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Rohingya-Minderheit in Myanmar Armeechef: Flucht ist Rückkehr in "Heimat"

In Myanmar gelten die Rohingya als Staatenlose, obwohl sie dort seit Generationen leben.

In Myanmar gelten die Rohingya als Staatenlose, obwohl sie dort seit Generationen leben.

(Foto: imago/ZUMA Press)

In Bangladesh entsteht eines der größten Flüchtlingslager der Welt, weil die muslimischen Rohingya aus Myanmar vertrieben werden. Doch der Chef der myanmarischen Armee unterstellt den Medien Propaganda - und äußert sich abwertend über die Minderheit.

Die Armee von Myanmar zeigt sich angesichts der Massenflucht von Mitgliedern der Rohingya-Minderheit ins Nachbarland Bangladesch unnachgiebig. Armeechef Min Aung Hlaing wies einen UN-Bericht über systematische Vertreibungen der Muslime als "übertrieben" zurück und warf den Medien "Verhetzung und Propaganda" vor. Den Exodus der Rohingya in Richtung Bangladesch deutete er als Rückkehr in deren "angestammte Heimat".

Am Mittwoch hatten die Vereinten Nationen der myanmarischen Führung vorgeworfen, auf die gewaltsame Vertreibung der gesamten Rohingya-Minderheit nach Bangladesch hinzuarbeiten. Die Rohingya seien in Myanmar "brutalen Angriffen" ausgesetzt, hieß es in einem UN-Bericht. Der UN-Sicherheitsrat will sich am Freitag mit dem Thema befassen. Mehr als eine halbe Million Rohingya sind in den vergangenen sieben Wochen nach Bangladesch geflohen, dort entstand eines der größten Flüchtlingslager der Welt.

Armeechef Min Aung Hlaing.

Armeechef Min Aung Hlaing.

(Foto: AP)

Myanmars Armeechef präsentierte in einer Facebook-Botschaft eine andere Deutung der Geschehnisse: Die Rohingya seien lediglich in ihre "angestammte Heimat" Bangladesch zurückgekehrt, weil sie dort "dieselbe Sprache, Rasse und Kultur" vorfänden. Min Aung Hlaing sprach dabei aber nicht von "Rohingya", sondern nutzte für die Muslime den in Myanmar negativ besetzten Begriff "Bengali". Damit verdeutlichte er die Haltung der Regierung, wonach es sich bei den Rohingya um staatenlose Einwanderer aus Bangladesch handele, die zu Unrecht im mehrheitlich buddhistischen Myanmar lebten.

"Die angestammte Heimat der Bengali ist in Wirklichkeit Bengalen", schrieb der Armeechef. Sie seien unter britischer Kolonialherrschaft nach Myanmar gebracht worden und hätten dort keinen legitimen Anspruch auf Aufenthalt. Die Rohingya gehören zu den am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt. Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar gelten sie als Staatenlose, obwohl sie schon seit Generationen dort leben.

Quelle: n-tv.de , ftü/AFP

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