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Deutschland auf der Kriechspur So langsam ist das Internet hierzulande

Auf der Internet-Landkarte Deutschlands gibt es noch immer zahlreiche weiße Flecken. Manche Regionen sind weiterhin eher off- als online. Wo es besonders düster aussieht und wie Deutschland im internationalen Vergleich dasteht, zeigen unsere Karten.

Seit Jahren bereits wird in der Politik vom Ausbau der Breitbandnetze gesprochen. Doch in der Wirklichkeit bewegt sich wenig. Nur rund 37 Prozent der Deutschen verfügen bereits über einen Breitbandanschluss. Die allermeisten davon basieren jedoch auf ADSL und VDSL, also nicht den besonders übertragungsstarken Glasfaserleitungen. "Betrachtet man die Verfügbarkeit glasfasergestützter Anschlüsse, so zeigt sich in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern eine gravierende Unterversorgung", heißt es einer Bertelsmann-Studie mit dem Titel "Auf der Kriechspur: Deutschland investiert zu wenig in Glasfaserausbau".

Während die Versorgung in den urbanen Zentren in Deutschland weitgehend steht, sind besonders im ländlichen Raum die Chancen, an schnelles Internet zu kommen, dürftig. In vielen Landkreisen beträgt der durchschnittliche Anteil von Leitungen mit einer Kapazität von über 50MBit/s knapp über zehn Prozent. In einzelnen Gemeinden sind solche Werte erst gar nicht erreichbar.

Der schleppende Ausbau der Netze ist in den vergangenen Jahren zunehmend zu Thema in der Politik geworden: Im vergangenen Jahr etwa legte der Bundesminister für digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, seinen Fahrplan für die "Gigabit-Gesellschaft" vor. Danach soll bis Ende 2018 jedem Bürger Zugang zu einem Anschluss mit mindestens 50MBit/s ermöglicht werden. Die Netzberteiber, so die Studie, würden diese Kapazitäten allerdings vornehmlich über bestehende Kupferleitungen schaffen und nur wenig neue Glasfaserleitungen legen.

Die Bertelsmann-Studie spricht in dem Zusammenhang von einem "evolutionären Ansatz" bei den Netzbetreibern wie Vodafone und Telekom. Sie würden nur stellenweise Glasfaser einsetzen und sonst auf Kupferleitungen setzen, um Kosten zu sparen. Der Ausbau des Glasfasernetzes, so die Studie, würde durch diesen Ansatz zwangsläufig ausgebremst.

 

In anderen Nationen wird konsequent auf Glasfaser gesetzt, um zukunftsfähig zu bleiben. In China etwa hat die durchschnittliche Übertragungsrate im Vergleich von 2016 zu 2017 um 78 Prozent zugenommen, in den USA um 22 Prozent, in Dänemark um 17 Prozent, in Deutschland um 9,8 Prozent. Die durchschnittliche Übertragungsrate hierzulande liegt derzeit bei 15,3 MBit/s - damit belegt Deutschland allenfalls einen Platz im oberen Mittelfeld, keineswegs an der Spitze, wo die Werte fast doppelt so hoch liegen.

 

Quelle: n-tv.de