Panorama

Spur ins Leere im Fall Bögerl Wie die Ermittler an den Falschen gerieten

(Foto: dpa)

Nach jahrelangen ergebnislosen Ermittlungen meldet das BKA in der Nacht eine Festnahme im Mordfall Maria Bögerl. Wenige Stunden zuvor hatte es einen Fahndungsaufruf gegeben, nach einer TV-Sendung hofft man, endlich den Täter gefunden zu haben. Vergebens.

Jahrelang sorgt der Mord an Maria Bögerl immer wieder für Schlagzeilen, jahrelang ermittelt die Polizei, ohne dem Täter auf die Spur zu kommen.

Am Mittwoch nimmt die Fahndung in dem Fall plötzlich Fahrt auf. Die Polizei teilt mit, man suche mit einem Phantombild und einer Tonaufnahme nach einem Mann, der sagt, dass er aus Ochsenberg (Gemeinde Königsbronn) komme. Die Fahndung bezieht sich auf einen Vorfall, der sich bereits im Juli 2016 ereignete.

Video

Damals war der Mann nachts um halb eins an einer Straßenkreuzung in Hagen aufgetaucht und hatte zwei junge Männer angesprochen und sie in ein Gespräch verwickelt. Sie beschrieben ihn als verwahrlost aussehend, Mitte Vierzig und betrunken. Er habe sich mit der Tat gebrüstet und gesagt, dass er die Familie Bögerl hassen würde. Die jungen Männer schneiden einen Teil des Gesprächs mit dem Handy mit und verständigen die Polizei. Als die Beamten eintreffen, ist der Mann jedoch verschwunden und kann auch nicht gefunden werden.

Mann in Tarnkleidung

Nach dem Fahndungsaufruf melden sich mehrere Zeugen. Viele von ihnen verweisen auf einen Mann, der seit Jahrzehnten immer wieder in Tarnkleidung im Wald unterwegs sein soll. Dort habe er selbst erfundene Wehrspiele gemacht und sich im Verstecken geübt, heißt es. Der Mann sehe allerdings anders aus als auf dem Phantombild. Eher so wie er von der Kripo beschrieben wird: ca. 1,80 Meter groß und schlank, um die 45 Jahre alt, verwahrlost und ungepflegt, dunkel gekleidet, Dreitagebart und ein Muttermal unterhalb des rechten Auges, schwarze Haare.

Der Mann, auf den sich die Zeugen beziehen, wird jedoch als einfach strukturiert, psychisch verwirrt und vom Suchtmittelmissbrauch gekennzeichnet beschrieben. Die Zeugen sind sich nicht sicher, ob ihm eine Tat wie die Entführung von Maria Bögerl und der anschließende Versuch, Lösegeld von ihrem Ehemann zu erpressen, zuzutrauen sei. Dafür, dass das dennoch sein könnte, spricht nach Ansicht der Polizei jedoch, dass er gegenüber den beiden Männer in Hagen Dinge geäußert habe, "die so in der Öffentlichkeit nicht bekannt waren". So beschreibt es Polizeipressesprecher Uwe Krause.

In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" wird die Handy-Aufnahme noch am gleichen Abend ausgestrahlt. Der Mann, der offenbar alkoholisiert ist, sagt mit starkem schwäbischem Zungenschlag: "Da treibt sich einer mit einem Rucksack in Ochsenberg rum. Aber wer das ist… Das ist ein Bundeswehrrucksack und da ist ein Messer drin. Ich war bei der Bundeswehr. Ich habe einen bestimmten Lehrgang gehabt, PSV-Kompanie, sage nix. Das war schrecklich, nix zum Fressen, nix zum Saufen. Das beste Überlebensmesser auf der Welt: Aitor Jungle King III. Und das Zweite liegt halt in den Ochsenberger Wälder, aber da gehe ich nicht mehr rauf, weil ich da jeden Maulwurfshaufen mit Vornamen kenne. Ich bin von Ochsenberg."

Hinweise auf Täterwissen

In der Sendung sagt der Chef der Soko Flagge, Michael Bauer, dass das Dorf Ochsenberg, zu dem der Unbekannte angeblich einen engen Bezug hat, in unmittelbarer Nähe aller Tatschauplätze liegt: dem Entführungsort, dem Platz der Geldübergabe, dem Leichenfundort und auch dem Fundort von Maria Bögerls Auto. Besonders interessant fand Bauer das erwähnte Messer Aitor Jungle King III, ein sogenanntes Survival-Messer. "Uns interessiert, ob jemand so ein Messer mit dem Mann auf dem Phantombild in Verbindung bringen kann." Auch wenn die Kriminaltechnik den Stichverletzungen von Maria Bögerl kein Messer eindeutig zuordnen konnte, legen die bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei nahe, dass an der Geschichte des Mannes etwas dran sein könnte.

Danach melden sich rund 180 Anrufer unter der Hinweis-Telefonnummer des Ulmer Polizeipräsidiums und im Fernsehstudio. Noch in der Nacht wird in Königsbronn, nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt, ein Mann festgenommen. Bei ihm soll es sich um den Mann handeln, nach dem zuletzt öffentlich gefahndet worden war. Mit einem Tweet beendet das BKA die öffentliche Fahndung und bedankt sich für die Unterstützung.

Doch der DNA-Abgleich, den die Polizei mit Spuren vornimmt, die im Auto von Maria Bögerl gefunden worden waren und die mutmaßlich von dem oder den Entführern stammten, ist negativ. Damit komme der Mann kaum noch als Täter in Frage. Und der Fall Maria Bögerl bleibt weiter ungelöst.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema