Nah dran

Der Landarzt stirbt aus Auf dem Land droht Versorgungsnot

Landarzt Carsten Gieseking im Gespräch mit einer Patientin.

Landarzt Carsten Gieseking im Gespräch mit einer Patientin.

Immer weniger Ärzte wollen auf dem Land arbeiten, immer mehr Landärzte gehen in Rente. Schon jetzt sind viele Dörfer mit Ärzten unterversorgt. Was das für die letzten verbliebenen Ärzte bedeutet, erzählt ein Landarzt unseren Reportern.

Der Landarzt, der mit seinem Geländewagen durch blühende Landschaften fährt. Immer eine Lösung parat, immer Zeit für seine Patienten, die er natürlich alle persönlich kennt. Und wenn es mal dringend ist, kann der Notleidende ihn selbstverständlich auch am Wochenende besuchen. Dieses Bild der ärztlichen Versorgung auf dem Land ist gründlich überholt. In der Realität sind die Praxen der Ärzte auf dem Land überfüllt, Patienten müssen lange auf Termine warten und viele, vor allem ältere, weniger mobile Menschen, müssen sich mit der Frage beschäftigen, wie sie überhaupt noch zur nächstgelegenen Praxis kommen sollen.

Auch Carsten Gieseking, den unsere Reporter im niedersächsischen Müden an der Aller besucht haben, kennt das Problem. Allein in Niedersachsen gehen in den kommenden zehn Jahren fast 2000 Allgemeinmediziner in Rente. Und die Arbeitsbelastung für die verbleibenden Landärzte wächst schon jetzt immens. Gieseking, dessen Praxis elf Stunden täglich geöffnet ist, kann sich vor Terminanfragen kaum retten. Doch im Gegensatz zu den Kollegen in der Stadt, sei das Dasein als Landarzt eben wenig lukrativ: "Wir haben viel zu tun, das Einkommen ist nicht das beste und wir haben einen riesigen Wust an Bürokratie. Man verbringt viel Zeit im Büro und nicht am Patienten."

Reportagereihe NAH DRAN!!

Die erste Staffel von NAH DRAN!! läuft im n-tv-Fernsehen ab Montag, dem 24. April jeweils um 12, um 15 und um 18 Uhr und ist daneben auch auf dieser Seite und bei Facebook abrufbar.

51.000 Ärzte gehen in Ruhestand

Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sagt jedoch: "Die Versorgung ist derzeit überall sichergestellt". Im internationalen Vergleich sei das deutsche System noch immer ausgezeichnet. Einen wirklichen Mangel an Ärzten will er nicht erkennen. Eine Herausforderung sei es jedoch, die rund 51.000 Mediziner, die in den kommenden Jahren auf dem Land in den Ruhestand gingen, zu ersetzen. "Da Nachfolger zu finden, ist nicht so einfach." Denn wer heute sein Medizin-Studium beende, den erwarte nicht nur Vollbeschäftigung, die jungen Ärzte könnten sich gewissermaßen aussuchen, wohin sie gehen möchten. "Und was die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit, Familie angeht, sind die Städte attraktiver".

Um künftig mehr Ärzte für die Arbeit auf dem Land zu gewinnen, sollen Mediziner schon während ihres Studiums näher an die Patienten herangeführt und über Quoten häufiger als bisher für eine Niederlassung als Landarzt gewonnen werden. Dies sieht der Ende März von Bund und Ländern beschlossene "Masterplan Medizinstudium 2020" vor.

Pro Jahr schließen nach Länder-Angaben etwa 10.000 Mediziner ihr Studium ab. Um mehr Landärzte zu gewinnen, soll den Ländern die Einführung einer Quote ermöglicht werden. Sie könnten dann bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an bestimmte Bewerber vergeben - diese müssten sich aber verpflichten, "nach Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für bis zu zehn Jahre in der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten beziehungsweise durch Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen tätig zu sein".

Quelle: n-tv.de , bdk

Mehr zum Thema