Politik

Landtagswahl in Niedersachsen Ein TV-Duell, das seinen Namen verdient

Stephan Weil (l.) und Bernd Althusmann (r.) diskutieren, Andreas Cichowicz versucht zu moderieren.

Stephan Weil (l.) und Bernd Althusmann (r.) diskutieren, Andreas Cichowicz versucht zu moderieren.

(Foto: imago/localpic)

Fünf Tage vor der niedersächsischen Landtagswahl treffen die Spitzenkandidaten von CDU und SPD im TV-Duell aufeinander. Wer meint, dass dort nur 75 Minuten Langeweile auf die Zuschauer warten, irrt sich gewaltig.

Wer den Bundestagswahlkampf auch nur ein bisschen verfolgt hat, musste über kurz oder lang zu dem Schluss kommen, dass sich CDU und SPD gegenseitig eigentlich ganz okay finden - ganz besonders nach dem legendär langweiligen und konfliktfreien TV-Duell. In Niedersachsen ist das anders: Hier sind sich die beiden größten deutschen Volksparteien seit Jahrzehnten spinnefeind, unter SPD-Ministerpräsident Stephan Weil und seinem CDU-Herausforderer Bernd Althusmann wurde daraus eine beinahe schon persönliche Fehde. Zumindest für die Zuschauer des NDR ist die Antipathie der beiden Kandidaten an diesem Abend aber ein Glücksfall: Sie sehen ein TV-Duell, das diesen Namen auch tatsächlich verdient hat.

Moderator Andreas Cichowicz führt die beiden Spitzenkandidaten 75 Minuten lang durch sämtliche Themen, die in diesem Wahlkampf wichtig sind: Es geht um die innere Sicherheit, Niedersachsens Probleme im Bildungssektor, Auswege aus dem Diesel-Skandal und mögliche Koalitionen. Einen klaren Sieger, soviel schon mal vorweg, kann man am Ende des Abends zumindest objektiv nicht ausmachen. Echte Sympathieträger sind weder der oft gönnerische Weil noch Althusmann, der allein durch seine ihm eigene Sprechweise wirkt, als würde er den Rest der Welt von oben herab betrachten. Dafür kämpfen die beiden Spitzenkandidaten energisch um jedes Thema. Vielleicht auch, weil Moderator Cichowicz einen der größten Streitpunkte der vergangenen Monate ganz vorne auf die Tagesordnung setzt.

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"Vom VW-Vorstand durch die Manege gezogen"

Der Übertritt von Elke Twesten von den Grünen zur CDU "war ein grober Verstoß gegen geltende demokratische Normen", explodiert Weil direkt zu Beginn der Sendung. Twesten, die wegen ihres Parteiwechsels im August die Ein-Stimmen-Mehrheit der rot-grünen Landesregierung kippte und damit die vorgezogenen Neuwahlen erst auslöste, ist gleichzeitig der größte Stachel im Fleisch des SPD-Ministerpräsidenten wie auch sein stärkster Trumpf: "Ich habe jetzt im Wahlkampf die Erfahrung gemacht, dass der Wähler das der CDU übel genommen hat - das war ein schwerer Fehler." Tatsächlich überflügelte die SPD am Montag erstmals seit Beginn des Wahlkampfes die CDU, holte seit Anfang August satte 13 Prozentpunkte auf. Auch deshalb ist Althusmann hier in der Defensive: Gleich zweimal appelliert er an den Moderator, sich "den Inhalten" zuwenden zu wollen, schließlich wartet er doch noch mit einer halbgaren Antwort auf: "Das sind Wechsel, die hat es in der Bundesrepublik 130 Mal gegeben. Und gerade letztens habe ich ihre Empörung vermisst, als ein AfD-Abweichler in Thüringen zur SPD gewechselt ist."

Ganz anders sieht es dagegen aus, als es wenig später um Weils Achillesferse geht. Althusmann schlachtet die Nähe des SPD-Ministerpräsidenten zu VW genüsslich aus und wirft ihm vor, als VW-Aufsichtsrat beide Augen zugedrückt zu haben, als es um umstrittene Bonuszahlungen in Millionenhöhe ging: "Da sind Sie vom VW-Vorstand durch die Manege gezogen worden", und "ich frage mich bisweilen, wie weit der Ministerpräsident der Realität entrückt ist." Beim Thema VW wirkt es in Niedersachsen so, als hätten die beiden Spitzenkandidaten kurz mal die Parteien gewechselt: Althusmann fordert, die Millionenboni lieber Fließbandarbeitern auszuzahlen, während sich Weil weiterhin weigert, Opfern des Abgasskandals eine Entschädigung zu zahlen. Verkehrte Welt.

Inhaltlich deutlich weniger konträr laufen Weil und Althusmann bei den restlichen Themen: Beide Kandidaten wollen das Lehrerproblem in Niedersachsen lösen und freuen sich über das hohe Niveau der inneren Sicherheit in Niedersachsen. Dass sie dabei trotzdem wie die Spatzen um die Brotkrümel streiten, wirkt zwar etwas aufgesetzt - aber wenn wir eines im Bundestagswahlkampf gelernt haben, dann doch, dass Harmonie tödlich sein kann. Weil und Althusmann beherzigen diese Lektion.

Quelle: n-tv.de

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