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In Umfragen erstmals vorn Juppé könnte Macron Konkurrenz machen

Er hat inzwischen die besten Chancen, nächster Präsident Frankreichs zu werden: Emmanuel Macron.

Er hat inzwischen die besten Chancen, nächster Präsident Frankreichs zu werden: Emmanuel Macron.

(Foto: AP)

In wenigen Wochen beginnen in Frankreich die Präsidentschaftswahlen. In den Umfragen steigt die Zustimmung für den parteilosen Kandidaten Macron. Und bei einer bestimmten Konstellation könnte Le Pen die Stichwahl verpassen.

Der parteiunabhängige Kandidat bei der französischen Präsidentenwahl, Emmanuel Macron, hat erstmals in einer Umfrage für den ersten Wahlgang die Kandidatin der Rechtsextremen, Marine Le Pen, hinter sich gelassen. Einer Erhebung des Odoxa-Instituts für den Sender France 2 zufolge kommt Macron auf 27 Prozent, Le Pen auf 25,5 Prozent. Der Kandidat der Konservativen, Francois Fillon, könnte weiterhin nur mit 19 Prozent der Stimmen rechnen und würde es damit nicht in die Stichwahl schaffen. Sowohl Le Pen als auch Fillon stehen im Mittelpunkt politischer Skandale. Die erste Runde der Präsidentschaftswahl steht am 23. April an.

Bislang hatte Le Pen in allen Umfragen für die erste Wahlrunde vor ihren Konkurrenten gelegen. In der Stichwahl würde sie den Befragungen zufolge jedoch klar sowohl gegen Macron als auch gegen Fillon unterliegen. Ein anderes Bild ergibt sich der Umfrage zufolge dagegen, wenn Fillon durch den Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, als Kandidat der konservativen Republikaner abgelöst würde. Dann entfielen auf Juppé 26,5 Prozent und auf Macron 25 Prozent. Le Pen würde es mit 24 Prozent nicht in die zweite Runde schaffen. Fillon war im November bei einer Vorwahl des bürgerlichen Lagers mit großem Vorsprung zum Kandidaten gekürt worden. Juppé hatte sich ebenfalls beworben, aber den Kürzeren gezogen.

Fillons Sprecher wirft das Handtuch

In einer Umfrage des Instituts Opinionway kommt Le Pen in der ersten Runde dagegen auf 27 Prozent, Macron auf 24 Prozent und Fillon auf 19 Prozent. Eine klare Mehrheit der Franzosen rechnet dem Institut zufolge damit, dass Macron am 7. Mai der nächste französische Präsident sein wird. Macron profitiert insbesondere von der Schwäche Fillons, gegen den ein Ermittlungsverfahren wegen Scheinbeschäftigung von Familienangehörigen auf Staatskosten läuft.

Dieser hat die Vorwürfe zwar zurückgewiesen und erklärt, er halte an seiner Kandidatur fest. Doch auch im eigenen Lager stößt er auf Skepsis. Am Freitag trat sein Sprecher, Thierry Solaire, zurück. Auch sein außenpolitischer Berater Bruno Le Maire hat seinen Rücktritt erklärt. Das liberale Bündnis UDI kündigte an, im Wahlkampf zunächst nicht mehr für den früheren Premierminister zu werben. Der frühere Premierminister Dominique de Villepin forderte Fillon ebenso zum Rückzug auf wie die Europaabgeordnete Nadine Morano. "Er kann nicht mehr Kandidat sein, weil er keinen inhaltlichen Wahlkampf mehr führen kann", sagte De Villepin im Sender Europe1. Morano warnte bei Franceinfo: "Wenn er trotz allem weiter macht, sind wir in einer Sackgasse."

Auch Le Pen sieht sich Ungemach gegenüber. Das EU-Parlament hatte am Donnerstag ihre Immunität aufgehoben und den Weg für Ermittlungen frei gemacht. Le Pen hatte auf Twitter Fotos von Gewalttaten der IS-Miliz gepostet. Dies ist in Frankreich strafbar. Außerdem sieht sie sich als Europa-Abgeordnete Vorwürfen ausgesetzt, eine Sekretärin im Parlament als Assistentin bezeichnet und damit wesentlich höhere Gehälter kassiert zu haben. In einem zweiten Fall soll ein Leibwächter als Parlamentsassistent deklariert worden sein. Sie selbst hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Quelle: n-tv.de , jwu/rts/dpa

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