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Schläge und Missbrauch als Kind Wilfried W. widerspricht seiner Ex-Frau

Die Beschreibungen von W. sind zum Teil schwer verständlich.

Die Beschreibungen von W. sind zum Teil schwer verständlich.

(Foto: dpa)

Gemeinsam mit seinen Verteidigern verliest Wilfried W. eine mehrseitige Erklärung zu seinem Werdegang und den grausamen Misshandlungen in Höxter. Darin ist er das Opfer und seine Ex-Frau die Täterin.

Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen von zwei Frauen in Höxter-Bosseborn hat sich erstmals der Beschuldigte Wilfried W. geäußert. W. ließ seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen, in der er sich gegen die Anschuldigungen seiner mitangeklagten Ex-Ehefrau verwahrte.

Die umfassenden Aussagen von Angelika W. bezeichnete der 47-Jährige als Lügengeschichten und "hochsubjektiv eingefärbte Schilderungen". Er habe die große Sorge, dass zu viele Schilderungen der Mitangeklagten beim Gericht hängen bleiben könnten, hieß es in der Erklärung.

W. äußerte sich Tag24 zufolge zunächst zu seiner persönlichen Entwicklung, berichtete, dass er als Kind gehänselt wurde, weil er gelispelt habe. Bis zur 9. Klasse habe er die Sonderschule besucht, danach versucht KfZ-Mechaniker zu lernen, die Lehre aber abgebrochen. Schließlich habe er eine Ausbildung zum Hundeführer bei der Britischen Rheinarmee abgeschlossen, den Job aber für eine Frau aufgegeben. Während seiner ersten Haftstrafe, die er 1995 für die Misshandlung von Frauen erhielt, habe er sich zum Gärtner qualifiziert. Seiner Aussage zufolge hat W. zwei leibliche Kinder aus früheren Beziehungen. Er habe zu den inzwischen 17 und 21 Jahre alten Kindern aber keinen Kontakt.

Geschlagen und fremdbestimmt

Demnach wuchs W. in schwierigen Familienverhältnissen auf, wurde vom alkoholkranken Vater geschlagen und später von einem neuen Partner seiner Mutter sexuell missbraucht. Auch seine Schwester sei sexuell attackiert worden, zu ihr habe er keinen Kontakt mehr.

Angelika W. habe er über eine Zeitungsannonce kennengelernt. Sie habe bald begonnen, "über mich zu bestimmen", habe ihn sogar zur Arbeit begleiten wollen. Während der Beziehung mit Annika W., sie ist eines der späteren Opfer und war mit dem Angeklagten verheiratet, sei seine Ex-Frau sehr kontrollierend gewesen. Angelika W. habe ihn geschlagen und auch seiner Mutter Prügel angedroht.

In seiner Aussage stimmte W. überraschend dem Gespräch mit einem psychologischen Gutachter zu. Dabei soll es zunächst nur um den sexuellen Missbrauch in der Kindheit gehen, deshalb wird die Aussage unterbrochen und der Verhandlungstag beendet.

Zwei Wahrheiten

Die beiden Ex-Eheleute sind vor dem Landgericht Paderborn wegen Mordes durch Unterlassen und mehrfacher Körperverletzung angeklagt. Über Jahre hinweg soll das Duo mehrere Frauen in das Haus nach Ostwestfalen gelockt und sie dort schwer misshandelt haben. Zwei Frauen starben infolge der Quälereien.

Angelika W. hat in ihren Aussagen an mehreren Verhandlungstagen ausgesagt und dabei sich sowie ihren Ex-Mann schwer belastet. Dabei schilderte sie brutale Details zu den Misshandlungen und Quälereien und auch eigene leidvolle Erfahrungen mit dem Mann. Er sei die treibende Kraft gewesen, sagte sie aus.

Quelle: n-tv.de , sba/dpa

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