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Simon Becketts "Der Hof" Brutale Abgründe in französischer Idylle

Von Solveig Bach

Auf dem Hof erscheint die Außenwelt seltsam unwirklich.

Auf dem Hof erscheint die Außenwelt seltsam unwirklich.

(Foto: REUTERS)

Brütende Hitze liegt über einem abgelegenen und heruntergekommenen Hof in Südfrankreich. Ausgerechnet dieser Ort ist die nicht ganz freiwillige Zuflucht des Engländers Sean. Eine rostige Eisenfalle, aufgestellt vom tyrannischen Hofbesitzer Arnaud, hat ihm den Fuß zerfetzt. Und irgendetwas stimmt hier nicht.

Der Engländer Sean ist in Frankreich unterwegs. Im Gepäck hat er eine nennenswerte Menge Drogen und ein unangenehmes Geheimnis. Der Beifahrersitz seines Autos ist blutdurchtränkt. Diese Tatsachen lassen ihn ein teures Auto zurücklassen und die Polizei meiden. Dumm nur, dass er beim Versuch, nicht von der Gendarmerie gesehen zu werden, in ein riesiges Fangeisen tritt.

Mit einem schwer verletzten Fuß, der mehr an einen blutigen Klumpen Fleisch erinnert, landet er auf einem abgelegenen Hof, auf dem zwei junge Frauen mit ihrem tyrannischen Vater, einem Baby und dem etwas seltsamen Faktotum George leben. Das ist der Beginn des neuesten Thrillers von Simon Beckett. Und obwohl Beckett diesmal David Hunter, den forensischen Anthropologen und Hauptdarsteller seiner letzten Bücher, außen vor lässt, hat "Der Hof" bereits die Bestsellerlisten erobert.

Idylle mit Rissen

Der Bauernhof irgendwo in der Hitze des französischen Sommers ist auf den ersten Blick idyllisch in einem Kastanienwäldchen gelegen, bei genauerem Hinsehen aber heruntergekommen und seltsam von der Außenwelt abgeschnitten. Schnell wird klar, hier stimmt etwas nicht. Und zwar weit mehr, als dass einfach nur das Gelände mit Stacheldraht umgeben und ein paar illegale Fallen ausgelegt wurden. Nur was - das bleibt lange unklar, während die Geschichte offenbar auf eine Katastrophe zusteuert.

Das Hörbuch ist Argon-Verlag erschienen.

Das Hörbuch ist Argon-Verlag erschienen.

Seans zerfetzter Fuß wird zunächst auf einem Dachboden versorgt, es ist irre heiß. Der Engländer ist unsicher, ob er noch Patient oder schon Gefangener ist. Hingebungsvoll pflegt ihn Mathilde, die ältere der beiden Töchter. Doch auch die jüngere, Gretchen, zeigt intensives Interesse an ihm. Wie sehr das Arnaud, dem Vater der beiden und Besitzer des Hofes, missfällt, bekommt Sean schnell zu spüren. In die scheinbare Idylle platzen immer wieder aggressive Ausbrüche von Arnaud, bei denen Sean um sein Leben fürchtet. Zur Irritation tragen auch die seltsamen Statuen bei, die überall auf dem Gelände verteilt sind.

Doch während sich auf dem Hof schließlich alle in die neue Situation einzuleben scheinen, wird in Rückblenden erzählt, was Sean zur Flucht in die französische Pampa trieb. Natürlich spielt auch darin eine Frau die Hauptrolle: Chloé, die Sean beim Trampen kennengelernt hatte, die Künstlerin, der er von seiner Liebe zur Filmkunst erzählen kann, die Frau, mit der er in London zusammengelebt hat. Was genau mit Chloé schiefgelaufen ist, bleibt lange im Vagen. Hingegen nehmen die Ereignisse auf dem Hof immer mehr an Fahrt auf. Zwischen Sean und Mathilde entwickelt sich eine zarte Anziehung, während Gretchen dem rothaarigen Fremden immer offenere Avancen macht.

Kein Entrinnen

Der alte Arnaud bindet ihn ständig mehr in die Arbeit auf dem Hof mit ein. So steht Sean mit seinem noch immer heftig lädierten Fuß auf dem Gerüst, um das baufällige Haus mit etwas Zement besser zusammenzuhalten. Er fällt Bäume und darf sogar bei der Schlachtung eines jener Schweine dabei sein, die möglicherweise die einzigen Lebewesen sind, die dem Hausherrn etwas bedeuten. Monsieur Arnaud scheint etwas Jekyll-und-Hydehaftes an sich zu haben. Er duldet keinerlei Widerspruch und herrscht autoritär über seine hübschen Töchter, immer in verdrießlicher Stimmung und bereit, sofort feindselig zu reagieren. Nur gegenüber dem kleinen Michel wird er zärtlich und weich.

Immer mehr verweben sich die beiden Handlungsstränge miteinander. Das Gefühl, auf dem Hof lebendig begraben zu sein, wird für Sean beinahe übermächtig, als es schließlich zur Katastrophe kommt. Beckett erweist sich auch diesmal wieder als routinierter Erzähler, allerdings wünschte man sich nach den vielen Andeutungen ein furioseres Finale.

Doch Johannes Steck, der auch die anderen Beckett-Bücher bereits als Hörbücher eingelesen hat, gibt Sean eine Trostlosigkeit in der Stimme, die über manche literarische Schwäche hinweghören lässt. Sein Sean kämpft nicht nur mit seiner heftigen Fußverletzung, sondern auch mit einer Lebenstraurigkeit, die ihn fast zwangsläufig in die französische Einöde führen musste.

Subtil lässt Steck Sean zwischen Aggressivität und Todesangst pendeln, er treibt die Spannung zwischen der scheinbaren Idylle des Ortes und den brutalen und blutigen Ereignissen voran, ohne auch nur die Stimme zu erheben. Dabei reichen dem gestandenen Schauspieler schon wenige Nuancen, um das Personal bis in die Nebenrollen unverwechselbar zu machen.

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Quelle: n-tv.de

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