Kino

Der heiße Greis ist zurück Mit 101 Jahren, da fängt das Leben an

Von Volker Probst

Diesmal ist ein Affe sein ständiger Begleiter: der hunderteinjährige Allan alias Robert Gustafsson.

Diesmal ist ein Affe sein ständiger Begleiter: der hunderteinjährige Allan alias Robert Gustafsson.

(Foto: Concorde Filmverleih GmbH / Nice FLX)

Mit "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" gelingt ein schwedischer Überraschungserfolg - im Roman wie im Film. Nun kehrt der Senior auf die Leinwand zurück, um ein Jahr gealtert, aber nicht minder durchgeknallt.

Für eine Artikel-Überschrift ist der Name des Films ein Graus: "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand". Für die Macher indes ist der Bandwurmtitel ein Markenzeichen. Drei Jahre ist es her, dass die schrägen Schweden ihren Haus-und-Hof-Komiker Robert Gustafsson als schrulligen Senior in "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" auf die Leinwand schickten. Doch im Kino gehen die Uhren nun mal anders - und so ist Altenheim-Deserteur Allan in dieser Zeit nur um ein Jahr gealtert. Dementsprechend kehrt er jetzt als Hunderteinjähriger auf die Leinwand zurück.

Als Regisseur Felix Herngren 2013 seine Hauptfigur aus dem Fenster steigen ließ, war das für ihn sozusagen eine "gmahde Wiesn". Der Roman von Jonas Jonasson war zuvor bereits international durch die Decke gegangen. Auch in Deutschland enterte er im September 2011 die Bestsellerlisten und war aus diesen über Wochen und Monate nicht mehr wegzudenken. Ein Erfolg, der nicht unbedingt vorherzusehen war. Doch irgendwie schien der "Dirty Old Man"-Humor mit Forrest-Gump-Anleihen auch jenseits der schwedischen Grenzen den Zeitgeist zu treffen.

Drehbuch ohne Vorlage

Die Begeisterung schwappte nahezu nahtlos auf das Kino über. Klar, "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" erreichte keine Blockbuster-Gefilde. Doch für eine schwedische Produktion räumte der Streifen dennoch exorbitant ab. Allein in Deutschland sahen ihn fast 1,2 Millionen Kinogänger. Und in Hollywood wurde er mit einer Oscar-Nominierung für das beste Make-up geehrt.

Bei so viel Rückenwind kann es kaum verwundern, dass man sich in Schweden alsbald Gedanken über eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte machte. Problem nur: Jonasson hat bislang keinen weiteren Roman über Allans Eskapaden zu Papier gebracht. Stattdessen gehen er, Felix Herngren (diesmal bei der Regie unterstützt von seinem Bruder Måns), Gustafsson und der Rest des Ensembles nun das Wagnis ein, den Greis ohne entsprechende Vorlage erneut auf das Kinopublikum loszulassen. Auch am eigentlichen Drehbuch von "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand" wirkte Jonasson nicht mit. Gleichwohl trug er mit Ideen zu der Geschichte bei.

Ja, eine Fensterszene gibt es auch diesmal.

Ja, eine Fensterszene gibt es auch diesmal.

(Foto: Concorde Filmverleih GmbH / Ola Kjelbye)

Auf der Jagd nach der "Volkssoda"

Der Originalität der Fortsetzung tut das alles in allem allerdings auch keinen Abbruch. Stattdessen versuchen die Filmemacher in mancher Hinsicht, noch eins draufzusetzen. Ausgangspunkt der wieder einmal hanebüchenen Story ist Bali. Hier verprassen Allan und seine Kumpanen seit einem Jahr das Geld, das sie im ersten Teil einer zwielichtigen Rocker-Bande abgeluchst hatten. Viel davon ist nicht mehr übrig, als Allan zur Feier seines 101. Geburtstags seine letzte Flasche "Volkssoda" hervorzaubert und im Kreise seiner Freunde köpft. Und siehe da: Auf einmal scheinen sich gänzlich neue Einnahmepotenziale aufzutun.

Mit der Limonade, so weiß Allan zu berichten, versuchten die Sowjets einst im Kalten Krieg mit den USA die Getränke-Vormacht von Coca Cola zu brechen. Und so schmeckt "Volkssoda" derart verführerisch, dass jeder nach auch nur einem Schluck nicht mehr genug davon bekommen kann. Doch im Laufe der Zeit geriet die Produktion des Getränks in Vergessenheit. Das Rezept jedoch müsse noch irgendwo sein, erinnert sich Allan vage. Und so prellen er und seine Kumpel mal eben die Rechnung in ihrem indonesischen Luxushotel und machen sich auf die Suche. Sie sind jedoch nicht die Einzigen, die mit der "Volkssoda" das ganz große Geschäft wittern …

"Volkssoda" - so lautete im Film einst die Geheimwaffe des sowjetischen Staatschefs Leonid Breschnew (Valentin Smirnitskiy).

"Volkssoda" - so lautete im Film einst die Geheimwaffe des sowjetischen Staatschefs Leonid Breschnew (Valentin Smirnitskiy).

(Foto: Concorde Filmverleih GmbH / Nice FLX)

Mit Äffchen im Gepäck

So abgedreht wie die Handlung insgesamt, so absurd kommen einzelne Szenen daher. Rückblenden zeigen Allans Vergangenheit als amerikanisch-sowjetischer Doppelagent. Was im Original ein Elefant war, ist in "Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand" ein Kapuzineräffchen - nicht irgendeins, sondern das, das auch schon in Filmen wie "Nachts im Museum" oder "Hangover" seine andressierten Star-Qualitäten unter Beweis stellen durfte. Und auch eine Sex-Szene mit Allan darf diesmal nicht fehlen. Getreu dem Motto: Mit 101 Jahren, da fängt das Leben doch erst an.

In Wahrheit ist der 52-jährige Hauptdarsteller Gustafsson unter der Senioren-Maske natürlich noch ein ganzes Stück von Allans Fabelalter entfernt. Gleichwohl scheint er bei seinem zweiten Greisen-Einsatz endgültig mit seiner Figur eins zu werden. An ihm liegt es nicht, sollte sich mit dem Streifen der Überraschungserfolg des Originals nicht wiederholen lassen. Schon eher daran, dass die Filmemacher an mancher Stelle zu viel gewollt haben, um auf Biegen und Brechen an den Hype anzuknüpfen. Manchmal ist etwas weniger eben mehr. Auch wenn das für die "Volkssoda" sicher nicht gilt.

"Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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