Panorama

Sechs Jahre in der Wüste Schwede schildert Geiselhaft in der Sahara

Ob für Gustafssons Freilassung Lösegeld gezahlt wurde, wollte die schwedische Regierung nicht sagen.

Ob für Gustafssons Freilassung Lösegeld gezahlt wurde, wollte die schwedische Regierung nicht sagen.

(Foto: AP)

Sechs Jahre ist der Schwede Johan Gustafsson in der Hand von Entführern der Terrororganisation Al Kaida. Er zieht mit ihnen quer durch die Sahara, erlebt Todesangst und unvergessliche Schönheit.

Am 25. November 2011 wurde Johan Gustafsson aus seinem Hotel in Timbuktu verschleppt. Der schwedische Ingenieur war gerade in Mali eingetroffen und plante zusammen mit einem Freund eine Motorradtour quer durch Afrika. Nach fast sechs Jahren Geiselhaft kehrte Gustafsson erst im Juni in seine Heimat zurück.

Nun berichtete der 42-Jährige über die Jahre, die er gemeinsam mit zwei anderen ausländischen Geiseln in den Händen von Al Kaida in der Wüste verbracht hat. In den ersten Monaten seien er und seine Mitgefangenen gefesselt und mit verbundenen Augen unzählige Male von einem Ort zum anderen gebracht worden, berichtet die "New York Times" aus Gustafssons Schilderungen. Ständig habe ihnen die Hinrichtung gedroht. Dass dies keine leeren Drohungen waren, hatte die Gruppe bereits erfahren. Einen Deutschen, der sich gegen die Verschleppung wehrte, hatten die Kidnapper erschossen.

Vor allem zu Beginn habe er versucht zu erklären, dass er Schwede und sein Land gegen das US-Gefangenenlager Guantanamo ist. Die Kidnapper hätten ihre Tat relativ nebulös mit der US-Invasion im Irak, dem Krieg in Afghanistan und den Mohammed-Karikaturen begründet. Nach vier Monaten Gefangenschaft entschlossen sich die Geiseln, zum Islam zu konvertieren.

"Ich vermisse die Wüste"

Danach hätten die Scheinhinrichtungen und ständigen Bedrohungen aufgehört. Auch hätten sie nicht mehr in den Videos posieren müssen, mit denen die Lösegeldforderungen begleitet wurden. Nach ihrer "Bekehrung" hätten sie zusammen mit den Geiselnehmern gegessen und gebetet. Umgeben von der Wüste habe es auch keine Notwendigkeit gegeben, sie zu fesseln oder einzusperren.

Gemeinsam mit dem Niederländer Sjaak Rijke, der 2015 von französischen Soldaten befreit wurde, und dem Südafrikaner Stephen Malcolm McGown, der schließlich im August frei kam, habe er weitgehend im Freien gelebt. Die Männer seien von einem Dutzend Männern und Jungs bewacht worden, deren Zusammensetzung immer wieder wechselte. Manchmal habe er sich mehr wie in einem Gefängnis gefühlt, manchmal mehr wie Robinson Crusoe. Er habe die gleichen Dinge durchlitten, wie seine Wächter, Sandstürme, Probleme mit dem Auto. "Wenn wir kein Wasser hatten, war es für uns alle gleich." Um der Langeweile zu entgehen, habe er Sprachen seiner Bewacher gelernt, einheimische Dialekte, Arabisch und Französisch.

Auch Monate nach seiner Freilassung schläft Gustafsson mit dem Kopf unter der Decke, um sich vor dem allgegenwärtigen Wüstensand zu schützen. Außerdem vermeide er es, seine Hände unter das Kissen zu stecken, weil sich dort häufig Skorpione verbargen. Er vermisse die Kidnapper nicht, "aber ich vermisse die Wüste, die Weite, den Nachthimmel".

Quelle: n-tv.de , sba

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