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Lohn füllt die Staatskasse Nordkorea verleiht Arbeiter an Russland

Die Einnahmen aus dem Arbeitskräfteverleih finanzieren zum Teil Kims Regime.

Die Einnahmen aus dem Arbeitskräfteverleih finanzieren zum Teil Kims Regime.

(Foto: AP)

Das Regime in Nordkorea ist nebenbei zu einer riesigen Arbeitsvermittlung geworden. Zehntausende Arbeiter schuften in Russland unter Bedingungen, die das US-Außenministerium mit denen von Sklaven vergleicht.

Nicht nur in China, auch in Russland arbeiten Berichten zufolge Tausende Arbeiter aus Nordkorea. Laut "New York Times" arbeiten diese etwa als Anstreicher in Wladiwostok, auf Baustellen in den großen Städten oder als Holzfäller im Osten des riesigen Landes. In St. Petersburg sollen sie am Stadion für die Fußball-WM im kommenden Jahr eingesetzt worden sein, in Moskau hätten sie einen Appartment-Komplex mit hochgezogen.

Dem Bericht zufolge arbeiten bis zu 50.000 Nordkoreaner in Russland. Die Jobs im Ausland seien so begehrt, dass manche sogar Bestechungsgelder zahlten, um einen Platz zu ergattern. Und das, obwohl die Arbeiter einen großen Teil ihres Lohns beim Staat wieder abgeben müssten und unter Bedingungen arbeiteten, die das US-Außenministerium mit denen von Sklaven verglich. "Glaubwürdige Berichte" wiesen darauf hin, heißt es in einem Ministeriumsbericht zum Menschenhandel, der im Juni erschien.

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Die "Times" zitiert einen russischen Arbeitgeber in Wladiwostok, der von der Einsatzbereitschaft der Gastarbeiter schwärmt. Demnach arbeiteten diese "verrückt lange" ohne zu klagen und riefen ihn auch am Wochenende um 6 Uhr morgens an, um Anweisungen zu erhalten. "Sie nehmen keinen Urlaub. Sie essen, arbeiten und schlafen, sonst nichts. Und viel schlafen sie nicht", so der russische Arbeitgeber. Dem Bericht zufolge leben die Arbeiter in engen Schlafheimen am Stadtrand Wladiwostoks und dürfen keinen Kontakt zu Russen unterhalten.

Großer Teil landet beim Staat

Bis zu 90 Prozent ihres Lohnes müssten die Arbeiter abgeben, sagte US-Experte Scott Snyder dem US-Sender Fox News, der ebenfalls über das Thema berichtete. Snyder ist Direktor beim Council of Foreign Relations, einem einflussreichen Think Tank. Die "Times" zitiert aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Data Base Center for North Korean Human Rights, wonach der nordkoreanische Staat den Holzfällern 80 Prozent ihres Lohnes abnimmt, den Bauarbeitern aber nur 30 Prozent. Im Beispiel der "Times" dürfen die nordkoreanischen Anstreicher in Wladiwostok die Hälfte ihres Lohnes von 841 Dollar behalten, müssen aber 20 Prozent an einen Arbeitsvermittler abdrücken.

Wegen der internationalen Sanktionen gegen Nordkorea bleiben dem Land nicht mehr viele Möglichkeiten, Devisen zu beschaffen. Die Leiharbeiter sind daher eine wichtige Einnahmequelle. Im zitierten Bericht des Data Base Centers wird geschätzt, dass das Land mit diesen pro Jahr rund 120 Millionen Dollar generiert. Verschiedenen Studien zufolge arbeiteten zwischen 30.000 und 50.000 Nordkoreaner in Russland, in jedem Falle aber mehr als in China oder auch im Mittleren Osten. Seit Kim Jong Un an der Macht sei, hätte der Arbeitskräfteverleih deutlich zugenommen.

Quelle: n-tv.de , vpe

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