Kino

Prollig, peinlich, pubertär "21 & Over" ist nicht "Hangover"

Von Volker Probst

(Foto: Falcom Media)

An "Hangover 3" scheiden sich die Geister. Da kommt "21 & Over" gerade recht. Der Streifen ist das Regiedebüt von Jon Lucas und Scott Moore - Drehbuch-Autoren des legendären ersten Wolfsrudel-Abenteuers. Bei ihnen sollte vielleicht einiges im, aber doch eigentlich nichts mit dem Film schieflaufen. Eigentlich.

Schon jetzt steht fest: "Hangover 3" wird - zumindest hierzulande - einer der erfolgreichsten Kinofilme 2013 sein. Mehr als 3 Millionen Zuschauer bescheren dem Streifen derzeit Platz 2 in den bisherigen deutschen Jahrescharts. Aber trotz seines Erfolgs an den Kinokassen - die Meinungen über das dritte Abenteuer des Wolfsrudels sind geteilt. Konnten wir uns beim Finale der Chaos-Trilogie durchaus noch an vielen Stellen auf den Schenkel klopfen, waren andere über den Ausklang der "Hangover"-Reihe doch ziemlich enttäuscht.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Als Alan, Phil, Stu und Doug vor rund vier Jahren erstmals die Leinwand unsicher machten, war das der Überraschungserfolg des Kinosommers 2009. Das Drehbuch lieferten damals Jon Lucas und Scott Moore. Bei den beiden "Hangover"-Fortsetzungen indes blieb das Autoren-Duo außen vor - hier zeichnete Regisseur Todd Phillips federführend für die Entwicklung der Stories verantwortlich.

Lustig? Die Meinungen über "Hangover 3" sind geteilt.

Lustig? Die Meinungen über "Hangover 3" sind geteilt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Umso mehr durfte man darauf gespannt sein, wie sich nun wiederum Lucas und Moore bei ihrem Regiedebüt "21 & Over" schlagen würden. Natürlich basiert der Streifen auch auf einem gemeinsamen Drehbuch des Gespanns. Und ebenso natürlich weiß der Verleih die ruhmreiche Vergangenheit des Duos auszuschlachten, um für den Film die Werbetrommel zu rühren: "Von den Autoren von 'The Hangover'" ist groß und breit auf dem Kinoplakat zu lesen - und weckt entsprechende Erwartungen.

Totalabsturz mit Ansage

Im Prinzip ist dann auch "21 & Over" eine "Hangover"-Geschichte. In jedem Fall spielen alkoholbedingte Ausfallerscheinungen eine zentrale Rolle. Nur das Milieu ist ein anderes: Im Mittelpunkt steht keine Männertruppe beim Junggesellenabschied, sondern ein Milchbuben-Trio, das Geburtstag feiert. Casey (Skylar Astin) und Miller (Miles Teller) statten ihrem alten Kumpel Jeff Chang (Justin Chon) einen Überraschungsbesuch ab, um mit ihm seine Volljährigkeit nach US-Maßstab - 21 eben - zu begießen. Blöd nur, dass Jeff just am nächsten Tag ein äußerst wichtiges Vorstellungsgespräch hat. Wichtig nicht bloß für ihn, sondern auch für seinen strengen Vater (Francois Chau), der den Sohn auf Gedeih und Verderb in die eigenen Mediziner-Fußstapfen treten sehen will.

Es kommt, wie es kommen muss: Jeff lässt sich von seinen Freunden überreden, trotz des Termins am kommenden Tag "EIN Bier" trinken zu gehen. Aus dem einen Feuchtgetränk wird erwartungsgemäß ein Totalabsturz. Vor allem das Geburtstagskind erwischt es knüppeldick. Jeff fällt ins Delirium und ist praktisch nicht mehr ansprechbar. Wenn zwischenzeitlich doch einmal, dann nur, um im Vollrausch noch mehr Unfug anzustellen als ohnehin schon zuvor. Verzweifelt versuchen Casey und Miller ihren Kumpel nach Hause zu schaffen und bis zu seinem Vorstellungsgespräch wieder auf die Beine zu bekommen. Wenn sie doch nur wenigstens wüssten, wie Jeffs verflixte Adresse noch mal lautet …

Lustig? Nein, "21 & Over" ist einfach nur platt.

Lustig? Nein, "21 & Over" ist einfach nur platt.

(Foto: Falcom Media)

Der Versuch, mit "21 & Over" auch inhaltlich im "Hangover"-Fahrwasser zu schwimmen, ist nur allzu offensichtlich. Doch scheitern Lucas & Moore ebenso erstaunlich wie erschreckend kläglich daran, ihre eigene einstmals geniale Idee wenigstens auch nur einigermaßen ansprechend zu kopieren. Stattdessen gerät ihr Regiedebüt zu einer reichlich plumpen, prolligen und peinlichen Teenager-Komödie, gegen die "American Pie" schon geradezu postpubertär daherkommt. Sagten wir Teenager-Komödie? Nein, sorry, falsch natürlich - es geht in dem Film ja um Jungs, die schon das Twen-Alter erreicht haben. Allerdings ändert das nichts daran, dass selbst ein 15-Jähriger über den stets ebenso spießigen wie nahezu unentwegt unter der Gürtellinie  angesiedelten Ringelpitz-Humor von "21 & Over" kaum auch nur ein Schmunzeln verlieren dürfte.

Igittigitt

Beispiele gefällig? Da erwacht Jeff etwa auf der Toilette für einen Augenblick aus seiner berauschten Ohnmacht, hat Hunger und steckt sich deshalb einen Tampon in den Mund, den er für Essen hält. Brüller. So ein Brüller, dass wir ihm eine gefühlte Ewigkeit lang dabei zusehen dürfen, wie er genüsslich die Watte zerkaut. Anderes Beispiel: Casey und Miller stolpern auf der Suche nach dem Heimweg in eine Studentenverbindung, die natürlich rein zufällig nur aus Frauen besteht. Ebenfalls rein zufällig stoßen sie dort auf zwei Mädels, die gerade zufällig mit verbundenen Augen auf Anweisungen ihrer Anführerin warten. Aber natürlich lassen sie sich auch von den Jungs, die sich als Boten der Herrin ausgeben, gerne befehlen, sich gegenseitig blind zu befummeln und abzuknutschen. Selten so gelacht. Und es wird noch besser: Später rächen sich die Studentinnen an den beiden Jungs für ihr falsches Spiel. Nach dem Prinzip Auge um Auge müssen sich nun auch Casey und Miller küssen und begrapschen. Natürlich nicht ohne notorisch homophobes Igittigitt-Geschrei.  

Mit "Project X" gab es vergangenes Jahr schon einmal einen Streifen, der auf der "Hangover"-Welle zu surfen versuchte - in diesem Fall, weil Todd Phillips die Produktion übernommen hatte. Bereits das ging ziemlich schief. Über ein vorhersehbares Teenie-Desaster mit Fäkalhumor und einigen wenigen spaßigen Momenten kam der Film nicht hinaus. Verglichen mit dem, was einem Jon Lucas und Scott Moore bei ihrem Regiedebüt antun, aber war das Gold. Bevor Sie sich "21 & Over" reinziehen, leihen Sie sich lieber "Project X" irgendwo aus. Oder schauen Sie sich "Hangover 3" 50 Mal hintereinander in Dauerschleife an. Das täte immer noch weniger weh.

"21 & Over" läuft ab 25. Juli 2013 in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema