Ratgeber

Nicht schön So tricksen Banken bei den Dispozinsen

Harte Zeiten für Kunden: kaum Zinsen fürs Ersparte und stattdessen Zusatzgebühren für die Kontonutzung, mitunter auch fürs Geldabheben. Und auch die hohen Belastungen für den Dispo sind ein Ärgernis. Die Branche zeigt sich hier besonders kreativ, wie Warentest feststellt.

Okay, Kredite für Immobilien sind preiswert zu haben. Und auch für Ratenkredite müssen Schuldner etwas weniger Zinsen zahlen als lange Jahre vorher. Der Grund: Banken können sich zu null Prozent Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen. Dass sie überhaupt Zinsen für einen Kredit verlangen, ist dabei per se nicht verwerflich. Denn es gehört grundsätzlich zum Geschäftsmodell von Geldhäusern, den schnöden Mammon teurer zu verleihen, als sie ihn geliehen bekommen. Schließlich kann der Verbraucher nicht direkt bei der EZB anklopfen, um sein neues Häuschen oder den Kühlschrank zu finanzieren. Nur die Relation sollte ungefähr hinhauen.

Bei den Zinsen, die für die Kontoüberziehung verlangt werden, gibt es allerdings seit jeher eine - vorsichtig ausgedrückt - Übertreibung. Zwar räumen Banken mit dem Dispokredit ihren Kunden die Möglichkeit ein, Geld auszugeben, obwohl gar nichts mehr auf dem Girokonto ist, ein durchschnittlicher Zinssatz von fast 10 Prozent für so viel Freigebigkeit ist dann aber doch etwas viel.

Um Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, die Angebote der Banken besser zu vergleichen, sind die Geldhäuser seit letztem Jahr per Gesetz dazu verpflichtet, die aktuellen Zinssätze gut sichtbar auf ihrer Internetseite zu präsentieren. Bereits seit 7 Jahren müssen Kunden nachvollziehen können, wie und wann sich die Zinsbelastung verändert.

Referenzzinssatz + Aufschlag von x Prozent

So weit, so gut. Doch wie "Finanztest" festgestellt hat, tricksen nicht wenige Banken bei der geforderten Transparenz. Demnach werden die Belastungen nicht vermindert, selbst wenn der Referenzwert (meist EZB-Leitzins oder der 3-Monats-Euribor) in den Minusbereich rutscht. Negative Zinsen werden also wie eine Null behandelt. Oder aber die Zinsanpassungsklauseln werden kurzerhand geändert - wenig überraschend zuungunsten der Kunden. Aber auch bei der schnöden Transparenz mangelt es mitunter. Statt klar die genauen Höhe des Dispozinses im Preisverzeichnis zu nennen, werden Formulierungen wie "Referenzzinssatz + Aufschlag von x Prozent" gewählt. Da fällt Vergleichen schwer. Genauso wie wenn die gewünschten Informationen nur unter Stichworten wie "Wohnimmobilienkreditrichtlinie Girokonto" oder "Wunschkredit“ zu finden sind.

Die Tester wissen aber auch zu berichten, dass manche Banken die Höhe des Dipos von der Bonität ihrer Kunden abhängig machen. Insgesamt sind bei der Untersuchung 29 Institute negativ aufgefallen, die unklare Angaben zum Dispozins gemacht haben. Darunter die Berliner Bank, die Deutsche Bank, viele Volks- und Raiffeisenbanken und diverse Sparkassen.

Wenig tröstlich ist da die Initiative der Banken, mit Kontomodellen zu werben, bei denen die Überziehung des Girokontos den Kunden weniger teuer zu stehen kommt. Denn die Institute langen im Gegenzug beim Kontoführungspreis hin, so dass das Standardkonto mit höherer Dispobelastung - trotz regelmäßiger Nutzung - oft günstiger ist.

Alles in allem keine schönen  Bedingungen für Bankkunden. Doch ungeachtet der Tricksereien: Spitzenreiter beim Abkassieren fürs Überziehen sind die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost (13,75 Prozent), die Raiffeisenbank Aulendorf (13,06 Prozent) und die VR-Bank Landsberg-Ammersee ((13 Prozent).

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es auch anders geht - dies zeigen vor allem die Direktbanken. An voran die Deutsche Skatbank. Sie berechnet derzeit fürs Girokonto "Flat" 0 Prozent, beim Kontomodell "Trumpf" sind nur 4,17 Prozent Zinsen fällig.       

So klappt der Kontowechsel

Tagesgeld und Festgeld: Hier gibt's die besten Konditionen

Quelle: n-tv.de , awi

Mehr zum Thema