Essen und Trinken

Schwung für lahme Lenden Kein Osterhase kann widerstehen

Der Hase auf einem Hahn? Meinetwegen auch das.

Der Hase auf einem Hahn? Meinetwegen auch das.

(Foto: imago stock&people)

Egal wie das Wetter auch wird: Ostern fällt möglicherweise ins Wasser, aber nicht aus! Was man alles mit Eiern anstellen kann (natürlich nicht nur zu Ostern) verrät ein Sex-Handbuch aus dem 16. Jahrhundert.

Seit etwa einer Woche vor Ostern weiß ich genau, wie Ostereier gemacht werden. Ich dachte immer, sie werden gefärbt und bemalt – welch ein Irrtum! Freunde und Verwandte schickten mir ein einschlägiges Video, auf dem sich ein weißes Kuschelkaninchen über eine Henne hermacht. Beim fünften, immer dem gleichen Video habe ich aufgehört zu zählen, denn nun habe selbst ich es KAPIERT! Wie bei YouTube zu sehen ist, ist fehlgeleiteter Oster-Sex nix Neues, nur die Protagonisten wechseln jährlich. Ich bin gespannt auf Ostern 2018... Zum Glück handelt es sich bei diesen tierischen sexuellen Verwirrungen offenbar nur um ergebnisloses Herumprobieren, denn stellen Sie sich vor, wir bekämen Osterhäschen mit harter Schale und Ostereier mit Puschelfell!

Wenn auch Sie zu den nun über Hasen und Hennen "informierten Kreisen" gehören, können wir uns jetzt den ernsthaften Oster-Geschichten zuwenden, nämlich: Welche Bedeutung hat das Ei für den Menschen? Natürlich eine große, denn schon in der Altsteinzeit (2.500.00 bis 9500 v. Chr.) gehörten Eier wilder Vögel zur Nahrung der ersten Menschen der Gattung Homo. Vor zwei Jahren sind Archäologen nahe Helmstedt (Niedersachsen) auf Schalenteile gestoßen, denen ein biblisches Alter von rund 300.000 Jahre nachgewiesen wurde. Etwa eine Handvoll der teilweise wenige Zentimeter, oft nur Millimeter großen Schalensplitter konnten in der Fundstätte Schöningen gesammelt werden; das reichte für genauere Untersuchungen in der Uni Tübingen aus. Die Wissenschaftler verglichen die Schalen mit Eierschalen heute lebender Vögel und fanden dabei Übereinstimmungen mit den Eiern von Kranichen, Enten und Singschwänen. Die Archäologen ziehen daraus Schlüsse über das damalige Klima – aber nicht nur, denn die steinalten Eierschalen geben auch Auskunft über das Essverhalten unserer Urahnen.

Auch wenn das Osternest in der Pfütze schwimmt - ohne bunte Eier geht's gar nicht.

Auch wenn das Osternest in der Pfütze schwimmt - ohne bunte Eier geht's gar nicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nimm ein Ei mehr

Das Ei galt schon immer als Symbol der Fruchtbarkeit. In allen Kulturen schreibt man Eiern stimulierende und restaurierende Kräfte zu. In dem arabischen Liebeshandbuch "Der duftende Garten" empfiehlt Scheik Nefzaui: "Wer eine ganze Nacht tätig sein möchte … brate eine gute Anzahl Eier in frischem Fett und Butter, und wenn sie durchgebraten sind, mische er Honig darunter. Isst er davon mit einem Stück Brot so viel er kann, dann wird er die ganze Nacht hindurch imstande sein, zu lindern und zu erfreuen." Der weise Scheich setzte sicherheitshalber hinzu: "Mit der Hilfe Allahs." Man kann ja nie wissen! "Der duftende Garten" hat den Namen des Scheichs der Nachwelt übermittelt; mehr ist von ihm nicht bekannt. Nefzaui schrieb das Buch im 16. Jahrhundert für den Großwesir von Tunis. Es wird von Wissenschaftlern als Versuch gewertet, einer mit dem politischen Verfall des Islam einhergehenden Verrohung und dem Verfall der Sitten entgegenzuwirken: Das, was zur Betätigung eines dunklen Triebes herabzusinken drohte, wollte der Scheich wieder zu einer ritterlichen Kunst der Sinne verfeinern.

In Berlin lädt in diesem Jahr die Internationale Gartenbauausstellung IGA (13.04. - 15.10.) zum Osterspaziergang ein.

In Berlin lädt in diesem Jahr die Internationale Gartenbauausstellung IGA (13.04. - 15.10.) zum Osterspaziergang ein.

(Foto: picture alliance / Britta Peders)

"Der Wirkung des Genusses von Eiern" widmet der fromme Mann ein ganzes Kapitel, nämlich das 21. und letzte seines Buches: "... vernimm also seine Worte: Wer jeden Tag das Gelbe von Eiern ohne das Eiweiß isst, wird in dieser Nahrung eine starke Anregung und Hilfe für den Beischlaf finden. Ebenso der, der drei Tage lang Eigelb mit gehackten Zwiebeln isst." Wer die Liebes-Macht der Eier spüren will, kombiniert sie zusätzlich mit der des Spargels, der ja derzeit sprießt und dem ähnliches Wunderwerk angedichtet wird: "Wer Spargel kocht, sie in Fett brät, Gewürze mit zerstoßenem Eigelb dazu gibt und jeden Tag von dieser Speise isst, wird stark zum Beischlaf werden und darin ein Reizmittel für seine Liebeswünsche finden." Und da aller guten Dinge drei sind: "Man schäle Zwiebeln, tue sie in einen Topf mit Gewürzen und brate diese Mischung mit Öl und Eigelb; jeder, der von dieser Nahrung mehrere Tage isst, wird eine unbeschreibliche Kraft zum Beischlaf erwerben." Es folgen Rezepte mit Kamelmilch, da Sie aber garantiert keine Kamelmilch im Kühlschrank haben und ich nicht weiß, ob es die Milch unserer Schwarzbunten auch tut, verzichte ich auf  weitere Kostverschriften aus Nefzauis Liebespoesie. Hauptsache, Sie haben genügend Eier gebunkert!

Auch wenn man nach dem Genuss eines Frühstückseis vermutlich vergeblich darauf wartet, dass es in den Lenden zieht, so ganz von der Hand zu weisen ist die Libido fördernde Wirkung von Eiern nicht. Unter der Schale - und es ist egal, ob die Eier von Hühnern, Straußen oder Wachteln stammen - verbirgt sich Protein in hohen Mengen, und das ist bekanntermaßen dem Liebestrieb sehr zuträglich. Und so hält sich seit Jahrhunderten die Überzeugung, dass Eier lahmen Lenden wieder Schwung verleihen. Ungeachtet von Kultur und Epochen werden deshalb rohe Eier geschlürft, mal mit Rotwein, mal mit etwas Cognac, mal mit scharfen Gewürzen verrührt. Eiersalat kommt morgens, Soleier abends zum Bier auf den Tisch, mittags Eier und Spinat oder Eiersülze; zum Sonntagsfrühstück darf's schon mal ein extravagantes Rührei mit Kaviar sein. Oder Sie entscheiden sich für eine vielversprechende Eierspeise, mit der die russische Zarin Katharina II. ihre Liebhaber fütterte.

Ein Frühstücksei allein im Bett macht noch keinen Frühling.

Ein Frühstücksei allein im Bett macht noch keinen Frühling.

(Foto: imago/blickwinkel)

Das Gelbe vom Ei

Tatsache ist, dass so ein kleines Ei ein richtiges Kraftpaket ist. Mit Ausnahme von Vitamin C enthalten Eier alle Vitamine und Nährstoffe, die der Mensch braucht. Als erstes ist das hochwertige Eiweiß zu nennen, wobei das Besondere in der Zusammensetzung der Aminosäuren besteht, die derjenigen des menschlichen Körperproteins sehr ähnlich ist. Daher können wir das Protein aus dem Hühnerei fast vollständig verwerten.

Wichtig sind auch die Anteile der Vitamine A, D, E, K und die der B-Gruppe, wobei B1 (Thiamin; wichtig für die Nerven und "Stimmungsvitamin" genannt), B5 (Pantothensäure; gut für die Haare und gegen Akne), B7 (Biotin; wichtig für gesunde Haut, Haare, Nägel sowie fürs Erbgut) B9 (Folsäure; beteiligt an Wachstumsprozessen, Zellteilung und Blutbildung) und B12 (Cobalamin; benötigt der Körper zum Abbau von Fettsäuren und zur Blutbildung) besonders hervorzuheben sind. Vitamin A ist wichtig für die Wachstumsprozesse vieler Zellen, vor allem Augen und Haut brauchen es; D stärkt die Knochen und die Muskeln; das K-Vitamin ist nötig für die Blutgerinnung und hemmt bei Frauen nach den Wechseljahren den Knochenabbau; und last but not least das Vitamin E, das für den Zeugungsprozess eine wichtige Rolle spielt und deshalb gern als "Fruchtbarkeitsvitamin" bezeichnet wird. Weil Vitamin E auch ein guter Radikalenfänger ist, macht es nicht nur fruchtbar, sondern auch schön und wird daher gern als Anti-Aging-Vitamin der Spitzenklasse gehandelt. Zu den Vitaminen hinzu kommen Mineralstoffe und Spurenelemente wie Eisen, Zink, Kalzium, Magnesium, Kalium, Phosphor, Natrium, Jod und Schwefel. Kohlenhydrate sind dagegen praktisch keine im Ei enthalten. Gegenüber dem Eiklar weist das Eigelb den höchsten Proteingehalt sowie deutlich höhere Anteile von Vitaminen und Mineralien. Der Vitamin A-Gehalt im Dotter ist im Vergleich zu anderen Lebensmitteln sogar sehr hoch; nur Leber hat noch mehr davon.

Allerdings ist das Eigelb auch reich an Fett (beim Eiweiß fehlt Fett fast vollständig) und hat daher auch ziemlich viel Cholesterin. Jahrzehntelang wurde deshalb das Hühnerei als ungesunde Cholesterinbombe und Gefahr für Herz und Gefäße gebrandmarkt und vom Speiseplan gesundheitsbewusster Esser verbannt. Heute weiß man: Bei gesunden Menschen lässt sich der Cholesteringehalt im Blut nicht von der Cholesterinaufnahme beeinflussen. Bei Diabetikern oder herzkranken Menschen sieht das natürlich anders aus. Es hängt auch von der "genetischen Ausstattung" des Einzelnen ab, ob der Körper Cholesterin stark oder weniger stark resorbiert. Den Großteil des Cholesterins produziert der menschliche Körper selbst; wird mit der Nahrung vermehrt Cholesterin zugeführt, drosselt der Körper die Eigenproduktion. Schlecht für die Blutfettwerte sind eher die gesättigten Fettsäuren, wie sie in gehärteten Fetten enthalten sind. Wer sich hauptsächlich von Pommes frites und Chips ernährt, muss sich folglich über seinen hohen Gehalt an LDL-Cholesterin nicht wundern. Aufs Frühstücksei zu verzichten, bringt da gar nichts. Studien zeigen, dass ein bis zwei Eier pro Tag keinen Einfluss auf den Cholesterinspiegel haben.

Wir Deutschen essen durchschnittlich knapp 220 Eier pro Kopf und Jahr, erfahrungsgemäß besonders viel zu Ostern. Zeit also, sich auch mal Gedanken über diese 15 Milliarden Stück Eier zu machen. Auch wenn sich Bio-Eier ernährungsphysiologisch kaum von den industriell erzeugten unterscheiden, bleibt es eine Gewissensfrage, zu welchem Ei man im Supermarkt greift oder sogar den Weg zum Bio-Bauern in Kauf nimmt. Bei bereits gefärbten Ostereiern, wie sie zuhauf angeboten werden, ist es wahrscheinlich, dass es sich um billige Eier aus Käfig- oder Bodenhaltung handelt. Auch wenn es seit 2010 keine konventionellen Käfige (Legebatterien) in Deutschland mehr gibt, das Leben der Legehennen in der heutigen sogenannten Kleingruppenhaltung lässt sich beileibe nicht als "besser" bezeichnen. Da es sich bei den gekochten und gefärbten Eiern um verarbeitete Ware handelt, entfällt die sonst für Eier übliche Kennzeichnungspflicht. Auch die bei vielen Verbrauchern so beliebte dunkelgelbe Färbung des Dotters ist kein Zeichen für eine artgerechte Haltung der Hennen. Im Gegenteil: Eigelbe aus Massenproduktion habe eher eine ins Orange reichende Farbe als die von glücklichen Hühnern. In der Massenhaltung werden nämlich Karotinoide zugefüttert – wegen der Farbe. Bio-Eier haben eher ein hellgelbes Dotter, es sei denn, die Tiere fressen viel Mais, das ergibt auch eine sattere Farbe.

Spitze gegen Spitze und Boden gegen Boden - so wird zu Ostern das Eierpicken gespielt.

Spitze gegen Spitze und Boden gegen Boden - so wird zu Ostern das Eierpicken gespielt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sicher haben Sie nicht alle Eier gekocht und gefärbt; es geht ja mehr um die Symbolik und die Freude an den bunten Eiern. Denn tagelang steinhartgekochte Eier zu essen bringt garantiert keinen Lustgewinn, sonst hätte der weise Scheich Nefzaui dazu geraten. Für mein Kuchenrezept benötigen Sie nur 3 Eier und natürlich Eierlikör – es ist ja schließlich Ostern!

Osterkuchen mit Mandeln und Eierlikör

Zubereitung:

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Eine Springform mit Backpapier auskleiden. Backpulver und Salz unter das Mehl mengen.

Zutaten:

3 Eier
150 ml Eierlikör
100 g Weizenvollkornmehl
100 g Butter
75 g brauner Zucker
150 g gemahlene Mandeln
50 g gehobelte Mandeln
2 TL Backpulver
1 Vanilleschote
1 Prise Salz

Die Butter cremig schlagen. Zuerst den Zucker, dann die Eier unter die Butter rühren. Die Vanilleschote auskratzen und mit der Mehlmischung sowie 100 ml Eierlikör unter die Butter-Eier-Zucker-Masse rühren.

Den Teig in die Springform füllen und glatt streichen. Die gehobelten Mandeln darüber streuen und die restlichen 50 ml Eierlikör darauf tröpfeln. Im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad etwa 30 Minuten backen.

Frohe Ostern wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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