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"Bislang keine Anhaltspunkte" Ermittler gehen bei BVB-Anschlag von Einzeltäter aus

Am Morgen greifen die Behörden zu: Zehn Tage nach dem Anschlag auf Spieler des BVB nimmt die Polizei einen Verdächtigen fest.

Der mutmaßliche Initiator des Sprengstoffanschlags auf den BVB-Mannschaftsbus hat nach Ansicht der Ermittler wohl keine Komplizen gehabt. "Bislang gibt es keine Anhaltspunkte für mögliche Gehilfen oder Mittäter", sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Die Ermittlungsbehörde behalte diese Frage aber weiter im Blick. Der 28-Jährige war am Morgen festgenommen worden. Er soll am 11. April den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt haben. Ihm werden versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.

Derweil hat es Durchsuchungen in vier baden-württembergischen Städten gegeben. Dabei handelt es sich um Freudenstadt, Rottenburg, Tübingen und Haiterbach (Landkreis Calw), wie das Landes-Innenministerium mitteilte. Der 28 Jahre alte Tatverdächtige komme aus Freudenstadt. Innenminister Thomas Strobl sagte: "Der Ermittlungserfolg ist für mich einerseits beruhigend. Andererseits erschreckt mich, wenn sich der Tatverdacht erhärtet, die besonders verwerfliche kriminelle Energie, mit der der Täter zu Werke ging - Geldgewinn auf Kosten einer Vielzahl von Menschenleben." Das sei perfide und abstoßend.

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In Rottenburg am Neckar waren Ermittler in einem Wohnhaus im Einsatz. "Der Verdächtige ist nicht in Rottenburg gemeldet", sagte der parteilose Erste Bürgermeister der Stadt, Thomas Weigel. In dem Haus wohnt Weigel zufolge eine Familie, die wohl nichts mit dem Fall zutun habe. In welchem Zusammenhang die Polizeiaktion mit dem Tatverdächtigen steht, war zunächst unklar. "Im Laufe der Woche haben die Sicherheitsbehörden nach einem Grundriss des Gebäudes gefragt", sagte Weigel.

De Maizière: Tatmotiv "besonders widerwärtig"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte, dass es nun darum gehe, "Beweise zu sichern und mögliche Hintergründe aufzuklären". Zum möglichen Motiv, wonach der mutmaßliche Täter wohl auf einen durch den Anschlag verursachten Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt haben soll, um dadurch einen Millionengewinn einstreichen zu können, erklärte der CDU-Minister: "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv."

Unabhängig vom Motiv des Täters gelte es nun für die Betroffenen, das Erlebte zu verarbeiten. "Für die Spieler wird es wichtig sein, dass vermutlich klar geworden ist, wer der Täter ist", sagte de Maizière. "Aber ein Mordanschlag bleibt ein Mordanschlag."

Nach dem Fahndungserfolg dankte der BVB den Behörden. "Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei wurden sehr intensiv und mit Hochdruck geführt. Dafür bedanken wir uns in aller Form und hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte", hieß es in einer Stellungnahme von Klub-Boss Hans-Joachim Watzke und Präsident Reinhard Rauball.

Quelle: n-tv.de , jwu/dpa/rts/sid

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