Panorama

Fieberhafte Suche in den Alpen Retter entdecken Schweizer Militärflugzeug

Überflug einer PC-7 der Schweizer Armee.

Überflug einer PC-7 der Schweizer Armee.

(Foto: REUTERS)

Früh am Morgen rollt ein Pilot der Schweizer Luftwaffe mit seiner einmotorigen Maschine an den Start: Doch beim Routineflug quer über die Gipfel der Alpen gerät er offenbar in Schwierigkeiten. Suchhubschrauber schwärmen aus. Vom Piloten fehlt jede Spur.

Eine Propellermaschine der Schweizer Armee ist bei einem Überführungsflug in den Berner Alpen abgestürzt. Das zunächst als vermisst gemeldete Flugzeug wurde am Nachmittag im Gebiet Schreckhorn gesichtet, wie Luftwaffenkommandant Aldo Schellenberg mitteilte. Das Schicksal des Piloten ist nach wie vor ungewiss.

An Bord des zweisitzigen Flugzeugs vom Typ Pilatus PC-7 befand sich den Angaben zufolge nur der Pilot. Der vor allem zu Schulungszwecken eingesetzte einmotorige Flieger war am Morgen in Payerne, rund 60 Kilometer westlich der Hauptstadt Bern, gestartet und anschließend nicht wie geplant 30 Minuten später in Lugano gelandet. Der Vorfall löste eine umfangreiche Such- und Rettungsaktion aus.

Trainingsflugzeuge dieser Art würden nicht permanent per Radar überwacht, erklärte ein Sprecher der Schweizer Luftwaffe. "Wir wissen einfach nicht, wo die Maschine ist, aber der Pilot kann auch eine Notlandung durchgeführt haben", hatte es zunächst geheißen. Aufgrund einer nachträglichen Auswertung der Radardaten konnte das Suchgebiet auf den Raum Schreckhorn in den Berner Alpen eingeschränkt werden. Der Fundort der Maschine am Schreckhorn verheißt nichts Gutes: Der Berg zählt zu den steilaufragenden Gipfeln der Berner Alpen und ist 4078 Meter hoch.

Einmotoriger Tiefdecker: Die PC-7 fliegt mit einer Reisegeschwindigkeit von knapp 370 Kilometern in der Stunde.

Einmotoriger Tiefdecker: Die PC-7 fliegt mit einer Reisegeschwindigkeit von knapp 370 Kilometern in der Stunde.

(Foto: © VBS/DDPS)

Der Pilot, der als erfahrener Milizpilot beschrieben wird, gilt derzeit noch als vermisst. Kommandant Schellenberg hält an der Hoffnung fest, dass der Mann unversehrt gerettet werden kann. Ein Schleudersitz stand ihm in der Unglücksmaschine allerdings nicht zur Verfügung. Schlechtes Wetter behindert die Suche nach dem Mann. In der Region, in der das Wrack der Maschine gesichtet wurde, fiel zuletzt Schnee.

"Eine Bergungsaktion ist aufgrund der Wetterverhältnisse schwierig", teilte das Schweizer Militär mit. "Sobald das Wetter es zulässt, wird die Bergungsaktion beginnen."

Wie eine Stecknadel im Heuhaufen

Das Absturzgebiet liegt im Bereich des Alpenhauptkamms mit Gipfeln, die wie das Schreckhorn zum Teil jenseits der 4000-Meter-Marke liegen. Rettungskräfte sehen sich hier mit unwegsamen Gelände, schlecht einsehbaren Klüften sowie mit schwierigen Windverhältnissen konfrontiert. Das Wrack liegt rund 30 Kilometer nordöstlich der direkten Flugstrecke Payerne/Lugano.

Militärisches Sperrgebiet rund um die Unfallstelle: Für die Untersuchung des Absturzes ist die Militärjustiz zuständig.

Militärisches Sperrgebiet rund um die Unfallstelle: Für die Untersuchung des Absturzes ist die Militärjustiz zuständig.

(Foto: © Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport)

Laut Angaben der Schweizer Luftwaffe kann eine PC-7 bis in eine Höhe von 9800 Meter steigen. Die Reisegeschwindigkeit liegt bei etwa 370 Kilometern in der Stunde. Die maximale Reichweite der rund 2,1 Tonnen schweren Maschine liegt bei etwa 2200 Kilometern. Die Strecke zwischen Payerne und dem Zielflughafen im Tessin misst in der Luftlinie nicht mehr als 180 Kilometer. Entlang der Route gibt es mehrere Ausweichlandeplätze.

Riesiges Suchgebiet

Die Suche laufe "fieberhaft", zitierte das Schweizer Nachrichtenportal "Blick" einen Armeesprecher. Im Einsatz waren mehrere Hubschrauber mit Wärmebildkameras, eine weitere PC-7 und eine nicht genannte Zahl an Kampfjets vom Typ F-18 der Schweizer Bereitschaftsstaffel, die aus der Luft nach Hinweisen auf den Verbleib der Maschine und des Piloten suchen sollten.

Die vermisste PC-7 gehört zur Schweizer Luftwaffe, die solche Maschinen auch für Flugvorführungen einsetzt. Heimatflughafen der Kunstflugstaffel "PC-7 Team" ist die Luftwaffenbasis Payerne. Hersteller der vermissten Maschine ist der Schweizer Flugzeugbauer Pilatus Flugzeugwerke.

Nachtrag: Wie die Schweizer Luftwaffe am späten Dienstagabend bekannt gab, kam der Pilot der PC-7 bei dem Absturz seiner Maschine ums Leben. Seine Leiche wurde an der Absturzstelle am Schreckhorn gefunden und identifiziert. Die Schweizer Militärjustiz hat rund um die Absturzstelle einen Sperrkreis und eine Flugverbotszone eingerichtet. Das Gebiet ist voraussichtlich bis zum 19. September für Bergsteiger und Wanderer gesperrt.

Quelle: n-tv.de , mmo/dpa