Musik

Das "Sing meinen Song"-Rätsel Mark Forster unter "Bekloppten"

"Mir ging manchmal richtig die Muffe": Mark Forster.

"Mir ging manchmal richtig die Muffe": Mark Forster.

(Foto: Vox / Robert Grischek)

Bei Mark Forster läuft's seit geraumer Zeit wie am Schnürchen. Vor wenigen Jahren noch auf dem Jakobsweg wandelnd und orientierungslos und verunsichert nach dem Sinn des Lebens suchend, spaziert der gebürtige Pfälzer heute von einem roten Teppich zum nächsten. Dieser Tage sorgt das "Hitmonster" in der vierten "Sing meinen Song"-Staffel für Furore. Gemeinsam mit den Damen und Herren Lena Meyer-Landrut, Stefanie Kloß, Moses Pelham, Michael Patrick Kelly und Tilmann Otto alias Gentleman covert sich Mark Forster durch ein Genre-Potpourri aus Pop, Rock, Country, Reggae und Hip-Hop.

Die Stimmung im südafrikanischen Grootbos-Fünf-Sterne-Areal ist stets ausgelassen. Es wird gesungen, gelacht, geweint (natürlich NUR vor Freude und Rührung), gebechert und geknuddelt. Selbst ein ehemaliges Gangster-Rap-Schwergewicht wie Moses Pelham präsentiert sich im Dauer-Kuschelmodus. Bereits nach zwei Folgen gingen Zweifler auf die Barrikaden und stellten unangenehme Fragen: Was trinken die da eigentlich? Warum haben die sich alle so lieb? Und: Halten alle Anwesenden auch während der Drehpausen permanent Händchen? n-tv.de traf sich mit Mark Forster zum Interview in Berlin und fragte nach.

n-tv.de: Mark, würdest du dich als harmoniesüchtig bezeichnen?

Mark Forster: Das kommt immer drauf an. Grundsätzlich strebt man natürlich überall ein harmonisches Miteinander an. Aber ich streite manchmal auch ganz gerne. Das gehört zum Leben dazu.

Gemeinsame Gruppentherapie in Südafrika: Moses Pelham, Gentleman, Mark Forster, Stefanie Kloß von Silbermond, Lena Meyer-Landrut, Sascha Vollmer von The BossHoss, Paddy Kelly und Alec Völkel von The BossHoss (v.l.n.r.).

Gemeinsame Gruppentherapie in Südafrika: Moses Pelham, Gentleman, Mark Forster, Stefanie Kloß von Silbermond, Lena Meyer-Landrut, Sascha Vollmer von The BossHoss, Paddy Kelly und Alec Völkel von The BossHoss (v.l.n.r.).

(Foto: Vox / Markus Hertrich)

Wurde euch das Streiten während eures "Tauschkonzert"-Aufenthalts in Südafrika von hoher Stelle verboten?

(lacht) Nein, da gab es keine Vorgaben. Es gab einfach keinen Grund, sich in die Haare zu kriegen. Ich weiß natürlich, auf was du hinaus willst. Dieses ganze Geknuddele und die permanenten Umarmungen: Das hat mich selbst total überrascht. Aber ich kann dir versichern: Das war alles total echt. Ich bin da selbst noch ein bisschen am rätseln und mir ehrlich gesagt auch immer noch nicht so ganz klar darüber, was da in Südafrika eigentlich genau abgegangen ist. Das hatte für mich phasenweise schon fast was von einer Gruppentherapie für Bekloppte. Positiv Bekloppte natürlich.

Eine deutsche Musiksendung mit Tiefenwirkung?

Klingt seltsam, ich weiß. Ich schalte sonst auch eher weg, wenn es nicht gerade um "The Voice" geht. Aber "Sing meinen Song" ist ein wirklich einzigartiges Format. Ich meine, es gab Tage, da saß ich bis zu vier Stunden mit Leuten wie Moses Pelham oder Paddy Kelly an einem Tisch und habe mit denen meine Lebensgeschichte durchgekaut. Das sind schon krasse Erfahrungen. Abends steht man dann vor diesen Typen auf der Bühne. Und man singt ihre Songs. Da spielt es keine Rolle, ob man sonst vor 5000 Leuten spielt. Da schaut man den Urhebern beim Abliefern direkt in die Augen und hofft, dass man nicht verkackt.

Hast du denn mal verkackt?

Na ja, es gab schon Momente, in denen mir so richtig die Muffe ging. Ohne die alten Platten von Moses hätte ich wahrscheinlich gar nicht erst mit dem Musikmachen angefangen. Und dann stehe ich fünf Meter vor ihm auf der Bühne und singe "Was immer es ist". Das war schon heftig. Gentleman war auch nicht einfach. Das ist gesangstechnisch eine komplett andere Welt. Aber ich denke, dass ich insgesamt, so gut es ging, abgeliefert habe.

Aktuell widmet sich Forster dem Schreiben neuer Songs.

Aktuell widmet sich Forster dem Schreiben neuer Songs.

(Foto: Vox / Jörg Carstensen)

Kanntest du eigentlich alle Kandidaten schon vorher?

Nicht alle. Lena kenne ich schon ziemlich lange. Mit Stefanie und den Jungs von Silbermond hatte ich auch schon öfters zu tun. Gentleman hatte ich vorher auch schon mal getroffen. Und für die BossHoss-Jungs habe ich früher als Laufbursche immer Kippen geholt. Moses und vor allem Paddy hingegen waren für mich völlig unbeschriebene Blätter.

Und heute seid ihr dicke Freunde?

Wir haben auf jeden Fall noch regen Kontakt. So eine vierzehntägige Reise schweißt schon zusammen. Da ist es egal, aus welcher Musikrichtung man kommt. Ich habe weder den Kelly-Family- noch den BossHoss-Backkatalog bei mir daheim im CD-Schrank stehen. Geschmäcker sind nun mal verschieden. Aber die Menschen, die hinter der Musik stehen, zu der Millionen Menschen einen Bezug haben, sind immer faszinierende Geschöpfe. Und sie sind in der Regel auch total nett, empathisch, interessant und inspirierend. So wie Paddy, Alec, Sascha und auch Paddy.

In puncto "Status" gab es bei der bisherigen Künstler-Auswahl nicht viel zu nörgeln. Gehen wir aber mal einen Schritt weiter. Stell dir vor, du könntest die Auswahl für eine internationale Format-Staffel treffen. Wer würde alles neben dir auf der Couch sitzen?

Oh, ich glaube, so eine lange Couch müsste erst noch gefertigt werden. Aber wenn es sie gäbe und ich es mir tatsächlich aussuchen dürfte, dann würde ich auf jeden Fall Paul McCartney, Ed Sheeran, Justin Bieber, die Jungs von Major Lazer, Snoop Dogg, Jay Z, Rihanna und Beyoncé mit ins Boot holen. Das wäre so die coolste und krasseste Truppe, die ich mir spontan vorstellen könnte.

Da würde ich garantiert reinschalten.

Wer nicht? (lacht)

Okay, aus der Traumwelt zurück in die Realität. "Sing meinen Song" ist Geschichte. Dein aktuelles Album "Tape" hat auch schon ein knappes Jahr auf dem Buckel. Was steht bei dir demnächst auf dem Programm?

Das Schreiben neuer Songs steht bei mir momentan ganz oben auf der Liste.

Oha! Schon eine Ahnung, in welche Richtung die neuen Songs gehen werden? Du hast ja mal gesagt, dass du mit jedem neuen Album auch musikalisches Neuland betreten willst.

Das stimmt. Mir ist es schon sehr wichtig, dass ich mich musikalisch ständig weiterentwickle. Sicher, die Basis wird bleiben. Aber das Drumherum braucht immer mal wieder einen Neuanstrich.

Soll heißen?

Lasst euch überraschen. (lacht)

Ach komm. Wenigstens ein kleiner Wink.

Da schwappt momentan einfach unheimlich viel rein und raus. Das hat aber nicht immer gleich was zu bedeuten. Ich habe mir letztens beispielsweise ein Album von Sophie Hunger gekauft. Das heißt aber nicht, dass mein nächstes Album nach Sophie Hunger klingen wird. Ich höre gerade auch unheimlich viel Weltmusik. Aber auch das muss nichts bedeuten. Der Songwriting-Prozess ist immer geprägt von Fülle und Masse. Man lässt alles und jeden Sound auf sich wirken. Manchmal geht's am Ende dann aber doch in eine völlig andere Richtung. Das macht diese Zeit für mich auch so spannend.  

Mit Mark Forster sprach Kai Butterweck

Die beiden letzten Folgen der aktuellen Staffel von "Sing meinen Song" sind heute (4. Juli) und am 11. Juli um jeweils 20.15 Uhr bei Vox zu sehen.

Quelle: n-tv.de

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