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Bedrohliche Lage im Libanon Westen fürchtet Stellvertreterkrieg

Kronprinz Mohamed bin Salman gilt als der starke Mann Saudi-Arabiens - riskiert er einen weiteren bewaffneten Konflikt?

Kronprinz Mohamed bin Salman gilt als der starke Mann Saudi-Arabiens - riskiert er einen weiteren bewaffneten Konflikt?

(Foto: imago/ZUMA Press)

Wie geht es weiter im Libanon? Droht dort der nächste Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und Iran? Deutschland und Frankreich wollen das verhindern. Sie versuchen die Lage zu beruhigen.

Deutschland und Frankreich bemühen sich um eine Entspannung der Lage im Libanon. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel telefonierte mit seinem saudischen Kollegen Adel al-Dschubair und äußerte ihm gegenüber "große Sorge" über die Entwicklung im Libanon. Nach der Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Saad Hariri gibt es Ängste, in dem kleinen Land könnte ein neuer Stellvertreterkonflikt zwischen den Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran ausbrechen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich bereits am Donnerstagabend bei einem überraschenden Besuch in der saudischen Hauptstadt Riad für eine friedliche Lösung der Krise eingesetzt. In einem Gespräch mit Kronprinz Mohammed bin Salman habe Macron die Bedeutung hervorgehoben, die Frankreich der Stabilität und Sicherheit des Libanons zumesse, teilte der Élysée-Palast mit.

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Auch die USA warnten davor, den Libanon zu einem Schauplatz von Stellvertreterkonflikten zu machen. Die US-Regierung rufe dazu auf, die Integrität und Souveränität des Staates zu achten, sagte Außenminister Tillerson. Washington respektiere Hariri als "starken Partner der USA".

Die Situation bereite ihm große Sorgen, sagte auch UN-Generalsekretär António Guterres in New York. "Wir wollen, dass der Frieden im Libanon erhalten bleibt. Es ist essenziell, dass kein neuer Konflikt in der Gegend ausbricht, das könnte verheerende Konsequenzen haben." Es sei wichtig, dass die Einheit und Stabilität des Libanon gewährt bleibe. Deswegen sei er seit Tagen in intensiven Gesprächen mit Vertretern aus der Region.

Fragiles Gleichgewicht im Libanon

Die Hisbollah beschuldigte Saudi-Arabien, Hariri zum Rücktritt gezwungen zu haben und ihn nun festzuhalten. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah warf der saudischen Führung zugleich vor, Israel zu einem Schlag gegen den Libanon aufwiegeln zu wollen. Hariri hatte am Wochenende von Saudi-Arabien aus seinen Rücktritt von der Spitze der libanesischen Koalitionsregierung angekündigt. Nach Hariris Ankündigung kamen in Medien Gerüchte auf, er stehe in Saudi-Arabien unter Hausarrest.

Hariri ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens. Das sunnitische Königreich bekämpft die Hisbollah und deren schiitische Schutzmacht Iran. Am Donnerstag rief Riad seine Staatsbürger auf, den Libanon so schnell wie möglich zu verlassen.

Im multikonfessionellen Libanon herrscht ein fragiles politisches Gleichgewicht zwischen Sunniten, Schiiten und Christen. Stärkste Kraft ist die Hisbollah, gegen die nicht regiert werden kann. Zwischen 1975 und 1990 hatte es in dem kleinen Land am Mittelmeer einen blutigen Bürgerkrieg gegeben. Heute leidet der Libanon auch unter der Last von mehr als einer Millionen syrischen Flüchtlingen.

Schon mehrere Krisenherde in der Region

Die Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran stehen sich bereits in Syrien und im Jemen als Feinde gegenüber. Teheran unterstützt im Jemen die schiitischen Huthi-Rebellen, die eine von den Saudis geführte Koalition seit mehr als zwei Jahren aus der Luft bombardiert. Der Iran und die Hisbollah sind zugleich wichtige Partner des Assad-Regimes in Syrien. Dort unterstützt Saudi-Arabien Rebellengruppen.

Gabriel drückte im Gespräch mit seinem saudischen Kollegen die Überzeugung aus, dass die Fortschritte im Libanon unter der Führung von Hariri "nicht in Gefahr geraten" dürften, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin berichtete. Die Grünen-Abgeordnete Franziska Brantner forderte ein Krisentreffen der EU-Außenminister, um eine gewaltsame Eskalation im Libanon zu verhindern.

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte, die Bundesregierung sehe die Politik des Irans und seine Unterstützung des syrischen Regimes und der Hisbollah-Miliz kritisch. Sie appelliere an Saudi-Arabien und den Iran, "die politische Stabilität im Libanon nicht zu schwächen". Die Vereinten Nationen übten scharfe Kritik an Saudi-Arabiens Einsatz im Jemen. Die jüngste Blockade der Flug- und Seehäfen mache das Elend der Zivilbevölkerung untragbar, berichteten UN-Organisationen in Genf. Seit vergangenem Wochenende könnten keinerlei Hilfsgüter für die rund 27 Millionen Einwohner mehr ins Land gebracht werden.

Quelle: n-tv.de , vpe/dpa

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