Politik

Wegen Rushdie-Auftritts Iran droht mit Boykott der Buchmesse

Der Iran trachtet Salman Rushdie nach dem Leben. Der in Indien geborene Brite lebt deshalb in den USA.

Der Iran trachtet Salman Rushdie nach dem Leben. Der in Indien geborene Brite lebt deshalb in den USA.

(Foto: dpa)

Salman Rushdie nimmt auf der Frankfurter Buchmesse als Gastredner bei der Auftakt-Pressekonferenz am 13. Oktober teil. Das passt der iranische Regierung gar nicht. Teheran sieht in Rushdie einen Gotteslästerer und will dies die Welt wissen lassen.

Wegen eines geplanten Auftritts des mit einer Fatwa belegten Autors Salman Rushdie bei der Frankfurter Buchmesse in der kommenden Woche droht der Iran mit einem Boykott der gesamten Veranstaltung. "Wir haben einen Protestbrief geschrieben und andere muslimische Länder aufgerufen, dem Beispiel zu folgen", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Isna Vizekulturminister Abbas Salehi. Die Veranstalter müssten "ihre Meinung ändern". Der Iran erwäge "ernsthaft, nicht teilzunehmen".

Rushdie, in Indien geborener britischer Staatsbürger mit Wohnsitz in den USA, soll am kommenden Dienstag bei der Eröffnungspressekonferenz der Buchmesse (14. bis 18. Oktober) sprechen. Eine Sprecherin der Messe sagte zu den Drohungen aus Teheran lediglich: "Der Stand ist bekannt, weitere Informationen liegen uns noch nicht vor."

Rushdie ist vielen Muslimen vor allem wegen seines in Indien verbotenen Romans "Die satanischen Verse" verhasst. Das im Jahr 1988 veröffentlichte Werk ist in ihren Augen gotteslästerlich. Nach dem Erscheinen des Buchs rief das damalige geistliche Oberhaupt des Irans, Ayatollah Khomeini, im Jahr 1989 in einer Fatwa zur Tötung Rushdies auf, woraufhin dieser jahrelang im Verborgenen leben musste.

Das Todesurteil wurde bis heute nicht aufgehoben, dennoch zeigt sich Rushdie inzwischen wieder in der Öffentlichkeit. "Seine Biografie und sein literarisches Werk verleihen ihm eine gewichtige Stimme in der weltweiten Diskussion über Meinungsfreiheit im Publizieren", begründete Buchmessen-Direktor Juergen Boos die Einladung. Meinungsfreiheit ist eines der Schwerpunktthemen der diesjährigen Buchmesse.

Über sein Leben unter der Todesdrohung hatte Rushdie 2012 in dem autobiografischen Roman "Joseph Anton" berichtet. Unlängst erschien bei C. Bertelsmann sein jüngster Roman "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte".

Quelle: n-tv.de

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