Politik

Trumps Erstschlag gegen Assad Was duldet Putin?

Von Issio Ehrich

(Foto: AP)

Erstmals greifen die USA das Assad-Regime direkt an. Unklar ist, ob es sich bei der Attacke mit Marschflugkörpern um einen einmaligen Vergeltungsschlag handelt. Die Risiken einer Eskalation wären kaum zu überblicken.

Wie so oft verpackt US-Präsident Donald Trump zwei Botschaften in seiner Rede. Botschaften, die den aufmerksamen Zuhörer ratlos zurücklassen. "Kein Kind Gottes sollte jemals solch ein Grauen erleben", sagte Trump über den Chemiewaffen-Einsatz am Dienstag in Syrien. "Deshalb habe ich einen gezielten militärischen Angriff angeordnet."

In den frühen Morgenstunden schlugen 59 Marschflugkörper des Typs Tomahawk in der Luftwaffenbasis Al-Schairat ein, von der aus laut US-Angaben die Giftgas-Angriffe ausgingen.

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Trump sagte aber auch: "Ich rufe heute Nacht alle zivilisierten Nationen dazu auf, sich uns anzuschließen, um zu versuchen, das Schlachten und Blutvergießen in Syrien zu beenden."

War dieser erste direkte Angriff der USA auf das syrische Regime nun eine einmalige Vergeltung? Oder der erste Schritt eines neuen offensiven Ansatzes?

Moskau schaute zu

Zur Stunde spricht vieles für einen einmaligen Schlag, der öffentlichkeitswirksam orchestriert wurde und von den Betroffenen – wenn auch widerwillig – hingenommen wurde.

Die USA haben Russland nach Angaben des Verteidigungsministeriums vor dem Angriff informiert, um sicherzustellen, dass keine russischen Soldaten verletzt oder getötet werden. Das passierte natürlich in dem Wissen, dass Moskau diese Information mit Damaskus teilt.

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Aus syrischen Militärkreisen heißt es nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur auch, dass der Flughafen zwar zu großen Teilen zerstört wurde, es aber möglich gewesen sei, den Großteil des Personals und die meisten Jets rechtzeitig zu verlegen.

Offensichtlich ist daher, dass es den USA zunächst darum ging, ein Zeichen zu setzen, nicht die syrischen Streitkräfte möglichst empfindlich zu treffen. Damaskus und Moskau nahmen das - aller Proteste im Nachhinein zum Trotz - hin. Die syrische Luftabwehr verfügt über S-200-Systeme. Russland hat in Syrien S-300- und die hochmodernen S-400-Systeme stationiert, die als ausgesprochen effektiv gelten. Es wäre möglich gewesen, die amerikanische Offensive zu verhindern, oder zumindest zu begrenzen. Das geschah - soweit bekannt - nicht.

Die Wirkung eines solchen einmaligen Vergeltungsschlags ist naheliegend. Trump kann sich von seinem Vorgänger Barack Obama absetzen und behaupten, tatsächlich auch zu handeln, wenn er rote Linien zieht. Im besten Fall schreckt das Syriens Präsidenten Baschar al-Assad in einem Maße ab, dass er keine Chemiewaffeneinsätze mehr riskiert.

Der Einsatz der Anti-IS-Koalition wird unsicherer

Ist das nicht der Fall, ist die alles entscheidende Frage: Was duldet Russlands Präsident Wladimir Putin? Denn dann müsste Trump auf jeden weiteren Giftgas-Einsatz mit Waffengewalt reagieren.

In den vergangenen Monaten gab es wiederholt Berichte, die zeigten, dass Russlands Präsident Putin durchaus auch Angriffe auf die Assad-Allianz zulässt. Israel flog demnach mehrere Luftangriffe, um zu verhindern, dass moderne Waffentechnik in die Hände der libanesischen Hisbollah fällt, ein Feind Israels, der Assad in seinem Kampf gegen die Rebellen unterstützt. Es dauerte zunächst einmal recht lange, bis es dem Machthaber in Damaskus selbst zu viel wurde, und er sich traute, seine Luftabwehr gegen Israel zu aktivieren. Erst Ende März wurde dann auch Russland in dieser Frage aktiv und bestellte den israelischen Botschafter ein.

Ist Moskau bereit, Vergeltung für Chemiewaffen-Einsätze zuzulassen, solange es nicht um den Sturz des Regimes Assad geht? Nach Trumps Intervention scheint die Geduld Moskaus begrenzt. Nur Stunden nach dem Angriff auf Al-Schairat setzte Moskau die Vereinbarung über die Vermeidung von Zusammenstößen im syrischen Luftraum aus, die der Kreml mit dem Weißen Haus geschlossen hat, um im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) nicht aneinanderzugeraten. Der Einsatz der von den USA geführten Anti-IS-Koalition in Syrien ist nun mit größeren Unsicherheiten verbunden. Das Potenzial der Eskalation ist groß. Völlig unüberblickbar ist es, wenn es Trump tatsächlich darum gehen sollte, das Blutvergießen in Syrien zu beenden. Denn das setzt den Sturz Assads voraus, den Moskau kaum hinnehmen dürfte.

Quelle: n-tv.de

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