Panorama

Wer war Täter, wer Opfer? Wilfried W. erzählt seine Höxter-Wahrheit

Angelika W. belastet ihren Ex-Mann schwer. Sie habe die Frauen im gemeinsamen Haus in Höxter-Bosseborn zwar misshandelt, aber er habe das gewollt. Mit Spannung wird nun erwartet, wie er seine Sicht im Prozess schildert.

Bisher musste Wilfried W. zuhören, wenn seine Ex-Frau Angelika im Prozess um die tödlichen Misshandlungen in Höxter-Bosseborn stundenlang aussagte. Ihre Version der Ereignisse ist eindeutig: Sie habe die Frauen gequält und misshandelt, die treibende Kraft dahinter sei aber Wilfried W. gewesen. Nun steht seine erste Aussage an.

"Mein Mandant wird sich zuerst zu seinem Lebenslauf äußern, dann selbst eine Erklärung vorlesen und sich dann den Fragen stellen", kündigte Detlev Binder, einer von W.s beiden Verteidigern, an. Schon vor Prozessbeginn hatte Binder dem "Spiegel" gesagt, sein Mandant sei keine Bestie.

Video

Demnach wäre der Hundeführer W. "ein hilfloser großer Mann, der ohne seine Ex-Frau nur beschränkt lebensfähig gewesen wäre". Angelika W. habe alles für ihn gemacht, "sie hat eingekauft, sie hat sogar für ihn die Kontaktanzeigen geschaltet. Sie führte das Kommando und er war zu schwach, sich gegen sie zu wehren", beschrieb es Binder vor einem halben Jahr.

So ähnlich wird es Wilfried W. nun wohl auch vor Gericht aussagen. Es wäre noch nicht einmal ein Widerspruch zu dem, was Angelika W. bisher sagte. Wilfried W. sei ohne sie nicht in der Lage gewesen, seinen Alltag zu strukturieren, sie habe den Laden geschmissen, Telefonate geführt, sei aufs Amt gegangen, hatte sie berichtet. Immer habe sie ihn beschäftigen, unterhalten, um ihn herum sein müssen.

Ein Mann mit zwei Gesichtern?

So schweigsam, wie Wilfried W. bisher vor Gericht war, haben ihn die Beamten nach seiner Festnahme nicht erlebt. Dort äußerte er sich und leugnete vehement. "Damit habe ich nichts zu tun. Das war Angelika", zitierte ein Vernehmungsbeamter im Zeugenstand den Angeklagten. Die Polizisten hatten jedoch den Eindruck, dass W. nicht überrascht war, als er nach dem Tod von Susanne F. festgenommen wurde. "Er schien durchaus auf die Situation vorbereitet zu sein", sagte der beteiligte Ermittler im Prozess aus.

Die Beamten konnten sich zudem des Gefühls nicht erwehren, dass es zwischen dem Paar Absprachen über ihre Aussagen gegeben hatte. "Wilfried W. sollte herausgehalten werden", so die Einschätzung eines Ermittlers. Der 47-Jährige habe das gut hingekriegt, aber "mit Nachfragen, die über den Rahmen hinausgingen, kam er nicht zurecht". Allerdings habe sich Wilfried W. während der Vernehmung wiederholt "dümmer gestellt, als er ist, und sich dahinter versteckt".

Das wäre dann möglicherweise der Wilfried W., von dem Angelika W. sagt, er habe sie manipuliert, dressiert und ausgenutzt. Mit Zuckerbrot und Peitsche habe er sie gefügig gemacht, sie an Gewalt gewöhnt, indem er sie misshandelte und nur verschonte, wenn sie ihm ein anderes Opfer lieferte. "Ich habe viele Dinge gemacht, von denen ich dachte, dass Wilfried sie wollte."

Wer sich am Ende wem unterwarf, können möglicherweise die forenisch-psychologischen Gutachten der beiden Ex-Ehepartner klären. Klar ist jedenfalls, dass während der verhängnisvollen Beziehung von Wilfried und Angelika W. am Ende zwei Frauen ihr Leben verloren. Annika W. und Susanne F. starben nach schwersten Misshandlungen und Demütigungen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema