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Zahlen steigen seit Jahren Immer weniger Einbrecher werden überführt

Neben Terroranschlägen fühlen sich die Deutschen am stärksten von Einbrechern in ihrer Sicherheit bedroht. Denn die Zahl der Einbrüche hat in den vergangenen Jahren rapide zu- und die Aufklärungsquote abgenommen. Kommt jetzt die Trendwende?

Immer mehr Deutsche – Mieter, Hausbesitzer und Geschäftsleute – fürchten sich vor Einbrechern. Aus gutem Grund: Die Zahl der Einbrüche hierzulande ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, sowohl in Privat- als auch in Geschäftsräume. 2016 könnte es immerhin eine Trendwende geben: Unbestätigten Berichten zufolge zählt die Kriminalstatistik im Jahr 2016 rund zehn Prozent weniger Einbrüche.

Doch der Rückgang kommt von einem hohen Niveau: Während die Zahl der Einbrüche im Jahr 2006 bei rund 106.000 lag, lag sie 2015 bei über 160.000. Auch die Zahl der versuchten Einbrüche ist in den vergangenen Jahren hochgegangen: von unter 40.000 im Jahr 2006 auf über 70.000 im Jahr 2015.

Wer nun glaubt, die Aufklärungsquote sei linear mit diesen Werten gestiegen, irrt. Immer weniger Einbrecher wurden in diesem Zeitraum dingfest gemacht. Während 2006 noch fast 20 Prozent der Einbrüche aufgeklärt wurden, waren es 2015 nur noch knapp 15 Prozent.

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Eine niederschmetternde Bilanz für die Behörden, angesichts der Tatsache, dass viele Menschen in Deutschland sich besonders davor fürchten, Opfer eines Einbruchs zu werden: "Neben der Terrorismusgefahr ist die Gefahr, Opfer eines Einbruchs zu werden, für die Bürgerinnen und Bürger die größte Bedrohung ihres Sicherheitsgefühls", sagte auch Innenminister Thomas de Maizière im Herbst vergangenen Jahres, als er mit Innenministern der Länder, Belgiens und der Niederlande zusammenkam, um über das Problem zu beraten.

Dass nicht einmal ein Fünftel der Einbrüche aufgeklärt wird, ist für Opfer völlig inakzeptabel. Josef Mooseder, den unsere Reporter in Dachau bei München besucht haben, weiß nicht mehr weiter. Mooseder betreibt mehrere Tabakgeschäfte in der Region, die bereits mehrfach zum Ziel von Einbrechern wurden. Zwar wurden die Täter zum Teil gefasst, aber zu einer Verurteilung kam aus verschiedenen Gründen es in keinem der Fälle. Für Mooseder frustrierend, denn er wurde bereits zum siebten Mal zum Opfer von Einbrechern. Keiner der Täter, beklagt er, sei je für einen dieser Einbrüche verantwortlich gemacht worden.

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Viele ausländische Tatverdächtige

Der Schaden, den Einbrecher verursacht haben, summierte sich 2015 auf über 440 Millionen Euro. Schwerpunkte seien Metropolen, städtische Regionen sowie Gegenden entlang von Fernstraßen gewesen, erklärt Sandra Clemens vom Bundeskriminalamt. Auffällig sei außerdem, dass im Winter - der dunklen Jahreszeit - deutlich mehr Einbrüche stattgefunden hätten. Was das Bundeskriminalamt ebenfalls beobachtet: Die Täter kommen immer häufiger aus dem Ausland. "Der Anstieg der Fallzahlen ist überwiegend auf reisende Täter zurückzuführen", sagt BKA-Beamtin Clemens. "Die Täter sind zunehmend professionell, mobil, international, die Banden gut strukturiert".

Tatsächlich ist auffällig, dass immer mehr Ausländer unter den Tätern sind. Während nach der Jahrtausendwende zwischen 19 und 20 Prozent der Täter beim Wohnungseinbruch "Nichtdeutsche" - wie es beim BKA heißt - waren, liegt dieser Wert inzwischen bei über 50 Prozent. Auch bei Einbrüchen in gewerbliche Räume ist der Anteil ausländischer Täter stark gestiegen.

Zahlen für 2016 wohl rückläufig

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Zwar wird die offizielle Statistik des BKA erst Ende des Monats veröffentlicht, das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" will jedoch schon herausgefunden haben, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche 2016 erstmals seit zehn Jahren abgenommen hat. Laut der noch unveröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik seien im vergangenen Jahr rund 151.000 Einbrüche angezeigt worden, berichtete das Magazin. Das seien knapp zehn Prozent weniger als im Jahr davor. In Sicherheitskreisen wurden die Zahlen zwar nicht im Detail bestätigt. Die Tendenz sei aber richtig.

Und auch die Fallzahlen bei Einbrüchen in gewerbliche Räume sind im Gegensatz zu Einbrüchen in Wohnräume insgesamt betrachtet rückläufig. In Büros, Fabrikations- und Werkstattbetriebe wurde etwa 1997 noch über 140.000 mal eingebrochen. 2015 lag diese Zahl bei unter 90.000. Und auch Einbrüche in Kioske, wie dem von Mooseder passieren seltener: Nach einem Höchstwert von knapp 16.000 Einbrüchen 1993, lag die Zahl um die Jahrtausendwende bei rund 8000 Fällen. Inzwischen sind es noch knapp über 6000.

Quelle: n-tv.de , bdk

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