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Kein zweites TV-Duell Schulz wusste, dass Merkel Nein sagt

Es bleibt in diesem Wahlkampf bei einem TV-Duell zwischen Schulz und Merkel.

Es bleibt in diesem Wahlkampf bei einem TV-Duell zwischen Schulz und Merkel.

(Foto: REUTERS)

Angela Merkel lehnt ein zweites TV-Duell ab. Der erneute Vorstoß von Martin Schulz war dennoch richtig. Die Absage lässt die Kanzlerin nicht gut aussehen. Aber das wird dem SPD-Kandidaten kaum noch helfen können.

"Klartext, Herr Schulz", so hieß die Sendung, in der Martin Schulz am Dienstagabend auftrat. Der SPD-Kanzlerkandidat kam in direkten Kontakt mit vielen Wählern, die beiden Moderatoren hielten sich weitgehend im Hintergrund: ein gelungenes Format. Schulz präsentierte eine kleine Überraschung. Er habe der Kanzlerin einen Brief geschrieben "und sie aufgefordert, ein nächstes Duell mit mir zu machen", erklärte er am Ende der Übertragung. Schulz und seine Partei hadern. Mit dem sonderbaren Absturz des Kandidaten, dem aus SPD-Sicht wenig glücklichen Wahlkampf, dem Ausgang des ersten TV-Duells und vor allem mit der Tatsache, dass Merkel nicht zu packen ist. Schulz' Forderung kann einem da fast etwas verzweifelt vorkommen. Berechtigt und strategisch sinnvoll ist sie dennoch.

Bei den Verhandlungen zwischen Parteien und Sendern sperrte sich das Kanzleramt sowohl gegen eine Änderung des Formats als auch gegen die Ausrichtung mehrerer TV-Duelle. Souverän ist das nicht. Im Wahlkampf sollte sich ein Amtsinhaber seinem Herausforderer stellen und sich nicht wegducken. Die SPD kritisiert dieses Verhalten Merkels seit Monaten. Dass sie ein zweites Duell fordert, ist nicht neu, trotzdem hat Schulz es nun erneut versucht. Merkel wird ihm den Gefallen jedoch nicht tun, sie hat seine Forderung heute erneut abgelehnt. Der SPD-Kandidat hatte seine Chance, so dürfte man das im Kanzleramt sehen. Merkel hat es schlicht nicht nötig, noch einmal gegen ihn anzutreten.

Schulz dürfte mit der Absage gerechnet haben. Warum er es trotzdem versucht hat? Weil es den Sozialdemokraten dennoch nützen könnte. In den Umfragen steht die SPD schlecht da. Selbst die meisten Sozialdemokraten glauben nicht mehr an den Wahlsieg. Schulz hat also nichts mehr zu verlieren. Der Herausforderer widersetzt sich mit seinem Vorstoß dem Eindruck, dass er schon aufgegeben hat. Schulz setzt die Kanzlerin unter Druck, in der Sendung am Dienstag sagte er: "Ich bin jederzeit bereit". Das klingt nicht nur kampfeslustig, es lässt Merkel nun auch etwas feige aussehen. Nach ihrer Absage kann die SPD nun bis zum Wahltag ausschlachten, dass die Kanzlerin sich nicht traut.

Ob Schulz das noch hilft, ist jedoch fraglich. Ohnehin ist völlig unklar, ob Schulz ein weiteres Duell überhaupt genutzt hätte. Im ersten und einzigen Aufeinandertreffen mit Merkel gelang dem Kanzlerkandidaten nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Dabei spricht längst nicht nur die knappe Zeit gegen einen zweiten TV-Zweikampf: Das Duell hat sich in seiner jetzigen Form einfach nicht bewährt. Zu viele wichtige Themen fehlten, die Struktur war bisweilen chaotisch und die vier Moderatoren zu präsent. Erfrischender und gelungener waren in diesem Wahlkampf ohnehin Veranstaltungen wie das RTL-Townhallmeeting, die Wahlarena und die Klartext-Formate, an denen jeweils nur einer der Spitzenkandidaten teilnahm. Wofür also ein zweites Duell?

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Quelle: n-tv.de

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