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Robert Gustafssons Leben mit 101 "Sie war 86 und hat mit mir geflirtet"

Robert Gustafsson als Allan mit dem Objekt der Begierde: "Volkssoda".

Robert Gustafsson als Allan mit dem Objekt der Begierde: "Volkssoda".

(Foto: Concorde Filmverleih GmbH / Nice FLX)

In "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand" wird Robert Gustafsson zum zweiten Mal zum heißen Greis. Mit n-tv.de spricht er über schwedischen Humor, Liebe im Alter und die "Volkssoda", um die sich in dem Film alles dreht.

n-tv.de In "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand" schlüpfen Sie zum zweiten Mal in die Rolle von Senior Allan. Hat es das für Sie leichter gemacht, ihn zu spielen?

Robert Gustaffson: Ja, auf jeden Fall. Egal, ob es darum ging, sich in den Charakter einzufühlen oder die passende Maske für ihn zu finden - all das fiel diesmal weg. Beim ersten Film dauerte es fünfeinhalb Stunden, mich in Allan zu verwandeln! Jetzt konnten wir das auf viereinhalb Stunden reduzieren. (lacht) Ganz im Ernst: Für mich war es großartig, eine Stunde mehr Schlaf am Tag zu bekommen. Wir haben von neun in der Früh bis neun am Abend gedreht. Und auch so klingelte schon um vier Uhr der Wecker und ich bin in die Maske gegangen.

Wie haben Sie denn den Charakter seinerzeit entwickelt?

Ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, wie wir für Proben mit den englischsprachigen Kollegen in dem ersten Film in einem großen Appartement in London waren. Nachts, wenn alle ausgeflogen waren, ging ich in den Zimmern auf und ab, während Felix (Regisseur Felix Herngren, Anm. d. Red.) mir zurief: "86!" Oder: "65!" Und ich versuchte, mich dem jeweiligen Alter entsprechend zu bewegen. Oder wir saßen beim Essen und ich führte den Löffel zum Mund. "Nein, zu schnell", hieß es dann - und ich aß langsamer. So haben wir nach und nach eine Körpersprache für jedes Alter entwickelt.

Von 101 Jahren ist Gustafsson noch ziemlich weit weg.

Von 101 Jahren ist Gustafsson noch ziemlich weit weg.

(Foto: imago/Future Image)

Sie sagen es ja: Sie verkörpern Allan in verschiedenen Lebensphasen. War da die Phase mit 100 oder 101 überhaupt die schwierigste?

Nein, am schwersten war es tatsächlich, zum Beispiel den 23-jährigen Allan zu spielen. Wie stellt man jemanden dar, der jünger als man selbst ist? Von der Maske her war es zwar dieselbe Technik - jetzt wurde mein Gesicht eben sehr weich gemacht und ich bekam strahlende blaue Kontaktlinsen. Aber ich werde immer etwas betreten, wenn ich jüngeren Menschen zuhöre. Wenn ich zum Beispiel jungen Politikern zuhöre, wünschte ich mir, sie würden mit älteren Menschen sprechen, die die Erfahrung haben.

Fiel es schwer, beim Dreh zwischen den verschieden Altersstufen umzuschalten?

Das war nicht so schwierig. Es gibt im neuen Film zum Beispiel eine Szene, in der er in seinen Siebzigern ist. Kurz darauf musste ich den hunderteinjährigen Allan spielen. Als ich seine Maske und seine Kleidung anlegte, begannen am Set auf einmal alle, Rücksicht zu nehmen. Sie hielten die Tür auf oder rückten den Stuhl zurecht. Das ist wie ein Reflex - sie sehen einen alten Mann. Als ich das begriffen habe, habe ich schnell zu rennen angefangen. Da waren für einen Moment alle verblüfft. Ich musste sie daran erinnern, dass ich es bin, Robert. Und dann gab es da noch eine andere Anekdote …

Ich höre.

Ich saß in einer Drehpause mit einer Kollegin, die hier in Schweden sehr bekannt ist, zusammen. Da kam eine ältere Dame und fragte sie nach einem Autogramm. Zugleich sah sie mich an und begann, mit mir zu flirten. Ich habe mir nichts anmerken lassen und mich mit ihr unterhalten - über ihren Enkel, ihre Lebensgeschichte, alles. Ich habe mich nicht getraut, ihr zu sagen: "Hey, ich bin es, Robert." Aber ein Assistent hat sie später aufgeklärt. Sie hat es mit Humor genommen. Ich fand das wirklich interessant: Da kommt jemand mit 86 und flirtet mit dir! Das Liebesspiel hört nicht einfach irgendwann auf, wenn man etwa 75 ist. Es geht auch dann noch weiter. Das ist irgendwie süß.

In Schweden sind auch Sie sehr bekannt, vor allem als Komiker. Ihnen wird schon mal attestiert, die "witzigste Person Schwedens" zu sein. Was zeichnet Sie aus?

Oh, das ist schwierig zu beantworten. Aber ich glaube, auch wenn es nur ein zwei Minuten langer Sketch sein sollte, versuche ich trotzdem immer, Charakteren eine gewisse Tiefe zu geben. Die Leute sollen sich denken: "Ah, der ist interessant" Oder: "Hey, ich mag den Typen." Dabei bediene ich mich gern des gesamten Spektrums der Schauspielerei - nicht nur der Sprache, sondern auch der Körpersprache, Kleidung, Maske, allem, was dazu gehört.

Dem ersten Allan-Film, "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand", und das zugehörige Buch von Jonas Jonasson wird wiederum nachgesagt, es handele sich um typisch schwedischen Humor. Stimmt das?

Als wir damals mit dem Film zur Berlinale gereist sind, glaubte ich nicht, dass es funktionieren würde. Da dachte ich auch: "Das ist schon ein sehr spezieller schwedischer Humor." Aber ich wurde komplett überrascht. Die Zuschauer haben derart viel und laut gelacht - tatsächlich noch mehr als in Schweden. Da wurde mir klar, dass es international ankommt. Wir wurden in Schweden immer stark von England beeinflusst, von angelsächsischen Komödien zum Beispiel. Aber die schwarze Seite des Humors ist vielleicht typisch schwedisch beziehungsweise typisch für die Region. Gehen Sie erst mal nach Finnland! Da wird es dann wirklich tiefschwarz!

Jetzt, bei "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand" gab es keine erfolgreiche Romanvorlage. Hat das die Arbeit an dem Film verändert?

Jonas hatte am Anfang deshalb wirklich Sorgen. Die Gefahr ist immer groß, dass eine Fortsetzung nicht so gut wird wie der erste Film, auch wenn es vielleicht Ausnahmen wie "Der Pate" oder "Toy Story" gibt. Das ist ein Fakt, der einem bewusst ist. Aber davon muss man sich befreien. Jetzt hatten wir dafür die Freiheit, zu machen, was immer wir wollten.

Im Film hat Gustafsson einen ganz besonderen Freund.

Im Film hat Gustafsson einen ganz besonderen Freund.

(Foto: Concorde Filmverleih GmbH / Nice FLX)

Was heißt das im Vergleich zum ersten Film aus Ihrer Sicht?

Der erste Teil ist sehr episch und schwer in gewisser Weise. Man musste sich ans Buch halten und Allans ganzes Leben erzählen - seine Kindheit, seine Jugend und die Geschichte mit seinem Vater. Diesmal hingegen konnten wir einen lustigeren und auch actionreicheren Film machen.

Sie waren also von Anfang an von einer Fortsetzung überzeugt?

Nein, ich hatte zunächst auch gesagt: "Ach nein, lasst doch den ersten Film einfach für sich stehen." Aber dann hat mir Måns (Co-Regisseur Måns Herngren, Anm. d. Red.) das Drehbuch geschickt. Ich hatte wirklich gehofft, dass es richtig schlecht ist, damit ich nein sagen kann. Aber die Geschichte war ziemlich gut. (lacht) Ich erinnere mich so gut an die 70er-Jahre, die Ronald-Reagan-Ära und den Krieg zwischen Coca Cola und Pepsi. Man muss sich mal vorstellen: In diesem Krieg, der mit Spionen um die Rezepte geführt wurde, wurden mehr als 100 Menschen getötet! Das klingt verrückt, hat aber einen wirklich ernsten Hintergrund.

Im ersten Film mussten sie auf einem Elefanten reiten, jetzt bekommen sie es mit einem Affen zu tun. Was war schlimmer?

Die Sache mit dem Elefanten war wirklich schwierig. Die Äffin - sie ist tatsächlich eine Dame - ist dagegen ein sehr bekannter Star. Sie hat zum Beispiel auch schon in "Fluch der Karibik" oder "Hangover" mitgespielt. Und sie war die Einzige am Set, die exakt das getan hat, was der Regisseur von ihr verlangt hat. (lacht) Wenn sie auf meiner Schulter saß, konnte ich ihren Herzschlag spüren und ihr Pfeifen hören - die Sprache, in der sie mit mir sprach. Sie war wirklich toll! Was für ein Geschöpf!

Sie sind in Wahrheit erst 52. Könnten Sie sich vorstellen 100 oder 101 zu werden?

Ja, auf jeden Fall. Ich hoffe, dass ich wenigstens 102 werde. Nur 99 zu werden, wäre jedenfalls schrecklich - so kurz vor dem Ziel. (lacht) Wenn ich den medizinischen Fortschritt in den nächsten 20 oder 30 Jahren bedenke, könnte es durchaus okay sein, so alt zu werden. Das ist heute doch schon so. Ich habe mir in Vorbereitung auf die Rolle viele ältere Menschen angesehen - sie wirken nicht mehr so alt, wie sie tatsächlich sind.

Vielleicht spielen Sie Allan ja auch, bis Sie 101 sind …

Ja, das hat der Produzent auch schon zu mir gesagt.

Im Ernst: Können Sie sich vorstellen, noch ein weiteres Mal in die Rolle zu schlüpfen?

Wenn Sie mich das jetzt fragen, sage ich nein. Aber fragen Sie mich in sechs Monaten nochmal und bringen Sie ein gutes Drehbuch mit. Vielleicht sage ich dann doch ja.

Zum Schluss hätte ich noch eine Bitte: Können Sie mir das Rezept für "Volkssoda" geben?

(lacht) Tut mir leid, ich habe es auch nicht. Wir haben für die Premiere tatsächlich eine spezielle Limonade gebraut. Die war auch ziemlich gut. Aber mit dem "Volkssoda"-Rezept kann ich leider nicht dienen.

Mit Robert Gustafsson sprach Volker Probst

"Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand" läuft derzeit in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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