Panorama

Mordprozess um Squeezer-Sänger Getöteter Jim Reeves erlitt Höllenqualen

Adam K. und Pawel A. droht im Falle einer Verurteilung eines lebenslange Haftstrafe.

Adam K. und Pawel A. droht im Falle einer Verurteilung eines lebenslange Haftstrafe.

(Foto: dpa)

Musiker Jim Reeves wurde vor eineinhalb Jahren in einem Berliner Hostel gefoltert und getötet. Seine mutmaßlichen Mörder stehen nun vor Gericht. Dort enthüllt die Staatsanwaltschaft die ganze Grausamkeit der Tötung.

Die Trauer und die Wut über den gewaltsamen Tod von Jim Reeves ist den drei Geschwistern des getöteten Musikers deutlich anzusehen. Die zwei Schwestern und der Bruder treten am ersten Verhandlungstag am Berliner Landgericht als Nebenkläger auf. Der 47-Jährige wurde vermutlich in der Nacht zum 1. Februar 2016 von zwei Männern aus Polen in einem Hostel gefoltert und starb infolge der massiven Verletzungen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Adam K. und Pawel A. vor, das Opfer "grausam und aus niederen Beweggründen getötet" zu haben. Es habe der gemeinsame Entschluss bestanden, den Squeezer-Sänger zu quälen und zu töten, heißt es in der Anklageschrift. Die mutmaßlichen Täter hätten es sich zunutze gemacht, dass sie in der Überzahl gewesen seien. Den polnischen Staatsbürgern drohen damit lebenslange Haftstrafen wegen Mordes.

Jim Reeves' Markenzeichen waren seine blondgefärbten Haare.

Jim Reeves' Markenzeichen waren seine blondgefärbten Haare.

(Foto: imago/Ralf Müller)

Folter bei vollem Bewusstsein

Das Atmen der Zuschauer wird hörbar lauter, als die Staatsanwältin beschreibt, auf welche Weise Reeves gequält wurde. Eine Person verlässt unter Tränen den Raum. So sollen sich die zwei mutmaßlichen Täter auf die Brust des Opfers gekniet, seine Arme fixiert und ihm mit einem Stuhl das Gesicht zertrümmert haben. Anschließend sollen sie verschiedene Gegenstände in den Anus des Musikers eingeführt haben, während dieser bei vollem Bewusstsein war. Das führte zu einem mehrfachen Durchbruch von Blase und Darm, sowie fünfzehn Rippenbrüchen. Auch Leber und Milz seien gerissen, erklärt die Staatsanwältin.

Die Gesichter der beiden Angeklagten zeigen während der Verlesung der Anklageschrift kaum eine Regung. Adam K., der kurzgeschorenes Haar und einen blauen Kapuzenpullover trägt, schaut auf seine Füße. Pawel A. fixiert die Staatsanwältin. Der 30-Jährige erscheint mit rasiertem Kopf und kurzärmligem weißen T-Shirt vor Gericht, das den Blick auf seine zahlreichen Tätowierungen freigibt.

Verteidiger Jörg Geimecke (M.) vertritt die Interessen von Pawel A.

Verteidiger Jörg Geimecke (M.) vertritt die Interessen von Pawel A.

(Foto: dpa)

Keiner der beiden Angeklagten möchte sich ihren insgesamt vier Verteidigern zufolge zur Tatnacht äußern. Rechtsanwalt Jörg Geimecke sagte n-tv.de, er habe seinem Mandanten Pawel A. "aufgrund der bisher nicht völlig geklärten Beweislage" davon abgeraten. Man will abwarten, wie die Beweislage sich entwickelt. "Ich sehe die Sache aber absolut positiv", so Geimecke mit Blick auf eine mögliche Verurteilung seines Mandanten. Für den Prozess sind weitere neun Tage geplant. Ein Urteil könnte am 27. Oktober fallen.

Möglicher homophober Hintergrund

Fest steht, dass die beiden Bauarbeiter im "Happy Go Lucky Hostel" in Berlin-Charlottenburg gemeinsam mit Reeves in einem Sechsbettzimmer schliefen. Der Sänger soll den mutmaßlichen Tätern sexuelle Avancen gemacht haben, durch die sie sich gestört gefühlt hätten.

Den Angehörigen des Getöteten fällt es bereits am ersten Tag sichtlich schwer, die Ausführungen der Staatsanwaltschaft zu hören. Markus Kluck, einer der drei Anwälte der Nebenkläger, sagte n-tv.de: "Auf so einen Prozess kann man Angehörige nicht vorbereiten." Er geht davon aus, dass es zu einer Verurteilung der zwei Angeklagten kommen wird. "Mit einem Geständnis kann man aber nicht rechnen."

 

Quelle: n-tv.de


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