Politik

"Ihr könnt stolz auf euch sein" Trumps kurioser Auftritt in Puerto Rico

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass US-Präsident Donald Trump gern Superlative benutzt. Bei einem Kurzbesuch auf der Karibikinsel Puerto Rico demonstriert er zudem einen auffallenden Mangel an Mitgefühl.

US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag die von den Hurrikanen "Maria" und "Irma" zerstörte Karibikinsel Puerto Rico besucht - und sich exakt so verhalten, wie man es von ihm erwartet.

Die First Lady brachte Trump nach Puerto Rico mit. Links im Bild der Gouverneur der Insel, Ricardo Rossello.

Die First Lady brachte Trump nach Puerto Rico mit. Links im Bild der Gouverneur der Insel, Ricardo Rossello.

(Foto: imago/Agencia EFE)

Vor der Reise hatte es vielfältige Kritik an der Reaktion der US-Regierung auf die Sturmkatastrophe gegeben. Puerto Rico war am 20. September von "Maria" getroffen worden, zuvor war bereits "Irma" über die Insel hinweggezogen. Doch Puerto Rico ist weit weg von Washington, die Menschen dort sind zwar Amerikaner, aber sie haben bei Präsidentschaftswahlen kein Stimmrecht. Und so äußerte sich Trump nach "Maria" auf seinem Lieblingsmedium Twitter deutlich häufiger über Football-Spieler, die seiner Ansicht nach die US-Flagge nicht ehren, als über die Hurrikan-Katastrophe.

Noch am Sonntag hatte Trump die Bürgermeisterin von Puerto Ricos Hauptstadt San Juan, Carmen Yulin Cruz, attackiert. Cruz hatte die US-Regierung zuvor scharf kritisiert. Sie ärgerte sich vor allem über den Satz der amtierenden Heimatschutzministerin Elaine Duke, die gesagt hatte, die Reaktion der Bundesbehörden sei "eine Geschichte der guten Nachrichten".

Im Interview mit dem Sender CNN zeigte Cruz sich darüber entsetzt. "Dies ist eine Geschichte der Verwüstung, die immer schlimmer wird, weil Menschen keine Nahrung und kein Wasser bekommen." Trump warf Cruz daraufhin auf Twitter vor, sie habe sich von den Demokraten einreden lassen, dass sie "böse zu Trump" sein solle.

Mit dieser Vorgeschichte im Rücken landete Trump am Dienstagvormittag um 11.43 Uhr in Puerto Rico. Begrüßt wurde er unter anderem von Bürgermeisterin Cruz. Sie sagte zu ihm: "Mr. President, hier geht es darum, Leben zu retten. Hier geht es nicht um Politik." Trump schüttelte ihre Hand, ging auf ihre Bemerkung jedoch nicht weiter ein. Ein Gespräch zwischen den beiden gab es auch später nicht.

Noch am Flughafen setzte Trump sich mit der politischen Führung des Überseeterritoriums zusammen. Dabei lobte er die für die Katastrophenhilfe zuständigen Mitglieder seiner eigenen Regierung, indem er ihnen allen, einen nach dem anderen, eine "Eins plus" gab. Den Gouverneur der Insel, Ricardo Rossello, lobte Trump auch - und zwar dafür, dass der ihn gelobt hatte. "Er hat es gesagt, wie es war, er hat uns die besten Noten gegeben."

"Sechzehn Tote gegen Tausende Tote - ihr könnt sehr stolz sein"

In offensichtlich improvisierten Bemerkungen witzelte Trump darüber, dass Puerto Rico seine Etatpläne durcheinanderbringe - um eilig hinzuzufügen, dass dies nicht schlimm sei. "Ich hasse es, euch das zu sagen, Puerto Rico, aber ihr habt unseren Haushalt ein bisschen aus dem Gleichgewicht gebracht, denn wir haben viel Geld für Puerto Rico ausgegeben, und das ist gut. Wir haben viele Leben gerettet."

Anschließend verglich Trump die Katastrophe, die Puerto Rico heimgesucht hat, mit dem Hurrikan "Katrina", der 2005 New Orleans überflutet hat. Auch hier schien Trump erst während des Sprechens zu merken, dass er etwas Dummes gesagt hatte - nämlich dass "Katrina" eine "echte Katastrophe" war. Dies wollte er offenbar wieder gutmachen, indem er "Maria" einen "wirklich total überwältigenden" Sturm nannte.

Bizarr: Trump warf Küchenrollen in die Menge.

Bizarr: Trump warf Küchenrollen in die Menge.

(Foto: dpa)

"Jeder Tod ist schrecklich. Aber wenn man sich eine echte Katastrophe wie 'Katrina' ansieht, und wenn man sich die ungeheuren hunderten und hunderten und hunderten Menschen ansieht, die dabei starben, und wenn man sich ansieht, was hier passiert ist mit einem Sturm, der wirklich total überwältigend war – niemand hat jemals so etwas gesehen. Wie viele Tote zählen Sie bis zu diesem Moment? Siebzehn?" An dieser Stelle seines Vortrags informierte Gouverneur Rossello den Präsidenten, dass es sechzehn bestätigte Todesfälle gebe. (Diese Zahl hat sich mittlerweile auf 34 erhöht.)

Trump fuhr fort: "Sechzehn Menschen bestätigt. Sechzehn Menschen gegen Tausende. Ihr könnt sehr stolz auf all eure Menschen sein, dass all eure Menschen zusammenarbeiten. Sechzehn gegen im wahrsten Sinne des Wortes Tausende Menschen. Ihr könnt sehr stolz sein. Jeder an diesem Tisch und jeder, der jetzt zuschaut, kann wirklich sehr stolz darauf sein, was in Puerto Rico passiert ist."

Laut Protokoll des Weißen Hauses war diese Veranstaltung um 12.19 Uhr beendet. Trump fuhr im Anschluss zu einer Kirche, um Opfer des Hurrikans zu treffen. Dort warf er Küchenpapier-Rollen in die Menge, verteilte Reis, Dosen mit Hühnerfleisch und Tabletten zur Reinigung von verschmutztem Wasser. Eine Einheimische fragte er, offenbar ungläubig, ob sie so aufbereitetes Wasser tatsächlich trinken würde. Als sie ihm das bestätigte, fragte er nach: "Wirklich?" Dass es auf der Insel ein Problem mit der Trinkwasserversorgung gibt, scheint Trump noch nie gehört zu haben.

Vor der Kirche verglich er erneut die Hurrikan-Katastrophe von Puerto Rico mit anderen Stürmen, die mehr Todesopfer gefordert hatten. "Der Job, der hier gemacht wurde, ist nichts weniger als ein Wunder." Die Botschaft des Besuchs: Wir haben alles richtig gemacht.

Um 16.08 Uhr hob die Air Force One wieder ab - rund eine Stunde früher als ursprünglich geplant. An Bord des Flugzeugs sagte Trump zu Reportern, er habe in Puerto Rico nur "Danke" gehört, keine Kritik. "Sie sind so dankbar für das, was wir getan haben", fügte er hinzu. Ihm selbst scheint die Reise gefallen zu haben. "Ein großartiger Tag in Puerto Rico gestern", twitterte er. Einige der Berichte darüber seien "Fake" gewesen, die meisten jedoch hätten "großartige Wärme und Freundschaft" gezeigt.

Quelle: n-tv.de


Mehr zum Thema