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Trotz guter Konjunktur Mehr Armut, mehr Nebenjobs

Die Konjunkturlage in Deutschland bleibt gut, die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Dennoch sind viele Menschen dem Risiko ausgesetzt, in Armut zu rutschen.

Trotz guter Konjunktur ist das Armutsrisiko in Deutschland nicht gesunken. Besonders betroffen sind Erwerbslose und Alleinerziehende, aber auch Kinder und Heranwachsende sind zunehmend armutsgefährdet. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Mittlerweile ist jeder fünfte unter 18-Jährige von Armut bedroht. Sozialverbände und Opposition warfen der Bundesregierung Versagen vor.

Die sogenannte Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der Menschen ist, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland zur Verfügung haben. Bundesweit lag die Quote im vergangenen Jahr wie schon im Vorjahr bei 15,7 Prozent. 2016 waren demnach 20,2 Prozent der unter 18-Jährigen durch Armut gefährdet. Das war ein neuer Höchststand. 2015 lag die Armutsgefährdungsquote bei Kindern und Heranwachsenden bei 19,7 Prozent.

 

Von den Erwerbslosen galt im vergangenen Jahr weit mehr als die Hälfte (56,9 Prozent) als armutsgefährdet - knapp 53 Prozent im Westen und mehr als zwei Drittel (66,9 Prozent) im Osten. Auch Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich betroffen. Insgesamt 43,6 Prozent der Alleinerziehendenhaushalte waren armutsgefährdet. Menschen mit Migrationshintergrund haben ein mehr als doppelt so hohes Armutsrisiko (28 Prozent) wie jene mit deutscher Staatsbürgerschaft (13,3 Prozent).

Auch gehen immer mehr Menschen in Deutschland einem Nebenjob nach. Laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit hatten Ende 2016 fast 2,7 Millionen Arbeitnehmer eine Nebenbeschäftigung. Mehr als die Hälfte der angestellten Nebenjobber macht den Minijob zusätzlich zur Vollzeitbeschäftigung.

In den vergangenen Jahren habe es einen starken Anstieg bei Nebenjobbern gegeben, sagt der Forscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB): "Seit den Hartz-Reformen hat sich die Zahl mehr als verdoppelt", sagt Weber. 2003 gingen lediglich 1,2 Millionen Menschen im Nebenberuf einem Minijob nach. Vor allem Menschen mit einem unterdurchschnittlichen Verdienst im Hauptjob hätten einen zusätzlichen Minijob, meint der Forscher.

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Doch nicht immer sei die finanzielle Not der Grund. Viele empfänden die geringen Abgaben auch als praktisch, denn "brutto ist wie netto". Geringfügige Nebenbeschäftigungen auf 450 Euro-Basis wurden durch die Hartz-Reformen begünstigt: Minijobber zahlen mit Ausnahme der Rentenversicherung keine Sozialabgaben - von der Rentenversicherung kann man sich allerdings befreien lassen "und das tun auch die meisten", sagt Weber.

Die meisten Nebenjobs gibt es im Einzelhandel und Gastgewerbe, in anderen wirtschaftlichen Dienstleistungen und im Gesundheits- und Sozialwesen. Ihre Hauptjobs haben die Nebenjobber zum Teil in den gleichen Branchen. Am häufigsten arbeiten sie laut der Analyse jedoch hauptberuflich im verarbeitenden Gewerbe.

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Quelle: n-tv.de , bdk

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