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"Ungefickt, 16, sucht ..." "LenaLove" zeigt Mobbing unter Schülern

Against all odds: Emilia Schüle und Jannik Schümann. Das deutsche Kino hat Star-Potenzial, ganz eindeutig.

Against all odds: Emilia Schüle und Jannik Schümann. Das deutsche Kino hat Star-Potenzial, ganz eindeutig.

n-tv.de trifft Emilia Schüle und Jannik Schümann zum Interview am Alexanderplatz. Die beiden sind die Hauptdarsteller des, man kann es ruhig so nennen, Thrillers von Florian Gaag, in dem es um Mobbing, Eifersucht und die Liebe geht. Vordergründig geht es um Schüler - und im Hintergrund tobt parallell ein Machtkampf der Erwachsenen, die mit ihrem eigenen Leben selbst kaum klarkommen, obendrein aber noch gehörig in dem ihrer Kinder herumpfuschen. Lena (Schüle) hat sich mit ihrer besten Freundin Nicole (Kyra Sophia Kahre) zerstritten, die nun nichts Besseres vorhat, als sie - gemeinsam mit einer anderen Freundin (Sina Tkotsch) - systematisch fertigzumachen. Zuspruch und Trost findet die hübsche, sensible und kluge 16-Jährige bei einem ihr persönlich unbekannten Chat-Partner, dem sie sich leichtfertig anvertraut, weil "er" immer die richtigen Fragen stellt und die besten Antworten hat. Aber wer steckt dahinter? Außerdem muss Lena damit klarkommen, dass ihre Mutter (Anna Bederke) eine Affäre mit dem Vater von Nicole hat, der wiederum der Ehemann einer total erfolgreichen Ratgeber-Autorin (Sandra Borgmann) ist, die um jeden Preis den Anschein einer intakten Ehe aufrechterhalten möchte. Und dann ist da noch Tim (Jannik Schümann): ein süßer, aber nicht unkomplizierter Typ, der von den neidischen Freundinnen unfreiwillig in den Sog ihrer schlimmen Aktivitäten in den sozialen Netzwerken gezogen wird, obwohl er es viel besser weiß. Lena und Tim sind eigentlich ein Traumpaar - so wie Emilia und Jannik - und könnten in einem Biopic über Romy Schneider und Alain Delon die Hauptrollen übernehmen. Darauf angesprochen fangen sie an zu lachen.

Jannik Schümann: (lacht) Ja, das hat mir mal ein Freund gesagt, dass ich Alain Delon ähneln könnte, aber sonst noch niemand.

Traumpaar, oder?

Traumpaar, oder?

(Foto: imago/Future Image)

n.tv.de: In Schwarz-Weiß wär's wohl noch besser. Ist ja aber auch definitiv vor eurer Zeit! Egal, wir sprechen jetzt über "LenaLove", einen Film, der sich mit dem Stalken und Mobben vor allem im Internet auseinandersetzt und auf realistische Weise zeigt, wie perfide die Anonymität ist, die aus Tätern gemeine Kriminelle und aus Opfern zerstörte Existenzen machen kann. Und von Anfang an kracht's gewaltig!

Jannik: Ja, der Anfang holt einen gleich so richtig rein in den Film, oder? Das ist der erste deutsche Film, der Cybermobbing zum Thema hat. Und dass es nun mit "LenaLove" einen Film gibt, der dieses Thema nicht nur trocken, dramatisch und kühl erzählt, sondern gerade auch für die Generation, für das schließlich vor allem gefilmt wurde, ist großartig.

Welche Generation ist das?

Jannik: Na die, die jetzt zur Schule gehen, die vielleicht sogar mal mit der Schule in den diesen Film gehen könnten! Der ist Film ist so spannend, …

Emilia: … ja, und visuell auch so ansprechend, da fühlt man was.

Jannik: Genau, und parallel wird man darüber aufgeklärt, wie etwas außer Kontrolle geraten kann.

Der Film ist tatsächlich sehr unterhaltend und wird immer mehr zum Horrorfilm.

Jannik: So soll es sein.

Es geht viel um Eifersucht unter Mädchen - kennst du das, Emilia?

Emilia: Es klingt immer so ein bisschen von oben herab, aber ja, ich kenne das. Mir ist es in der Schulzeit auch nicht so einfach gefallen, Freundschaften zu knüpfen. Es hat sich nicht ergeben, Freundschaften über Jahre zu halten und Menschen zu finden, denen ich bedingungslos vertrauen konnte. Also in der Schule. Aber das lag vielleicht auch daran, dass ich immer geschauspielert habe und ab und zu nicht in der Schule war. Ich wusste schon immer, dass ich das weitermachen möchte. Das konnten andere vielleicht nicht so nachvollziehen.

Mädchen können so gemein sein!

Mädchen können so gemein sein!

Wie funktioniert das denn heute, das Mobben und Ärgern?

Emilia: Meist ja hinterrücks.

Und bei Jungs?

Jannik: Bei Jungs ist das anders. Wenn man sich das mal anguckt, dann sehen 13-jährige Mädchen heute oft schon aus wie 17. Und die Jungs hängen immer ein bisschen hinterher, in jeder Beziehung (lacht).

Emilia: Ich sah mit 13 nicht aus wie 17.

Die Sprache ist ja auch ein wichtiger Faktor. Ganz schön heftig teilweise: "Ungefickt, 16, sucht …" Und so abgeklärt …

Emilia: Stimmt.

Jannik: Ich fürchte, das fängt schon im Kindergarten an.

Emilia: Und ich würde sagen, das meiste kommt aus den Medien.

Jannik: Und von älteren Geschwistern (lacht).

Wie schnell gehen Jugendliche auf so einen Chat ein?

Emilia: Ich kenne das noch von früher. Ich bin da nicht drauf eingegangen, aber es kann ganz einfach passieren, dass dir jemand da Fragen stellt. Damals war das so eine Internetplattform, die hieß "Knuddels".

Jannik: Das ist eine ganze Industrie. Mit Lockvögeln und allem Drum und Dran. Das Schlimmste finde ich die sogenannten "Mager-Coaches", das sind Typen, die Mädchen angeblich dabei helfen wollen, abzunehmen und die dann sagen: "Hey, schick mir doch erstmal ein Foto von dir, am besten nackt, damit ich weiß, wovon wir ausgehen." Das ist so pervers! In unserem Film sieht man, dass das schnell passieren kann, wenn man als Jugendlicher meint, dass man niemand anderem vertrauen kann. Lena trifft sich sogar mit ihrem Chat, also denkt sie.

Das Internet vergisst nie!

Das Internet vergisst nie!

(Foto: Alpenrepublik/ Florian Gaag)

Der Film nimmt sich auch die Erwachsenen ordentlich vor: Haben Eltern heute so viel mit sich zu tun, dass sie gar nicht mehr als Vorbild taugen? Dass sie gar nicht mehr erkennen können, was mit ihren Kindern los ist?

Jannik: Das können wir eigentlich nicht so gut beantworten, das wirst du besser beurteilen können, aber ich weiß, dass die meisten Eltern sich gar nicht für die Facebook- oder Twitter-Aktivitäten ihrer Kinder interessieren. Dass viele auch nicht wissen, wie das geht oder was das soll.

Emilia: Eltern sollten sich unbedingt mit dem Internet und ihren Kindern und den Gefahren, die da lauern, auseinandersetzen. Mobbing ist an sich schon ein schweres Thema. Im Internet isoliert einen das noch mehr, und das dann den Eltern zu erklären, ist manchmal fast unmöglich.  

Jannik: Kinder sollten sich den Film mit ihren Eltern anschauen, denke ich. Das gibt einen guten Einblick in das Leben von Teenagern.

Wie anstrengend ist es denn, so etwas zu spielen, zum Beispiel auch diesen Horror-Trip, auf dem Lena dann ist?

Emilia: Das ist mega anstrengend. Wir hatten viel zu kämpfen. Aber da wir alle an das Thema und diesen Film geglaubt haben, haben wir alle auch immer alles gegeben. Das braucht viel Kraft, das gibt aber auch viel Kraft. Ich hatte aber so eine große Lust das zu spielen, dass mir die Anstrengungen egal waren.

Produzentin Tatjana Bonnet bei der Premiere.

Produzentin Tatjana Bonnet bei der Premiere.

(Foto: imago/Future Image)

Sind Lehrer eigentlich noch Vorbilder?

Jannik: (zögert) Lehrer haben's immer schwerer, denke ich.

Und andere Vorbilder?

Jannik: Am meisten bewundere ich Schauspieler, über deren privates Leben man eher wenig weiß (lacht). So wie bei Meryl Streep zum Beispiel.

Könnt ihr eurer Privatleben denn schützen?

Jannik: Ja, das funktioniert gut.

Emilia: Also, wir gehen noch relativ unerkannt durch die Gegend. In Großstädten sind eh alle cool.

Die Eltern in diesem Film tanzen Standard, so richtig wichtig. Das finde ich lustig, mal was anders als Ärzte, Architekten oder Anwälte.

Jannik: Stimmt, aber Tänzer müssen ja immer lächeln, die Fassade wahren, egal, ob ihnen die Füße wehtun oder das Herz, es ist die reine Show. Man versteckt sich hinter einer Maske.

"Wir brauchen Schminke für Bernd" heißt es an einer Stelle. Mehr Schminke ging eigentlich nicht mehr …

Jannik & Emilia: (lachen) Stimmt.

Jannik: Und was darunter alles zum Vorschein kommen kann ...

Emilia: Dich hat der Film richtig mitgenommen, oder?

Kann man so sagen, ja. Man merkt, wie viel Herzblut die Beteiligten da reingesteckt haben. Was sind eure nächsten Pläne?

Emilia: Es kommen bald zwei weitere Filme raus, in denen wir auch zusammen spielen: "High Society", und "Jugend ohne Gott".

Viel Erfolg, weiterhin!

Mit Emilia Schüle und Jannik Schümann sprach Sabine Oelmann

"LenaLove" startet am 22. September in den deutschen Kinos.

Hilfe bei Cybermobbing gibt es hier #IamLena

Quelle: n-tv.de

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