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Und was sehen Sie? Tintenkleckse als Diagnosemittel

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Als die meisten Menschen noch mit Feder und Tinte schrieben, waren Kleckse unerwünscht.
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In der Psychotherapie dagegen etablierten sich die sogenannten Klecksographien ab 1921 als diagnostisches Mittel.
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Der Schweizer Psychiater Hermann Rorschach (1884-1922) veröffentlichte in diesem  Jahr seine Faltbilder mit Tintenklecksen und die dazugehörige Resultate seiner Untersuchungen mit 300 Personen in dem Werk "Psychodiagnostik".
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Mit den damals noch 15 zufälligen Klecksbildern und deren Deutungen wollte Rorschach aus den Antworten Rückschlüsse auf das Wahrnehmungsvermögen, die Intelligenz und emotionale Charakteristika der untersuchten Person ziehen können.
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Geübte Beobachter werden damit angeblich in die Lage versetzt, tiefere Charakterzüge und bestimmte Impulse bei Testpersonen erkennen zu können.
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Rorschach entwickelte seine eigene Persönlichkeitstheorie auf der Grundlage einer 65-seitigen Dissertation von Szymon Hens von 1917, ...
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... die den Titel "Phantasieprüfung mit formlosen Klecksen bei Schülern, normalen Erwachsenen und Geisteskranken" trug. Rorschach verband seine Erkenntnisse später mit den Theorien von Sigmund Freud.
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Das unter dem Namen Rorschachtest bekannt gewordene Formdeuteverfahren verbreitete sich schnell in Europa und in den USA. (Was sehen Sie hier?)
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Mehrfach wurde versucht, das Verfahren zu vereinheitlichen. Übrig blieben zehn exemplarische Tafeln. Zwei US-Amerikaner, Loucks und Burstein, trugen zu diesen häufig genannte Antworten zusammen. (oben: Menschliche Köpfe/Gesichter)
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In Europa beschäftigte sich Ewald Bohm mit dem Diagnosmittel Tintenkleckse, die nur teilweise einfarbig sind und bei denen es weder richtige noch falsche Antworte gibt.  (Und jetzt?)
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Bohm veröffentlichte 1951 sein Lehrbuch der Rorschach-Psychodiagnostik. Für Psychologen, Ärzte und Pädagogen. (zwei Menschen)
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Zu den zehn bekannten Bildern sind bis zu 300 verschiedene Deutungen beschrieben. (Aber das hier ist doch eindeutig, oder?)
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Das führen Experten, die den Rorschachtest weiterentwickelt haben, unter anderem auf unterschiedliche kulturelle Hintergründe bei den Befragten zurück. (Fledermaus, Schmetterling, Motte)
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In diesem kunstvoll erscheinenden Klecksbild beispielsweise sehen Franzosen ziemlich oft ein Chamäleon, ... (nicht beeinflussen lassen)
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... Menschen anderer Nationalitäten finden diese Deutung eher ungewöhnlich und sehen ein rosa Tier, das weder Hund noch Katze ist.
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Japaner sehen bei diesem Klecks ein Musikinstrument, ...
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... Menschen anderer Nationen dagegen oftmals eine Tierhaut, -fell oder ein großes Tier.
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Auch wenn die zehn Bilder des Rorschachtests veröffentlicht  worden sind, gibt es viele Parallelserien, die nicht frei verkäuflich sind. (Da gibt es doch nichts zu deuten?)
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Die mit Tintenklecksbildern arbeitenden Psychologen wollen so ausschließen, dass ihre Patienten vorweg beeinflusst werden. (grau: zwei Menschen)
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Experten, die mit den Tintenklecksen arbeiten, geben die Bilder ihren Patienten mit der Frage in die Hand: Was könnte das sein?
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Zudem werden die Patienten darauf hingewiesen, dass die Bilder beliebig gedreht werden können. (Fledermaus, Schmetterling, Motte)
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Während der Patient nun die Bilder betrachtet, soll der Experte hauptsächlich fünf Aspekte klären: Welche Bereiche der Tafel werden gedeutet?
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Auf welche Aspekte bezieht sich die Antwort? (orange: Mensch)
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Was genau wird wahrgenommen?
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Wie oft nehmen Personen Gleiches oder Ähnliches wahr? (in diesem Fall ist es Tierhaut oder -fell/Teppich)
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Und gibt es besondere Auffälligkeiten bei den Antworten, wie zum Beispiel Verzögerungen oder sogar eine einsetzende Starre?
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Dann werden alle Beobachtungen, meist schriftlich, festgehalten,  zusammengetragen und ausgewertet. Kritiker der Methode geben zu bedenken, dass die Interpretation der Formen auch durch den Psychologen und seine subjektiven Eindrücke beeinflusst werden könnte. (blau: Krabbe, Hummer oder Spinne)
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Zudem seien die Tintenklecksbilder bedeutungslos. Ein Gutachten allein auf der Grundlage eines Rorschachtests sei ohnehin unzulässig und jeder sieht eben, was er sieht.
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