Politik

Historisch niedrige Beteiligung Frankreichs Wahl-Finale verläuft mau

Bevor er selbst sein Kreuzchen macht, noch eben ein Selfie mit Anhängern: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Bevor er selbst sein Kreuzchen macht, noch eben ein Selfie mit Anhängern: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

(Foto: picture alliance / Christophe Ar)

Heute entscheiden die Franzosen über die Machtverteilung in der Nationalversammlung, und alles deutet darauf hin, dass Präsident Macron einen Triumph einfährt. Doch der Andrang an den Wahlurnen ist ziemlich mau.

Für die entscheidende zweite Runde der französischen Parlamentswahl zeichnet sich weiter eine sehr geringe Wahlbeteiligung ab. Im zweiten Wahlgang gaben bis 17.00 Uhr nur 35,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen ab, wie das Innenministerium bekanntgab.

Die Beteiligung war damit noch deutlich schwächer als im ersten Wahlgang vor einer Woche, als bis zum späten Nachmittag rund 40,8 Prozent abgestimmt hatten. Damals lag die Wahlbeteiligung am Ende des Tages bei 48,7 Prozent - das ist der bislang niedrigste Wert bei einer Parlamentswahl seit Gründung der Fünften Republik 1958.

Umfragen hatten das Lager des neuen Staatspräsidenten Emmanuel Macron klar in Führung gesehen, eine absolute Mehrheit in der ersten Parlamentskammer galt als sicher. Damit hätte Macron ausreichend Rückhalt für sein Reformprogramm - noch in diesem Monat will die Regierung eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts auf den Weg bringen. Die letzten Wahllokale schließen um 20.00 Uhr.

Macron wählt im Badeort Le Touquet

Meinungsforschungsinstitute rechnen auf Basis von Umfragen und dem Ergebnis der ersten Runde damit, dass sie mindestens 400 der 577 Mandate in der ersten Parlamentskammer bekommen. Zwei Institute halten sogar bis zu 470 Sitze für möglich. Dagegen müssen die traditionellen Regierungsparteien der bürgerlichen Rechten und der Sozialisten mit einer weiteren herben Niederlage rechnen.

Präsident Macron gab seine Stimme am Vormittag im Badeort Le Touquet am Ärmelkanal ab. Anders als im ersten Wahlgang begleitete seine Frau Brigitte ihn diesmal nicht mit ins Wahllokal. Bei der Parlamentswahl wird in 577 Wahlkreisen jeweils ein Abgeordneter gewählt. Es gilt ein reines Mehrheitswahlrecht - das macht es für kleine Parteien schwer, Mandate zu gewinnen. Nur vier Sitze wurden bereits in der ersten Runde vor einer Woche vergeben, im Rest der Wahlkreise waren Stichwahlen nötig. In mehreren französischen Überseegebieten wurde wegen der Zeitverschiebung bereits am Samstag gewählt.

60 bis 80 Sitze für die Republikaner?

Macrons Lager hatte am vergangenen Sonntag 32,2 Prozent der Stimmen erhalten, auf Platz zwei lagen die konservativen Republikaner und ihre Verbündeten mit rund 21,6 Prozent. Sie könnten laut einer Berechnung des Instituts Harris Interactive auf 60 bis 80 Sitze kommen. Allerdings gibt es in den Reihen der Republikaner verschiedene Lager: Manche stehen einer Zusammenarbeit mit Macron offen gegenüber, während andere auf eine klare Abgrenzung setzen.

Die Sozialisten von Macrons Vorgänger François Hollande waren schon im ersten Wahlgang dramatisch abgestürzt, Umfrageinstitute sehen die moderate Linke und die Grünen zusammen bei höchstens 35 Sitzen. Unklar ist noch, ob die radikale Linke um Jean-Luc Mélenchon eine Fraktion bilden kann. Dazu sind 15 Abgeordnete nötig. Der Front National von Rechtspopulistin Marine Le Pen dürfte weiterhin keine große Rolle im Parlament spielen - allerdings hat Le Pen selbst Chancen, in ihrem Wahlkreis in Nordfrankreich erstmals in die Nationalversammlung gewählt zu werden.

Quelle: n-tv.de , asc/dpa

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