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Wegen Fehlern in Policen Millionen Kunden haben Recht auf mehr Geld

Bei der Lebensversicherung kann die Überprüfung des Widerrufs einige 1000 Euro extra bringen.

Bei der Lebensversicherung kann die Überprüfung des Widerrufs einige 1000 Euro extra bringen.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Analog zu Immobilienkrediten können auch Kunden von Lebensversicherern wegen fehlerhafter Widerspruchsbelehrungen ihren Vertrag rückabwickeln. Und dadurch einige tausend Euro kassieren, wie Finanztest erklärt.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH: Az.: IV ZR 76/11) können viele Besitzer von Lebens- und Rentenversicherungsverträgen, darunter auch Riester- und Rürup-Rentenversicherungen, diese auch heute noch rückabwickeln. Denn sie können den Verträgen widersprechen, wenn diese eine fehlerhafte Widerspruchsbelehrung enthalten. Nach Schätzungen der Verbraucherzentrale Hamburg sind 20 bis 24 Millionen Versicherungen betroffen, die zwischen dem 29. Juli 1994 und dem 31. Dezember 2007 abgeschlossen wurden.

Fehlerhafte Widerrufsbelehrungen bei den genannten Versicherungen geben vielen Verbrauchern somit die Möglichkeit, auch noch viele Jahre nach Vertragsschluss diesen vorzeitig aufzulösen. Ist die Widerrufsbelehrung falsch, startet die Widerrufsfrist von normalerweise 14 Tagen nicht (nach 2004 innerhalb ­von 30 Tagen). Der Widerruf der Police kann dadurch jederzeit erklärt werden. So sind auch lange nach Vertragsende oft noch einige 1000 Euro Nachschlag drin, wie Finanztest in seiner neusten Ausgabe berichtet.

Zudem können Versicherungskunden durch eine Rückabwicklung ihrer entsprechenden Policen mehr Geld erwarten, als wenn sie ihre Verträge kündigen. Denn bei einem Widerspruch müssen alle Prämien einschließlich der hohen Abschluss- und Verwaltungskosten komplett vom Versicherer erstatten werden. Abziehbar sind dem Bericht zufolge lediglich die Beiträge für den Versicherungsschutz wie Risikobeiträge für den Todesfallschutz.

Finanztest nennt ein Beispiel für eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung: "Wie Ihnen bereits aufgrund unseres Hinweises im Versicherungs­antrag bekannt ist, können Sie inner­halb von 14 Tagen nach Erhalt des Versicherungs­scheins dem Versicherungs­vertrag wider­sprechen. Zur Wahrung der Frist genügt eine recht­zeitige Absendung des Wider­spruchs."

Im genannten Beispiel fehlt laut BGH-Urteil der Hinweis, dass der Widerspruch in Textform getätigt werden muss. Zudem muss die Belehrung optisch deutlich hervorgehoben sein. Wenn der Beginn der Widerrufs­frist nicht angegeben ist, gibt es ein ewiges Rück­tritts­recht für den Kunden. 

Allerdings haben von solcherlei Widerrufsbelehrungen betroffene Policeninhaber ohne die Hilfe von Profis kaum eine Chance, ihr Recht durchzusetzen. Sie sind deshalb gut beraten, sich an die Verbraucherzentrale Hamburg, einen Anwalt, einen Dienstleister, der auf den Widerspruch von Versicherungsverträgen spezialisiert ist oder an den Ombudsmann für Versicherungen zu wenden.     

Quelle: n-tv.de , awi

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