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Ex-Regierungschef gibt Interview Hariri will in Libanon zurückkehren

Premierminister Hariri auf einem Banner - seine Beliebtheit hat nach seinem seltsamen Abtritt noch zugenommen.

Premierminister Hariri auf einem Banner - seine Beliebtheit hat nach seinem seltsamen Abtritt noch zugenommen.

(Foto: dpa)

Droht im Libanon der nächste Krieg im Nahen Osten? Der seltsame Rücktritt von Ministerpräsident Hariri von Saudi Arabien aus befeuerte solche Ängste. Nun meldet er sich per Interview zu Wort und kündigt seine baldige Rückkehr an.

Im ersten Interview seit seinem spektakulären Rücktritt vor gut einer Woche hat der ehemalige libanesische Ministerpräsident beteuert, "sehr bald" in die Heimat zurückzukehren. Saad Hariri sagte dem libanesischen TV-Sender Future TV aber nicht, wann dies geschehen werde.

Er werde nicht gegen seinen Willen in Saudi-Arabien festgehalten, beteuerte Hariri in Riad weiter. "Wenn ich Saudi-Arabien verlassen möchte, kann ich das machen." Future TV gehört Hariri. Der Sunnit hatte Anfang November von Saudi-Arabien aus, zu dem er enge Beziehungen unterhält, seinen Rücktritt erklärt. Als Grund deutete er einen Mordkomplott seitens der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah und deren Schutzmacht Iran an.

Damit löste der 47-Jährige Spekulationen aus, dass sein Rückzug von der Regionalmacht erzwungen wurde, um Spannungen mit der Hisbollah zu erzeugen. Saudi-Arabien und der Iran sind Erzfeinde. Der Hisbollah und dem Iran machte Hariri erneut Vorwürfe. Teheran mische sich in die Angelegenheiten der arabischen Welt ein. Dies müsse aufhören. Gleichzeitig lobte er den saudi-arabischen König Salman und Kronprinz Mohammed: Ihnen liege die Stabilität, Wirtschaft und Freiheit des Libanon am Herzen.

In Beirut wurde Hariris Interview mit Interesse verfolgt.

In Beirut wurde Hariris Interview mit Interesse verfolgt.

(Foto: REUTERS)

Zweifel an Hariris Aussagen

Der libanesische Präsident Michel Aoun hatte vor Ausstrahlung des Interviews mitgeteilt, alles was Hariri sagen würde, müsse angezweifelt werden. Denn es sei nicht seine freie Entscheidung, was er sage. Aoun hatte den Rücktritt des Premiers nicht offiziell angenommen.

Es wird befürchtet, Saudi-Arabien könnte den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Libanon anheizen, bis es zu einem bewaffneten Konflikt kommt. Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate rieten ihren Bürgern, nicht in das Land am Mittelmeer zu reisen. Saudi-Arabien und der Iran ringen als Regionalmächte um Einfluss in der Region. Hariri ist ein enger Verbündeter und Staatsbürger Saudi-Arabiens. Das sunnitische Königreich bekämpft den schiitischen Iran unter anderem in Stellvertreterkriegen in Syrien und im Jemen.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut demonstrierten am Sonntag Dutzende Menschen für die Rückkehr ihres Ministerpräsidenten. Fersehbilder zeigten die Protestierenden, die Plakate in die Höhe hielten, auf denen unter anderem Sprüche wie "Wir wollen unseren Ministerpräsidenten zurück" oder "Wir warten alle auf Sie" standen. Die französische Regierung erklärte, sie gehe davon aus, dass die Bewegungsfreiheit Hariris nicht eingeschränkt sei.

Der Politiker war zwischenzeitlich in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gereist. Der libanesische Drusenführer Walid Dschumblat sagte, es sei Zeit für Hariri, "nach einem erzwungenen oder freiwilligen Aufenthalt" in den Libanon zurückzukehren. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron telefonierte am Samstag mit Aoun und versicherte, Frankreich unterstütze die Einheit und Unabhängigkeit des Libanons, wie die staatliche libanesische Agentur NNA berichtete.

Quelle: n-tv.de , vpe/dpa

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