Musik

Felix Jaehn: Das DJ+ Paket "Offensichtlich erfolgreich"

Auch wenn Ihnen der Name erstmal nichts sagen sollte: Die Songs von Felix Jaehn kennen Sie allemal.

Auch wenn Ihnen der Name erstmal nichts sagen sollte: Die Songs von Felix Jaehn kennen Sie allemal.

(Foto: Jens Koch)

Ein DJ muss nur Knöpfchen drehen? Kann stimmen. Will man aber so richtig erfolgreich sein, bedarf es schon etwas mehr. Felix Jaehn zum Beispiel ist nicht einfach nur DJ, sondern auch Produzent. Er hat Chaka Khans "Ain't No Body" ausgegraben, den Track 30 Jahre nach Erscheinen erneut zum Hit gemacht und noch den ein oder anderen Song in den Charts platziert. Doch Felix Jaehn ist nicht nur verantwortlich für unabschüttelbare Ohrwürmer, er versteht sich auch darauf, Elektro-Sets als Ein-Mann-Spektakel abzufackeln. Dem 23-Jährigen reicht es nämlich nicht, einfach nur als DJ an den Decks zu stehen. Mit n-tv.de hat Jaehn über ausgefallene Showeinlagen, Schlafstörungen und das perfekte Regencape gesprochen.

n-tv.de: Der Spiegel hat über dich geschrieben: "Felix Jaehn macht die Musik, die auch Leute kennen, die sich nicht für Musik interessieren." Macht dich das stolz oder wütend?

Felix Jaehn: Eher stolz. Sich nicht aktiv für Musik zu interessieren, ist ja nichts Schlimmes. Wenn auch Leute meine Songs hören, die sich eigentlich nicht für Musik interessieren, sind sie offensichtlich so erfolgreich, dass man nicht an ihnen vorbeikommt. (lacht)

Als DJ und als Produzent muss man nicht unbedingt Instrumente spielen können. Du hast aber ganz klassisch mit der Musik angefangen.

Ich habe als Kind Geige gespielt, aber vor sechs oder sieben Jahren damit aufgehört. Zu meinem letzten Geburtstag haben mir meinen Eltern tatsächlich wieder eine Geige geschenkt. Sie sind der festen Überzeugung, dass ich nochmal mit dem Spielen anfangen sollte. Es wäre schon schön, wenn ich die Geige mal bei einem Konzert als Überraschung rausholen würde. Aber ich habe es noch nicht geschafft, zu üben.

Dafür trommelst du bei deinen Auftritten!

Ich bin DJ. Ich liebe das Auflegen und ich liebe elektronische Musik. Es ist aber schwer, mit einem DJ-Set Konzert-Shows zu bestreiten. Wenn an einem Donnerstagabend um 18 Uhr Einlass ist, sagen die Leute: "Das ist doch kein Club, was soll ich um die Uhrzeit bei einem DJ?" Deshalb muss auf meiner Tour mehr passieren. Bei mir stehen eine Marimba und ein Drum-Set auf der Bühne und die Instrumente kommen natürlich auch zum Einsatz.

Du trainierst mit der Choreografin Nikeata Thompson. Heißt das, du legst bald auch ein paar fesche Tanzschritte hin?

Ich werde natürlich nie richtig tanzen, das ist dann doch zu Boyband-mäßig. Aber auch als DJ stehe ich auf riesengroßen Bühnen vor Zehntausenden Leuten. Die muss ich animieren. Ich klettere auf den DJ-Tisch, gehe nach vorn, werfe ein Handtuch. Man möchte sich natürlich auch wohl dabei fühlen. Also treffe ich mich regelmäßig mit Nikeata zum Performance-Training - um ein besseres Körpergefühl zu bekommen, auf der Bühne lockerer zu werden und dadurch im Endeffekt ein besserer Künstler zu sein.

Du bist jetzt echt schon seit ein paar Jahren richtig erfolgreich mit deiner Musik - nur das Album fehlt noch. Was ändert sich, wenn's endlich da ist?

Man weiß nie, ob sich die Leute auch für mehr interessieren als für einen Hit. Und wer braucht überhaupt noch ein Album? Ich selbst kaufe tatsächlich keine Alben und brauche ganz lange, bis ich mir mal eins bei Spotify komplett anhöre. Da muss ich erst zwei, drei Songs von einem Künstler kennen, von denen ich sage: "Alter, die sind alle richtig gut!" Das war bei Ed Sheeran der Fall, bei Bruno Mars, bei Shawn Mendes. Die Chainsmokers habe ich mir auf Albumlänge angehört, Justin Bieber - aber das war's dann auch so ungefähr.

Damit Felix Jaehn sich mal ein Album von einem Künstler kauft, muss er schon echt begeistert sein.

Damit Felix Jaehn sich mal ein Album von einem Künstler kauft, muss er schon echt begeistert sein.

(Foto: Mizter Miller)

Wieso dann überhaupt ein Album?

Ich will auch die Songs veröffentlichen, die keine Singles werden. Songs, die mir wichtig sind, zu denen die Plattenfirma aber eventuell auch mal sagt: "Im Radio ist das jetzt wahrscheinlich nicht so der Riesenhit". Das Album darf nicht nur eine Hit-Compilation sein, ich möchte auch mal ein Gesamtkunstwerk abliefern. Egal, wie oft sich das jetzt verkauft -  wobei ich natürlich möchte, dass es sich ganz oft verkauft. (lacht)

Auf die alten Songs müssen Fans aber doch trotzdem nicht verzichten, oder?

Wie genau wir das Album aufsetzen werden, haben wir noch nicht entschieden, aber selbstverständlich werden auch "Ain't Nobody", "Bonfire" und "Jeder für Jeden" dabei sein. Wenn ich mein Debüt-Album veröffentliche, gehören die einfach dazu. So haben mich die Leute ja kennen und lieben gelernt.

Typisch Felix Jaehn sind ja nicht nur deine Songs, sondern auch ausgefallene Bomberjacken. Da gibt es eine aus Samt mit einem riesigen Pfau drauf oder eine güldene mit Kordelverzierung …

Tatsächlich, ich habe sehr viele Jacken ... sehr viele Klamotten im Allgemeinen. Ich lege da aber auch Wert drauf. Ich versuche immer vorzuschieben, dass ich das alles haben muss, weil ich oft fotografiert werde. Aber ich habe da einfach Spaß dran. (grinst) Ich finde es auch wichtig, sich abzuheben - gerade auf Gala-Shows.

Was ist denn das letzte Teil, das du gekauft hast?

Ein Regencape mit Waldmuster von Yeezy. Ist total fancy!

Das scheint es dann aber auch schon gewesen zu sein mit extravaganten Spleens, oder? Während andere Stars bei Auftritten neue Klobrillen oder ein Meer aus Rosen verlangen, bittest du nur um Nüsse und einen Fußball …

Ja, der Fußball ist das neue Highlight! Außerdem habe ich zum ersten Mal seit über zwei Jahren wieder ein paar alkoholische Getränke auf dem Rider (Dokument mit den Anforderungen des Künstlers für Auftritte; Anm. d. Red.). Ich selber trinke nicht, wenn ich auf Tour bin. Ich brauche Wasser, frischen Ingwer, frische Zitrone, ein Schneidebrett und ein Messer. (grinst) Damit ich mir Tee machen kann! Kürzlich war mein jüngerer Bruder bei einem Auftritt dabei. Der hat gesagt: "Also Felix, es ist ja schön und gut, dass du nicht trinkst, wenn du auflegst. Aber denk an deine Gäste!" Da hat er Recht, ab jetzt bekommen meine Freunde auch wieder was zu trinken.

Du arbeitest oft nachts. Steckst du das mit dem Schlafrhythmus gut weg?

Ich schlafe einfach überall - auch unabhängig von Bett oder Kissen. Schwierig ist es nur nach großen Auftritten. Da ist man so auf Adrenalin. Wenn man vor 30.000 Leuten steht und eine Show spielt, wird einem so viel Energie entgegengeworfen. Nach dem Auftritt trifft man noch ein paar Leute, macht Fotos - das sind so viele Eindrücke. Ich liebe das, aber du kannst nicht eine Stunde später im Bett liegen und einschlafen.

Was machst du dann?

Meistens liege ich einfach wach. Oder ich gehe nochmal duschen und versuche runterzukommen.

Hast du denn privat noch Spaß am Feiern?

Ich gehe privat fast nie in Clubs. Wenn ich wirklich mal ein Wochenende freihabe, treffe ich lieber Freunde und Familie. Wir machen einen Grillabend oder spielen "Mario Cart". "Ey, ich bin in Berlin. Lass mal heut' Abend feiern gehen" - sowas bekommt man von mir nicht zu hören.

Mit Felix Jaehn sprach Anna Meinecke.

Felix Jaehns aktuelle Single "Hot2Touch" bei iTunes downloaden

Quelle: n-tv.de

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