Nah dran

Von Zeitvertrag zu Zeitvertrag Akademiker klagen über Jobunsicherheit

Als hochqualifizierter Wissenschaftler kann man sich seinen Job aussuchen - rein statistisch stimmt diese Behauptung. Akademiker finden fast immer einen Job. Doch es gibt auch eine Kehrseite.

Studiert, hochqualifiziert, fest angestellt? Zwar zeigt die Statistik, dass Uni-Absolventen exzellente Job-Aussichten haben und auch meist mehr verdienen als Menschen mit einer Berufsausbildung, doch die Lebensrealität sieht gerade in Forschung und Wissenschaft ganz anders aus. Denn unter welchen Bedingungen junge Wissenschaftler in Deutschland arbeiten, das dokumentiert die Statistik der Bundesagentur für Arbeit nicht.

Unser Reporter Benjamin Geese hat den promovierten Physiker Alexander Arndt in Braunschweig besucht. Sieben Jahre lang hat er an einem renommierten Institut die Auswirkungen von Strahlung auf das menschliche Erbgut erforscht. Einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat er jedoch nie bekommen. Jobsicherheit, so scheint es bei allen guten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, ist Akademikern oft fremd.

Reportagereihe NAH DRAN!!

Die erste Staffel von NAH DRAN!! läuft im n-tv-Fernsehen ab Montag, dem 24. April jeweils um 12, um 15 und um 18 Uhr und ist daneben auch auf dieser Seite und bei Facebook abrufbar.

Nur 29 Prozent glauben an Professur

Das Netzwerk "Global Young Academy" hat vor zwei Jahren erforscht, wie sich junge Akademiker auf dem Arbeitsmarkt zurechtfinden und 650 Wissenschaftler in aller Welt befragt. Das Ergebnis ist deutlich: 83 Prozent der Akademiker in Europa nennen "Jobunsicherheit" das größte Hindernis, wenn es um ihre wissenschaftliche Karriere geht. In anderen Teilen der Welt ist diese Wahrnehmung deutlich anders: Über "Jobunsicherheit" klagen in Nord- und Südamerika 44 Prozent, in Afrika 31 Prozent und in Asien sogar nur 15 Prozent der jungen Forscher.

Auch die Chancen, eine dauerhafte Festanstellung in der Forschung zu bekommen, beschreiben Wissenschaftler in Europa als besonders gering. Und nur knapp 29 Prozent der Akademiker in Europa glauben der Studie zufolge, dass sie irgendwann einmal eine Professur annehmen können. In allen anderen Erdteilen ist dieser Wert mindestens doppelt so hoch.

Arndts Familie lebt in Leipzig, er pendelt für den Beruf nach Braunschweig. Doch die Familie mit einem befristeten Job nachholen und riskieren, bald wieder umzuziehen? Der Physiker hat sich entschieden, seinem Job den Rücken zu kehren, und erwägt, sein Talent der freien Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Auch seine Lebensgefährtin Claudia Unglaub hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Nach ihrer Promotion als Meteorologin wurde ihr ein Sechsmonatsvertrag angeboten. Eine verlässliche Planung für eine Familie lassen solche Zeitabstände kaum zu.

Quelle: n-tv.de , bdk

Mehr zum Thema