Musik

"Was für eine geile Clique" Romano gibt wieder Klapse auf den Po

Keine Kopie, ein Original: Romano.

Keine Kopie, ein Original: Romano.

(Foto: Fabien Prauss / Universal Music)

Hip-Hop, Zöpfe, Köpenick - mit diesen Zutaten wird Romano vor zwei Jahren zum Phänomen. Nun meldet sich der Berliner mit dem neuen Album "Copyshop" zurück. Mit n-tv.de spricht er über Schiffe im Hafen, Reisen nach Hongkong und brennende Autos.

n-tv.de: Ich frage mich: Wie vielen Menschen hast du heute schon einen Klaps auf den Po verpasst?

Romano: Noch gar keinem! Irgendwie hat es sich heute noch nicht angeboten. Aber gucken wir mal, wie das Gespräch mit uns beiden verläuft.

Ja, schauen wir mal. Rund zwei Jahre ist es her, dass du mit den Songs "Metallkutte" und "Klaps auf den Po" ordentlich Staub aufgewirbelt hast. Wie sehr hat dich der Hype damals selbst überrascht?

Total! Ich hatte damit überhaupt nicht gerechnet, weil ich gerade zu dem Zeitpunkt auf gar nichts hingearbeitet habe. Komischerweise funktionieren die Dinge manchmal genau in diesen Situationen. Man sitzt mit Freunden zusammen im Studio, hat ein Sixpack oder eine Flasche Sekt dabei und spielt mit Beats und Texten rum. So ist eine tolle Zusammenarbeit mit Moritz und Jakob (die Produzenten und Komponisten Moritz Friedrich und Jakob Grunert, Anm. d. Red.) entstanden.

Die Reaktionen auf dich schwankten ja irgendwo zwischen Bewunderung und Irritation. Die "BZ" etwa hat über dich geschrieben: "Romano ist ein Phänomen, das der Verstand nicht so richtig begreifen will." Nimmst du das als Kompliment?

Ich sage dazu nur: den Verstand einfach mal ausschalten. Vielleicht fühlt man es dann ja mehr. Aber na klar ist das ein Kompliment. Ein Superkompliment!

Begreifst du selbst das Phänomen Romano?

Wenn man selbst etwas macht, ist es schwierig, das einzuordnen. Aber ich finde es faszinierend und mich freut es total. Ich weiß noch, wie ich letztes Jahr im "Astra" (Berliner Konzerthalle, Anm. d. Red.) auf die Bühne ging. Ich stand vor Menschenmassen - die Halle war ausverkauft. Darunter waren Metaller, Grufties, Heterosexuelle, Homosexuelle, Familienväter mit Kindern … Ich dachte: Was ist denn das für eine geile Clique hier? Und alle hatten Spaß. Ich hatte fast Tränen in den Augen.  

Du hast auf deiner Facebook-Seite ein Foto von einem weiblichen Fan gepostet, die sich sogar ein Tattoo von deinem Gesicht hat stechen lassen …

Ja! Überleg mal: Das ist wirklich krass! Sie hat sich mein Gesicht so zombiemäßig mit Augen, aus denen Blut fließt, tätowieren lassen. Also, den General immer am Bein zu haben. Wow …

Kanntet ihr euch vorher?

Nein, ich war in Kontakt mit dem Tätowierer. Er hat mir den Tag verraten, an dem sie nochmal zum Nachstechen da sein würde. Da bin ich hingegangen. Ich wollte sie kennenlernen!

Du hast schon eine ziemlich bewegte musikalische Geschichte hinter dir - von Rock über Drum and Bass und Techno bis hin zum Schlager. Du scheinst sehr selbstbewusst zu allem zu stehen. Ist dir im Nachhinein nichts unangenehm oder peinlich?

Nein. Ich habe ja im Copyshop gearbeitet, um mein Leben zu finanzieren und was im Kühlschrank zu haben. Aber daneben gab es für mich immer die Musik wie so eine Art heilige Jungfrau. Da ging es mir nicht ums Geld verdienen. Und ich stehe zu allem, was ich gemacht habe. Weil ich es immer mit Liebe gemacht habe. Und ich glaube, der Romano wäre nicht der Romano jetzt, wenn das nicht alles passiert wäre.

Heute würde ich dich dann doch im Großen und Ganzen dem Hip-Hop zuordnen. Stimmst du mir zu?

Ja, da würde ich schon zustimmen.

Fühlst du dich musikalisch angekommen oder ist auch das womöglich nur ein Abschnitt?

Ich habe dafür ein ganz schönes Bild: Wenn alle meine musikalischen Phasen je nach Dauer unterschiedlich große Schiffe wären, dann hätten sie jetzt alle einen Hafen gefunden. Da liegen sie nun. Und im Hafen ist eine Megaparty, die ganze Belegschaft ist da. Trotzdem kann es sein, dass ein Schiff mal wieder lostuckert oder dass ein neues gebaut wird. Aber das zweite Album jetzt passiert immer noch in diesem Hafen. Ein gewisses Gefühl, angekommen zu sein, ist also schon da. Und das ist ein tolles Gefühl.

Zu dem jetzigen Romano gehören auch die Zöpfe. Flichtst du die eigentlich noch selbst oder lässt du mittlerweile flechten?

Ich musste sie schon beim ersten Album flechten lassen. Es sind nur zwei Zöpfe. Aber ich komme bis zur Hälfte und dann kriege ich es nicht mehr hin. Es soll aber ja auch für dich und das Publikum ansprechend aussehen. Deswegen lasse ich flechten. Im Haus habe ich zwei Zwillingsomas, die Schumachers, die das übernehmen. Sie sind aber nicht immer da. Das heißt: Ich war heute Morgen um halb neun bei einer guten Freundin zum Haare machen beim Frisör.

Wie lange dauert das, bis die Zöpfe sitzen?

Ich sag mal, so zehn Minuten. Aber meistens entsteht daraus noch ein Talk. Wenn es mittags ist, kann man sich auch schon mal ein Sektchen oder einen Kaffee gönnen. Dann kann auch schnell mal eine halbe Stunde daraus werden.

Romano lässt flechten.

Romano lässt flechten.

(Foto: Robert Eikelpoth / Universal Music)

Jetzt erscheint ja mit "Copyshop" dein neues Album. Bist du jemand, der nach dem Erfolg des Vorgängers Druck empfindet?

Ich habe wenig Druck empfunden, weil ich merke, dass ich mit diesem Gefühl nicht künstlerisch kreativ sein könnte. Ich bin nach der Tour, die letztes Jahr im März vorbei war, nach Bad Doberan. Dort habe ich mich in eine kleine Eisenbahn gesetzt, die sich Molli nennt und in einer Stunde zehn Kilometer fährt. Die tuckert so vor sich hin - das ist wie nach drei Joints oder einer Flasche Sekt. Da kommst du langsam zur Ruhe. Nach ein paar Wochen hatte ich wieder Lust, zu schreiben und habe einfach angefangen.

Der Albumtitel und der gleichnamige Song haben ja einen Bezug zu deinem Leben. Wie schon erwähnt, hast du früher tatsächlich im Copyshop gearbeitet und wurdest dort auch zum Mediengestalter ausgebildet. Ich kann mir vorstellen, dass man dort viel über Menschen lernt …

Total. Das ist nicht so wie beim Bäcker, wenn jemand schnell ein paar Brötchen kauft. Es gibt Leute, die bleiben sehr lange im Copyshop. Sie sitzen stundenlang im Selbstbedienungsbereich am Rechner. Da lernst du wirklich auch skurrile Typen kennen. Nur eine Story: Da war zum Beispiel ein süßes Pärchen. Als die Drucke rauskamen, zeigten sie die beiden beim Sex. Das Ganze sollte als Hülle für eine VHS-Cassette dienen. Ich guckte sie an - und sie zwinkerten mir zu. Es gab viele solche Situationen, in denen ich mir dachte: Wow, was ist denn hier los?!

Du sprichst im Song an, was man theoretisch so alles kopieren kann. Was war denn die skurrilste Kopie, an die du dich erinnern kannst?

Das waren eben all die Sachen im Erotiksektor. Es gab auch mal ein schwules Pärchen, das ein Riesenposter davon haben wollte, wie sie gerade beim Blowjob waren. Aber okay, es gab auch mal einen, der drei Jahre lang glaubte, an einem Drehbuch für Dustin Hoffman zu arbeiten. Am Schluss packte er neun Ordner ein, um sie nach Italien zu schicken. Er glaubte, da wäre noch ein Management von Hoffman, das sein Drehbuch unbedingt haben wolle ... Man hat schon viele verrückte und interessante Leute getroffen. Es war eine krasse Zeit.

Das Video zu "Copyshop" habt ihr in Hongkong gedreht. Was war das für eine Erfahrung für dich?

Das war schon abgefahren. Wir waren acht Tage dort, an sieben haben wir gedreht. Ich war sehr beeindruckt. Hongkong ist eine extrem lebendige Stadt mit wirklich vielen Menschen, die niemals schläft. Sogar nachts um vier hört man noch Straßenlärm, als ob es Mittag wäre. Und sie bauen unglaublich in die Höhe. Die Mieten sind so hoch, dass viele nur dafür arbeiten - und dann auf 15 oder 20 Quadratmetern wohnen.

Klingt nicht so verlockend ...

Ja, aber es ist faszinierend, zu sehen, wie Menschen leben. Zugleich empfand ich Hongkong auch als Karikatur des Kapitalismus. Überall gibt es die Geschäfte, die eigentlich alle das Gleiche verkaufen. Das passte auch gut zu "Copyshop".

Der kantonesische Musiker MasterMic rappt auch in dem Song. Wie habt ihr ihn kennengelernt?

Moritz' Freundin kommt aus Hongkong. Das war super: Sie konnte für uns direkt den Tourguide machen. Und sie hat den Kontakt zu MasterMic hergestellt. Er ist echt ein smoother Bruder und von seinen Texten her mit einem Augenzwinkern gesellschaftskritisch. Er rappt in dem Song über einen Rechtsstreit, den "New Balance" und "Nike" wegen Plagiatsvorwürfen führen.

Drei, vier Jahre hat er noch.

Drei, vier Jahre hat er noch.

(Foto: Fabien Prauss / Universal Music)

In dem Video sieht man dich bei einem Wahrsager. Was hat er dir vorausgesagt?

Er hat mir am Anfang gesagt, ich sei eine starke Person, ein Kämpfer und all so was. Doch es ging nicht so positiv weiter. Er meinte, es werde einen Bruch, gefolgt von der schlimmsten Zeit in meinem Leben geben. Das habe ich nicht verstanden. Ich war gerade jenseits von Köpenick, in Hongkong, hatte eine total tolle Zeit mit Freunden - und er sagt mir das voraus. Er ist dann allerdings auch etwas zurückgerudert und meinte, das werde erst passieren, wenn ich so 43 oder 44 sei. Da habe ich ihn angelächelt und in die Luft gebounct: Na, dann hab' ich ja noch drei, vier Jahre.

Hier und da, etwa im Song "Anwalt", blitzen auf deinem neuen Album auch wieder sozialkritische Töne hervor. Siehst du dich als sozialkritischen Sänger?

Nein. Ich würde mich als Menschen bezeichnen, der versucht, nicht nur die Oberfläche zu sehen, sondern auch mal ein paar Meter tief zu tauchen. Ich möchte Songs machen, zu denen man feiern, aber bei denen man - wenn man will - unterschwellig auch eine Message heraushören kann. Mir geht es darum, Menschen zusammenzuführen. Darum, in anderen Menschen nicht immer etwas Böses zu sehen, sondern die Arme weit auszustrecken. Das ist mutig, aber eine Vision von mir. Wenn das alle machen würden, gäbe es auf jeden Fall weniger Zerstörung und Krieg.

Auf dem Vorgänger hattest du mit "Brenn die Bank ab" aber doch auch einen sehr expliziten Song. Vor Kurzem waren die G20-Proteste in Hamburg. Wie fandest du das, was dort passiert ist?

"Brenn die Bank ab" richtet sich nicht gegen Menschen, sondern gegen eine Institution und ein System, das pervertiert ist: die Börsenspekulationen, das Spielen mit Geld und zugleich mit Menschen, die davon abhängen. Und spätestens seit den 2000ern merkt man, wie sehr die Spanne wieder auseinandergeht und es sozial ungerecht zugeht. Den Bürgern wird aber vorgegaukelt, es sei alles okay. "Brenn die Bank ab" ist aber nur ein Bild ...

Das haben einige anders interpretiert ...

Ja, mir hat sogar ein Bankangestellter geschrieben, dass er das Geld von einem Konzert zurückhaben möchte. Er hat seinen genauen Zeitaufwand notiert und meinte, er hätte gern vier Euro noch was. Er würde sich angegriffen fühlen. Aber ich greife nicht den einfachen Sparkassen-Mitarbeiter an.

Womit wir nochmal bei den G20-Protesten wären ...

Die Proteste an sich finde ich richtig. Ich finde es richtig, kundzutun, wenn einem etwas nicht gefällt. Aber es ist nicht zielführend, wenn dem einfachen Arbeitnehmer das Auto abgebrannt oder der Supermarkt nebenan ausgeräumt wird. Mit ihren Gewaltausbrüchen erreichen leider einige wenige, dass die Demonstrationen nicht ernst genommen werden. Aber man muss sagen: Gewaltausbrüche von beiden Seiten. Es ist sehr schade, dass es immer in solchen Gewaltexzessen ausarten muss. Und ich muss sagen: Ich finde das Abbrennen von Autos von einfachen Bürgern unter aller Sau.

Ein dann doch eher unpolitischer Song auf deinem neuen Album ist "Karl May". Für den hast du dir Dieter Birr alias "Maschine" von den Puhdys mit ins Studio geholt. Wie kam das?

"Maschine" ist ein toller Typ. Es gibt ja so Urgesteine wie Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer. Aber ich bin mit den Songs von Puhdys, Karat, City und Silly groß geworden. Für mich war das Urgestein immer "Maschine". Durch meine Band habe ich in den 90ern seinen Sohn Andy kennengelernt. Als ich jetzt den Song geschrieben habe, ist mir sofort "Maschine" in den Kopf gekommen. Da habe ich Andy angerufen und gefragt, ob er mir die Nummer von seinem Vater geben kann. Er sagte: "Nein, ich gebe meinem Vater deine Nummer." Und am Abend hat es schon geklingelt. Ich habe "Maschine" dann den Song geschickt, er fand ihn gut, kam in die Stadt und hat ihn eingesungen. Für mich ist ein Kindheitstraum wahr geworden.

Das Album "Copyshop" ist ab sofort erhältlich.

Das Album "Copyshop" ist ab sofort erhältlich.

(Foto: Universal Music)

Ähnliche Lobgesänge singst du ja stets auch auf deinen Kiez in Köpenick. Eigentlich kannst du dort nie mehr weggehen, ohne dass dir das als Verrat ausgelegt werden würde. Heißt das: Einmal Köpenick, immer Köpenick?

Ich sag' mal: Sag' niemals nie. Man weiß es nicht. Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Ich kann nur hier und jetzt sagen: Ich habe bisher nichts Schöneres für mich gefunden. Und ich gehe davon aus, dass ich noch lange, lange Köpenicker sein werde - im Herzen sowieso. Ich liebe Köpenick einfach.

Mit Romano sprach Volker Probst

Das Album "Copyshop" von Romano bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema