Politik

Von Matt über CDU-Wahlkampf "Was Sie jetzt schon machen, verpufft"

In der Wahlkampfzentrale der CDU arbeiten Junge Union, Parteistrategen und Werber der Agentur Jung von Matt zusammen dafür, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt.

In der Wahlkampfzentrale der CDU arbeiten Junge Union, Parteistrategen und Werber der Agentur Jung von Matt zusammen dafür, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt.

(Foto: dpa)

Jean-Remy von Matt

Jean-Remy von Matt

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In der CDU-Parteizentrale wurde heute das Wahlkampf-Hauptquartier offiziell eröffnet. Unter dem Namen "Connect17" wird auch die Junge Union eingebunden. In den offenen Büroräumen sitzen auch Mitarbeiter der Werbeagentur Jung von Matt. Die Werber sind bekannt für ihre provokativen Kampagnen. n-tv.de sprach mit dem Werbe-Altmeister Jean-Remy von Matt über Kampagnen, Timing und die Durchschlagskraft klassischer Wahlplakate.

n-tv.de: Herr von Matt, in weniger als sechs Monaten wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Sie als erfahrener Werbe- und Kampagnenmacher, wann sollte man in den Wahlkampf einsteigen, um am Ende seine Zielgruppen zu erreichen?

Jean-Remy von Matt: Da Wechselwähler für Werbung die spannendste Gruppe ist und sie immer größer wird, muss man recht spät anfangen. Denn diese Wähler entscheiden sich erst am Ende des Wahlkampfs. Und alles was Sie jetzt schon machen, verpufft bis zum Wahltag.

Internet, Social Media, Tageszeitung oder auch TV – die Parteien wollen auf allen Plattformen vertreten sein. Wie wichtig ist da noch das klassische Wahlplakat an der Bushaltestelle?

Die Plakate haben auf jeden Fall so lange eine Existenzberechtigung so lange der Mensch auf die Straße geht, um frische Luft zu schnappen. Das ist ein unverwüstliches Medium, das im Wahlkampf eine besondere Rolle spielt. Wahlplakate sind zudem auch das öffentlichste Medium. Öffentlicher als Social Media, Print oder Fernsehen. Auf einem Plakat – so habe ich es vor vielen Jahren mal in der Werbefachschule gelernt – dürfen nur sieben Wörter stehen. Das achte Wort wird schon nicht mehr gelesen. Sie müssen sehr kurz und knapp sein. Ein Wahlkampf ist besonders spannend, weil eine Partei ein "High-Interest-Produkt" ist. Da haben Sie also automatisch Aufmerksamkeit.

Wie wollen Sie die CDU mit Emotionen aufladen? Wie wichtig sind Gefühle für Kampagnen?

Emotionen sind extrem wichtig. Wahlprogramme von Parteien sind komplex. Da fällt es Menschen schwer, Unterschiede leicht zu erkennen. Emotionen sind ein schnelleres Signal und sie werden immer wichtiger.

Die CDU hat ja bekanntlich auch viele ältere Anhänger, die auch nicht ständig bei Facebook unterwegs sind. Wie erreicht man die Älteren am besten?

Wir wollen ja nicht die CDU-Anhänger erreichen, sondern die, die noch keine Anhänger der Union sind. Und die, die noch unsicher sind, wen sie wählen. Zudem darf man das Internet auch nicht als zu junge Plattform ansehen.

Herr von Matt, über zwei Jahrzehnte galt in ihrer Agentur Jung von Matt die Devise, keine Kampagnen für Wahlkämpfe zu machen. Woher kam der Sinneswandel?

Im vergangenen Jahr haben wir eine erste Berührung mit der Politik gehabt als wir in Österreich für den Bundespräsidentenkandidaten der Grünen, Alexander Van der Bellen, tätig wurden. Da waren wir erfolgreich. Mit anderen Worten: Wir haben eine Siegquote von 100 Prozent (lacht). Das möchten wir so weiter machen. Als wir im Herbst 2016 gefragt wurden, war die politische Situation noch eine andere, da wurde von einer Bedrohung von rechts gesprochen und Leute sahen die Demokratie in Gefahr. Heute gibt es andere Themen. Ich muss sagen, dass es nicht unumstritten war in unserer Agentur, für eine Partei zu arbeiten. Wir haben uns dann mehrheitlich aber dafür entschieden. In den letzten Monaten haben sich bei uns in der Agentur-Gruppe immer mehr Kollegen gemeldet, die mitmachen wollen und Ideen einbringen. Das ist sehr erfreulich.

Mit Jean-Remy von Matt sprach Hero Warrings

Quelle: n-tv.de