Panorama

Aufruf zum Widerstand Hundekot soll rechte Demo-Route "verminen"

(Foto: imago stock&people)

"Rechte, die im Hundekot marschieren": Dieses Bild hat Tuffy Tuffington vor Augen, wenn er an das kommende Wochenende denkt. Seinem Aufruf an alle Hundebesitzer San Franciscos, ihre Vierbeiner zum Crissy Field auszuführen, wollen Hunderte folgen.

Nach der rechtsextremen Gewalt in Charlottesville demonstrieren Menschen überall in den USA gegen Rassismus und Hass. Am vergangenen Wochenende stellten sich in Boston rund 40.000 Demonstranten den weißen Nationalisten in den Weg. Am kommenden Wochenende wollen sich Anhänger der amerikanischen Rechten in San Francisco treffen. Die rechte "Patriot's Prayer"-Gruppe kündigte einen Aufmarsch am Crissy Field, einer Grün- und Flanieranlage bei der berühmten Golden Gate Bridge, an.

Zahlreiche Gegenproteste sind bereits angekündigt, eine Aktion klingt ebenso vielversprechend wie skurril: Hundesbesitzer wollen den Hundekot ihrer Vierbeiner sammeln, um damit die Route der Rechten "verminen".  "Hinterlasst ein Geschenk für unsere Freunde der "Alt Right". Führt euren Hund zum Crissy Field, lasst ihn dort sein Geschäft verrichten und macht nicht hinter ihm sauber!" So heißt es in dem Aufruf, der bei Facebook die Runde macht. Knapp tausend Menschen haben dort angegeben, sich an der ungewöhnlichen Widerstandsaktion beteiligen zu wollen.

Der Aktion gab der Organisator den überaus passenden Namen "Turd Reich" - ein Wortspiel aus "turd" (Englisch für "Hundstrümmerl") und "Third Reich" ("Drittes Reich"). "Ich hatte dieses Bild vor Augen, wie Rechte im Hundekot marschieren", erklärt Tuffy Tuffington seine Idee gegenüber dem britischen "Guardian". Es sei gewissermaßen ein Akt zivilen Ungehorsams - ohne sich den Rechten von Angesicht zu Angesicht gegenüberstellen zu müssen, so Tuffington.

"Adopt A Nazi"

Eine andere ungewöhnliche Protestform kündigten bereits jüdische Juristen an. Sie wollen den Neonazi-Aufmarsch in ein Symbol der Nächstenliebe verwandeln. Die Jewish Bar Association in San Francisco startete eine Kampagne mit dem Namen "Adopt-a-Nazi (Not Really)". "Lasst uns 100 Dollar (oder wieviel ihr auch entbehren könnt) für jede fehlgeleitete Seele spenden, die in unser geliebtes Crissy Field einmarschieren will und spenden wir dieses Geld an eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Extremisten hier in den USA zu bekämpfen", heißt es dort. Bisher kamen dort knapp 133.000 Dollar zusammen.

Die Idee zur Kampagne stammt Medien zufolge von Cody Harris, den die Geschichte um die deutsche Gemeinde Wunsiedel dazu inspiriert. Weil auf dem örtlichen Friedhof Hitlers Stellvertreter, Rudolf Heß, begraben ist, mussten die Bewohner regelmäßige Neonazi-Aufmärsche erdulden. Vor drei Jahren hatte eine Bürgerinitiative den Marsch zu einer Art Spendenlauf umfunktioniert und für jeden Meter den die Rechtsextremen zurücklegten, Gelder an karitative Organisationen gespendet.

Quelle: n-tv.de , dsi

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