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Mittelalt? Welche mittelalten Leute? Bridget Jones' Baby endlich im Kino

Drei ist einer zu viel. Ganz klare Sache, schon immer.

Drei ist einer zu viel. Ganz klare Sache, schon immer.

(Foto: dpa)

Bridget Jones, 12 Jahre später: Erfolgreich, stilsicher und mitten im Leben als TV-Produzentin angekommen ... Von wegen! Der Alltag von Bridget Jones (Renée Zellweger) ist alles andere als geregelt. Und obendrein ist die chaotische Londonerin plötzlich schwanger. Ein Baby - eigentlich ganz schön, wenn sie nur wüsste, wer der Vater ist?! Für ungeahnte Hormonstürme sorgt dabei nicht zum ersten Mal in ihrem Leben Marc Darcy (Colin Firth). Doch auch die Begegnung mit Jack Qwant (Patrick Dempsey) haut sie vorerst aus den Gummistiefeln. n-tv.de hat die überaus gut gelaunte Truppe im Berliner Hotel de Rome zum Gespräch getroffen.

n-tv.de: Mrs. Zellweger, wie gehen Sie eigentlich damit um, dass man von einem Filmstar erwartet, immer perfekt zu sein?

Renée Zellweger: Ich tu' so als ob (lacht). Und das war's dann auch schon! Aber dieses "Star-Ding" ist ehrlich gesagt sowieso der uninteressanteste Part am Schauspieler-Dasein. Das kann ganz lustig sein, keine Frage, allein die Klamotten, die man gestellt bekommt. Und die Leute, die man kennenlernt. Aber das ist nicht das Wichtigste.

Sie wird im Erfolg baden, so viel steht fest.

Sie wird im Erfolg baden, so viel steht fest.

(Foto: Studiocanal)

Können Sie sich erklären, warum Bridget Jones so geliebt wird, vor allem von Frauen?

Zellweger: Wie, nicht von Männern? Ich denke einfach, dass sich ganz viele mit ihr identifizieren können. Sie repräsentiert das Wahre, das Echte. Um uns herum ist doch ständig das, was wir sein sollten, oder sein möchten. Bridget aber ist sie selbst, mit all ihren Fehlern, und trotzdem ist sie so liebenswert. In dem Zwiegespräch, das sie ja quasi permanent mit sich selbst führt, geht es um ihre Ängste, und die kennt jeder. Und den Herausforderungen, denen sie sich stellen muss, begegnen wir auch immer wieder in unserem Leben. Dass sie es immer wieder versucht, immer wieder aufsteht und weitermacht, ist eine Inspiration für jeden.

Wir haben Sie lange nicht gesehen - kommen Sie denn erholt und glücklich auf die Hollywood-Bühne zurück?

Zellweger: Ich hoffe doch. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich "weg" war. Ich habe einfach gelebt, das ist alles. Ich habe viel Zeit mit meinen Nichten, Neffen und Patenkindern verbracht, mit meinen Eltern, ich war an der Uni, ich habe einige Projekte vorangetrieben, solche Dinge.

Mr. Dempsey, wie schwer war es denn für Sie, sich in dem doch bereits eingespielten Team einzugewöhnen?

Ist Jack der Vater?

Ist Jack der Vater?

(Foto: Studiocanal)

Patrick Dempsey: Das ist natürlich etwas ganz Besonderes, weil diese Filme von so vielen Menschen geliebt und geschätzt werden. Wie passe ich da rein, ja, gute Frage. Ich glaube ganz gut (lacht). Ich habe mich jedenfalls gleich sehr wohl gefühlt. Keine Ahnung, wie es den anderen ging. Renée und Colin (Firth) haben mir gesagt, sie wären auch ein bisschen nervös gewesen, und nach einer Weile waren wir einfach ein gutes Gespann. Wenn man sich erstmal an die Arbeit macht, dann geht es wie von selbst, das ist ja fast immer so.

Hatten Sie eigentlich irgendwelche Befürchtungen, sich wieder auf Bridget Jones einzulassen nach so langer Zeit, Mr. Firth?

Colin Firth: Ja, na klar, die hatten wir alle. Wir sind ja nicht jünger geworden in den letzten 12 Jahren. Es gibt so wenige gute romantische Komödien, aber dieses Drehbuch hat mich überzeugt. Das kann ja auch irre schief laufen, und ich weiß wirklich, wovon ich spreche, denn ich war in einigen schlechten Komödien zu sehen (lacht). Aber irgendwie haben wir es auch geschafft, den richtigen Zeitpunkt zu finden, davon bin ich überzeugt. Ich fand schon damals, bei Teil zwei, dass es eine gute Idee wäre, eine Weile zu warten. Bis wir alle anders aussehen, einiges erlebt haben, das macht die Geschichte so glaubwürdig.

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Dann sehen wir Sie vielleicht in 15 Jahren erst wieder für die Fortsetzung?

Firth: Mit 90? (lacht) Kann schon sein. Das wäre ganz schön "Arthouse", nicht wahr? So wie bei "Boyhood" von Richard Linklater.

Glauben Sie denn, Mr. Dempsey, wie Ihre Filmfigur Jack, an den Algorithmus der Liebe?

Dempsey: Hm, ich glaube eigentlich eher an die Magie der Liebe. Sie ist da oder nicht, man kann sie nicht herbeirechnen.

Und Sie, Mrs. Zellweger?

Zellweger: Meiner Meinung nach ist sie unberechenbar, die Liebe.

Bridget ist hin- und hergerissen zwischen zwei total verschiedenen Männern. Ist es leichter für eine Beziehung, sich als Paar sehr ähnlich zu sein oder genau das Gegenteil?

Firth: Das kann ich nicht sagen, dafür habe ich nicht genug Erfahrungen (lächelt). Und trotz meines Alters besitze ich in dieser Sache keinerlei Weisheit. Wir wissen, dass selbst arrangierte Ehen glücklich enden können, und manche Paare sind ein Leben lang glücklich miteinander, andere nicht, das muss jeder für sich selbst wissen. Es gibt keine Regeln, nicht einmal Leidenschaft ist ein Garant für ewige Liebe, fürchte ich.

Haben Sie schon einmal ein Dating-Portal besucht?

Zellweger: Wäre das nicht ein bisschen merkwürdig (lacht)?

Dempsey: Ich habe mal drüber nachgedacht. Dann habe ich es aber doch lieber gelassen.

Hilft es, wenn man über sich selbst lachen kann?

Oder ist es doch Mark?

Oder ist es doch Mark?

(Foto: Studiocanal)

Dempsey: Ich finde, es geht gar nicht anders. Man muss über sich lachen können. Dieser gewisse Sinn für Humor macht alles leichter.

Zellweger: Da hast du allerdings recht!

Dempsey: Es hilft einem auch dabei, auf dem Teppich zu bleiben.  

Mr. Dempsey, wann wussten Sie im wahren Leben, dass Ihre Frau die Richtige ist?

Zellweger: Oh mein Gott, wollen wir nicht 'ne Flasche Wein öffnen?

Dempsey: Das wusste ich einfach. Keine Ahnung, warum, aber es war so.

Zellweger: Sie ist aber auch toll, deine Frau!

Dempsey: Ja, und es war einfach so "bämm" … Ich kann mich daran erinnern, als ich sie das erste Mal gesehen habe: Sie trug ein blaues Shirt, hatte großartige, hellwache Augen, und diese Augen haben mich unglaublich fasziniert. Es hat dann allerdings eine Weile gedauert, bis sie sich auf ein Date mit mir eingelassen hat (lacht).

Glauben Sie, dass Männer im wahren Leben auf eine Frau wie Bridget Jones stehen würden?

Dempsey: Auf jeden Fall! Sie ist total echt. Kein Mann will eine Kunstfigur, jeder möchte mit jemanden zusammen sein, der authentisch ist. Übrigens finden es Männer auch sehr attraktiv, wenn man an eine Frau herankommt, also wenn sie nicht total unerreichbar ist oder unnahbar.

Ist es vielleicht ein neuer Trend, mittelalte Menschen in einer romantischen Komödie zu sehen?

Firth: Mittelalt? Welche mittelalten Menschen? Ich bitte Sie … Nein, im Ernst, wir sind auf die Jugend und jugendliche Schönheit getrimmt. Aber es ist ja an der Zeit, die Gefühle wie Liebe, Leidenschaft, Unsicherheit und Angst auch mal älteren Menschen zuzugestehen. Und mit Bridget und Mark sind wir sogar sehr vertraut, was gut ist. Wir erinnern uns an sie. Und dementsprechend erinnern wir uns auch an uns selbst vor 15 Jahren. Das sind die 15 Jahre, die wir gemeinsam haben, und eine Geschichte, die sich weiterentwickelt ist doch das, was wir alle sehen wollen.

Bei Emma Thompson fällt es Colin Firth schwer, nicht zu lachen. Bridget Jones sieht das wahrscheinlich anders ....

Bei Emma Thompson fällt es Colin Firth schwer, nicht zu lachen. Bridget Jones sieht das wahrscheinlich anders ....

(Foto: dpa)

Ist "Nicht-Perfekt" das neue "Perfekt"? Und ist "Ältersein" das neue "Yeah"?

Dempsey: Auf jeden Fall! Etwas nicht Perfektes ist auf jeden Fall sexier, ein nicht mehr so junger Charakter kann viel faszinierender sein. Und das Alter ist wunderschön. Wir sollten diese Aspekte des Lebens feiern und nicht unter den Teppich kehren. Die Gesellschaft sollte wirklich lernen umzudenken, und es gestatten, in Würde alt zu werden, in jeder Hinsicht. Ihr Medienleute könnt das übrigens wirklich unterstützen. Man sollte vor allem niemandem vorschreiben, wie eine Person zu sein hat. Ich meine, das sage ich auch meinen Söhnen: Seid authentisch, seid ihr selbst!

Hat "Authentisch-Sein" Sie denn nach Hollywood gebracht?

Zellweger: Wie sollte man denn sonst sein? Wenn man sich immer verstellen würde, würde es einen doch nirgendwo hinbringen.

Dempsey: Man bemüht sich natürlich immer wieder, reißt sich zusammen, vor allem, wenn man eine Rolle haben will. Und besonders dann, wenn man nach einem "Up" mal wieder ein "Down" zu verzeichnen hatte. Aber man bleibt doch man selbst.

Wie schwer ist es, bei solchen Dreharbeiten ernst zu bleiben, wenn es die Rolle erfordert?

Firth: Am schwersten ist es, wenn man Emma Thompson als Gegenüber hat. Ich kenne sie gut, und ich kann eigentlich nie ernst sein, wenn wir in einem Raum sind (lacht). Ich gestehe hiermit, dass ich mich manchmal sogar total gehenlasse, wenn sie in der Nähe ist, ich erkenne mich selbst kaum.

Bei Bridget Jones dürfen Sie aber auch lachen.

Firth: Ja, zumindest lächeln. Ich habe mir immer mal wieder überlegt, wie es wäre, wenn Darcy wild wäre? Wenn er es einfach nur nicht zeigen darf?  Was, wenn er ein total leidenschaftlicher Typ voller unterdrückter Sexualität ist? (lacht) Das hat er auf jeden Fall in sich. 

Wird es mehr von Bridget Jones geben?

Zellweger: Vielleicht! Das sollte eigentlich drin sein, oder?

Was ist eigentlich aus Mark Darcys Elch-Pullover geworden?

Firth: Wenn ich den aufgehoben hätte, wäre ich reich, denke ich (lacht). Ich habe keine Ahnung, leider. Man konnte ja nicht wissen, dass der so einschlagen würde.

Mit Renée Zellweger, Colin Firth und Patrick Dempsey sprach Sabine Oelmann.

Bridget Jones startet am 20.Oktober in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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