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Ein Leben wie im Rausch, ein Tod wie im Film Möllemann - Überflieger, Zampano, Durchdreher

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Draufgängerisch, antisemitisch, skandalös - die Attribute, mit denen Jürgen Möllemann bedacht wird, sind selten positiv.
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Als "Riesenstaatsmann Mümmelmann" verunglimpft ihn zeitlebens Franz Josef Strauß, als "Quartalsirren" Partei-"Freund" Hermann Otto Solms, als "intrigantes Schwein" gar die Liberale Irmgard Schwaetzer.
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Bis heute, zehn Jahre nach seinem Tod, kann dem FDP-Politiker eines jedoch nicht abgesprochen werden: Er ist eine der schillerndsten politischen Figuren der 80er und 90er Jahre.
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So spektakulär wie der passionierte Fallschirmspringer sein Leben führt, ja inszeniert, so spektakulär endet es auch.
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Am 5. Juni 2003 springt Möllemann in Marl-Loemühle aus einem Flugzeug.
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Sein Hauptfallschirm öffnet sich noch, Möllemann trennt ihn jedoch ab. Der Reserveschirm öffnet sich nicht automatisch, die entsprechende Vorrichtung ist deaktiviert.
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Möllemann schlägt ungebremst auf einem Feld in der Nähe des Flugplatzes auf.
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Um seinen Tod ranken sich eine Zeit lang noch Mysterien: War es Mord? Ein Unfall? Oder stürzte er sich absichtlich in den Tod?
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Die Ermittler kommen letztlich zu dem Urteil: Ein Fremdverschulden ist ausgeschlossen, Möllemanns Tod war entweder ein Unglück oder Selbstmord.
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Ein später aufgetauchtes Privatvideo von kurz vor dem tödlichen Sprung stützt die These, dass sich Möllemann das Leben nahm.
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Für diese Version spricht auch die Situation, in der sich Möllemann am Tag seines Todes befindet. Der 5. Juni 2003 markiert für Möllemann den Tiefpunkt in einer Reihe von Skandalen und Skandälchen.
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Am Morgen jenes Juni-Tages hebt der Bundestag die Immunität Möllemanns auf. Sofort schwärmen Fahnder aus, um Wohn- und Büroräume Möllemanns im In- und Ausland unter die Lupe zu nehmen.
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Was sie entdecken sollen, zeigt eine Seite Möllemanns, die seine politische Karriere wohl endgültig beendet hätte.
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Möllemann unterhält jahrelang ein dubioses Netz von Unternehmen und Geheimkonten. Er häuft Steuerschulden an, die in die Millionen gehen.
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Immens ist auch der finanzielle Schaden, den Möllemann der FDP hinterlässt. Als Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen stückelt er über mehrere Jahre hinweg anonyme Großspenden und lässt sie über Strohmänner auf Parteikonten einzahlen.
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Damit entgeht er der Publikationspflicht nach dem Parteiengesetz. Die Liberalen sollen deswegen 4,3 Millionen Euro an die Bundestagsverwaltung zahlen - die juristische Auseinandersetzung darüber läuft aber zum Teil noch.
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Dabei ist die Bilanz Möllemanns für die Liberalen nicht vollkommen negativ. Zehn Jahre nach seinem Tod sagt etwa der schleswig-holsteinische Fraktionschef Wolfgang Kubicki: "Wäre Mölli noch da, läge die FDP in Umfragen sicher nicht bei vier Prozent. …
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… Uns fehlt einfach ein Typ, wie er einer war."
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Ein Typ, der sich immer nah am Größenwahn bewegt und damit seine Partei in ungeahnte Höhen zieht – es ihr jedoch immer wieder schwer macht, ihm loyal verbunden zu bleiben.
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So etwa, als das ewige Stehaufmännchen Möllemann zum ersten Mal alles vermasselt. Anfang der 80er Jahren ist er aus dem Spitzenpersonal der Liberalen nicht wegzudenken.
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Im Kabinett Kohl macht er rasch Karriere: Staatsminister im Auswärtigen Amt unter Hans-Dietrich Genscher, später Wissenschaftsminister, dann Wirtschaftsminister.
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In dieser Zeit erringt Möllemann den zweifelhaften Ruf eines Rüstungslobbyisten mit Regierungsamt. Auch sein eigenes Unternehmen ist an Waffenverkäufen an den irakischen Diktator Saddam Hussein beteiligt.
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Als Wirtschaftsminister nickt er die umstrittene Lieferung von 36 Fuchs-Panzern an Saudi-Arabien ab. Dabei fließen satte Schmiergelder. Einer der verwickelten Personen ist Karlheinz Schreiber.
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Die Affären können Möllemann nichts anhaben. Für kurze Zeit ist Möllemann gar Vizekanzler. Er ist ganz oben angekommen.
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Bis ihn die sogenannte Briefbogenaffäre zu Fall bringt. Er schickt Briefe an Handelsketten, in denen er für einen Chip wirbt, der – wie heute auch Usus - als Pfandmünze bei Einkaufswagen dienen soll.
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Das Problem dabei: Die Firma, die die Innovation vertreibt, gehört Möllemanns angeheiratetem Vetter. Und die Briefe, die er verschickt, tragen den Kopf des Bundeswirtschaftsministeriums.
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Möllemann muss nach heftiger Kritik seine Regierungsämter aufgeben und steht vor den Trümmern seiner Karriere.
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Doch seine zweite große Stunde soll kommen. Um die Jahrtausendwende befindet sich die FDP in einer tiefen Krise.
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Im Bund hat Rot-Grün das schwarz-gelbe Bündnis nach 16 Jahren Dauerregentschaft abgelöst. Im politischen Alltag wie in Umfragen verlieren die Liberalen zusehends an Bedeutung.
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In Nordrhein-Westfalen, schon immer eines der bedeutendsten weil größten Bundesländer der Republik, sind die Liberalen seit 1996 nicht mehr vertreten.
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In der Katerstimmung an Rhein und Ruhr kommt Jürgen Möllemann gerade recht. "Mit acht an die Macht", verspricht er großspurig.
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Möllemann, der große Zampano, reißt seine Partei und die Wähler mit. Aus dem Stand kommen die Liberalen auf 9,8 Prozent, verdoppeln damit ihr Ergebnis.
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Was dann geschieht, ist symptomatisch für die Person Möllemann: Wie im Rausch überdreht er, seine Partei folgt dem Heilsbringer wie blind.
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Er ist Schöpfer des "Projekts 18", dem Vorhaben, 2002 mit eigenem Kanzlerkandidaten und ohne Koalitionsaussage auf 18 Prozent der Wählerstimmen im Bundestag zu kommen.
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Ein Spaßwahlkampf soll zum Erfolg führen. Die Liberalen versuchen, die Leichtigkeit, mit der SPD und Grüne 1998 auftrumpften, zu imitieren.
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Alle sind hellauf begeistert, vorneweg Parteichef Guido Westerwelle, der Spitzenkandidat der Liberalen. Mit dem "Guidomobil" zieht der Wahlkämpfer durchs Land.
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In den Augen vieler Wähler ist das jedoch nur peinlich. Der gewünschte Effekt bleibt aus: Die FDP verbessert sich zwar im Vergleich zur Wahl 1998, jedoch lediglich um 1,2 Prozentpunkte und bleibt mit 7,4 Prozent weit hinter den angepeilten 18 Prozent zurück.
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Möllemann schadet aber nicht nur mit diesem bunt-knalligen Teil des Wahlkampfs seiner Partei. Es sind auch seine zweifelhaften Aussagen über den damaligen israelischen Staatschef Ariel Scharon und die Palästinenserfrage, die die Liberalen in Bedrängnis bringen.
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Zudem hat es Möllemann auf den damaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, abgesehen.
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Ein TV-Interview löst ein schweren Skandal aus - Möllemann sagt: "Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Sharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art – überheblich."
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Hinzu kommt die Causa Jamal Karsli: Die Grünen musste der Deutsch-Syrer zuvor verlassen, weil er der Scharon-Regierung "Nazimethoden" nachgesagt hatte. Möllemann sorgt dafür, dass Karsli in der FDP-Fraktion in NRW eine neue Heimat bekommt.
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Der Aufschrei ist riesig: Die FDP - eine Heimstatt des Antisemitismus? Ganz Deutschland debattiert den Streit zwischen Friedman und Möllemann. Die Wahlziele rücken in weite Ferne.
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Schließlich zieht die FDP-Führung Konsequenzen: Auf Druck von Westerwelle muss Karsli die FDP-Fraktion wieder verlassen.
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Dem aufgedrehten Treiben Möllemanns wird er jedoch nicht mehr rechtzeitig vor der Bundestagswahl Herr. Im Wahlkampf lässt Möllemann auf eigene Faust und zweifelhafter Finanzierung ein Faltblatt verteilen.
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Darin bekräftigt er seine Aussagen gegen Friedman und Israel. Mit der FDP-Führung ist das nicht abgesprochen.
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Die Wahl geht in die Hose. Das Verhältnis zwischen Möllemann und der FDP ist zerrüttet. Im März 2003 tritt er aus der Partei aus und kommt damit einem drohenden Rauswurf zuvor.
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Die letzten Wochen seines Lebens verbringt Möllemann als parteiloser Abgeordneter - vollkommen isoliert und nahezu ohne verbliebene Mitstreiter. Möllemann gibt sich gelassen, die Fassade hält er bis zuletzt aufrecht.
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Bis zu jenem 5. Juni 2003, an dem sich sein Fallschirm nicht öffnet.
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