereits seit 2016 bei diversen Geldinstituten Minuszinsen für als zu hoch befundene Beträge zahlen. Branchenkenner vermuten, dass der Schritt, Strafzinsen auf sehr vermögende Privatkunden auszuweiten, auch deshalb erfolgt ist, um zu verhindern, dass Geschäftskunden ihre Privatkonten nutzen, um ansonsten belastende Guthaben ihrer Firmenkonten zu schützen.

Auf Anfrage von n-tv.de beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) teilt dieser mit, dass auch in Zukunft keine Strafzinsen für den Otto-Normal-Kunden geplant seien, was auch die Sparkasse Köln-Bonn bestätigt. Vielmehr dienten die nun getroffenen Maßnahmen, betuchte Kunden zu belasten, dazu, die anderen vor Minuszinsen zu bewahren. Laut DSGV lagen die eigenen Belastungen der Sparkassen für Einlagen bei der EZB im vergangenen Jahr bei einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag. 

So oder so: Wollen Normal-Sparer wenigstens die besten Konditionen am Markt für ihr Geld abgreifen, bleibt ihnen nur das sogenannte Zinshopping.. Denn Strafzinsen dürften auf breiter Front auch von anderen Geldhäusern nicht zu erwarten sein.

Wem auch dies kein Trost ist, dem hilft vielleicht die Philosophie. Hat doch schon der (schwerreiche) Seneca gewusst, dass nicht der arm ist, der wenig hat, sondern der, der nicht genug kriegen kann.

Tagesgeld und Festgeld: Hier gibt's die besten Konditionen

Quelle: n-tv.de

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