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Nazis, Okkultismus, Teufelsarzt "Ouija": Riskiere einen Blick!

Von Thomas Badtke

Doris (r.): Ist sie noch das nette Nesthäkchen oder schon besessen?

Doris (r.): Ist sie noch das nette Nesthäkchen oder schon besessen?

Mit einem "Ouija"-Brett kann man Kontakt zur Geisterwelt aufnehmen. Drei Regeln gilt es dabei zu beachten. Die neunjährige Doris bricht sie - und ein ganz besonderer Geist treibt ab da sein Unwesen. Seine Wurzeln reichen bis in die Nazi-Zeit.

Die Regeln sind einfach: 1. Spiel nie allein. 2. Spiele nie auf einem Friedhof. 3. Verabschiede dich immer. Mehr muss man bei Ouija nicht beachten, dem Brett, mit dem man Kontakt zur Geisterwelt aufnehmen kann. Zu Beginn dann noch ein paar beschwörende Worte und los geht's: "In Freundschaft vereint, im Herzen treu. Kommt zu uns, Geister, habt keine Scheu. Ist ein Geist anwesend?"

Als Lina (Annalise Basso; "Captain Fantastic"), eine Freundin und ein Freund das Ouija-Brett benutzen, vergessen sie die Zeit. Bei der Frage "Ist ein Geist anwesend?" passiert nichts. Absolute Stille. Dann fliegt die Tür auf: "Was ist denn hier los?" Es ist die Mutter von Linas Freundin, die vom Bridge zurück ist. Der Schreck sitzt den drei Jugendlichen dennoch in den Knochen.

Linas Mutter Alice Zander (Elisabeth Reaser; Esme Cullen aus "Breaking Dawn") holt sie danach ab. Sie ist sauer, weil Lina sich aus dem Haus geschlichen hat. Als sie aber hört, dass ein Ouija-Brett im Spiel war, vergisst sie ihren Groll. Ihre eigene Mutter war Wahrsagerin, hat Tarot-Karten gelegt. Und seit dem Tod ihres Mannes hält Alice ihre beiden Töchter Lina und Doris (Lulu Wilson; "Annabelle 2", "Die Millers") mit Seancen über Wasser. "Sitzungen", sagt Alice immer, als ob es eine ernsthafte Arbeit wäre.

Alice verdient mit Fake-Seancen ihr Geld.

Alice verdient mit Fake-Seancen ihr Geld.

Ouija - Ursprung des Bösen

Allerdings helfen Doris und Lina ihr bei den Sitzungen: Sie wackeln an Vorhängen, lassen Tische und Stühle quietschen und sich bewegen. All das nur, damit die "Kunden" mit einem guten Gefühl nach Hause fahren, wie ihre Mutter immer zu sagen pflegt. Damit rechtfertigt Alice ihre Arbeit. Ein Ouija-Brett könnte diese wesentlich erleichtern. Sie kauft eins und lässt es auf dem Wohnzimmertisch liegen.

Doris ist Feuer und Flamme. Sie betet seit dem Tod ihres Vaters. Er wurde von einem Betrunkenen überfahren, aber das weiß sie nicht. Sie weiß nur, dass er fort ist. Und wenn sie zu ihm betet, nicht zu Gott, dann spricht ihr Dad mit ihr. Mit dem Ouija-Brett geht das sogar noch einfacher: Als das Haus zwangsgeräumt werden soll, taucht Doris mit einem Bündel alter Geldscheine auf. Der Tipp sei von ihrem Daddy gekommen, sagt sie. Das Geld sei in den Mauern des Hauses versteckt gewesen.

"Daddy, bist du da?"

"Daddy, bist du da?"

Nun ist auch Alice fasziniert: Eine gemeinsame Sitzung mit ihrer Tochter Doris löscht die letzten Zweifel an Betrug aus. Besser noch, endlich kann sie den Menschen, die zu ihr kommen, wirklich und auf ehrliche Weise helfen. Dass sich Doris verändert, bemerkt sie nicht. Lina schon.

Reise in die Vergangenheit

Sie beobachtet, wie ihre kleine Schwester in fein säuberlicher Schreibschrift dutzende Zettel füllt. Sie nimmt sie, versucht sie zu lesen. Aber sie kennt die Sprache nicht. Die Zettel gibt sie hilfesuchend Tom Hogan (Henry Thomas; Elliott aus "ET"), einem Priester, der an ihrer Schule unterrichtet. Er verspricht, sich darum zu kümmern. Kurz darauf taucht er im Haus der Zanders auf.

Lina beobachtet Doris, aber auch Lina ist nicht unbeobachtet ...

Lina beobachtet Doris, aber auch Lina ist nicht unbeobachtet ...

Die Sprache auf den Zetteln sei Polnisch, sagt er. Die Worte stammten von einem gewissen Markus, dessen Familie von den Nazis deportiert wurde. Er selbst sei Teil von okkulten Experimenten eines Nazi-Arztes, dessen Spitzname "Teufelsarzt" lautete, gewesen. Markus sei entkommen, nach Amerika geflohen und dort in einer Nervenheilanstalt gelandet. Die Zanders hören dem Priester gebannt zu. Ebenfalls vor Ort, so Hogan weiter, sei der "Teufelsarzt" gewesen. Die Zanders werden sich bange Blicke zu. "Der 'Teufelsarzt' praktizierte in der Anstalt", so Hogan, "und heimlich zu Hause." Eines Tages habe er Markus mit in sein Haus genommen.

Markus sei dort nicht allein gewesen, flüstert Hogan. Der "Teufelsarzt" habe ihm wie auch den anderen Patienten davor die Zunge und Stimmbänder entfernt und danach die Lippen zugenäht. Die Zanders stöhnen auf. Markus' stille Schreie habe keiner hören können, fährt der Priester fort. Der "Teufelsarzt" habe in einem geheimen Raum im Keller seine scheußlichen, menschenverachtenden Experimente aus der Nazi-Zeit fortgesetzt. Markus sei grauenvoll gestorben, so Hogan. "Aber seine Aufzeichnungen haben nicht mit seinem Tod geendet."

Kleine Mädchen sind neugierig. Aber Neugier hat auch seine Schattenseiten.

Kleine Mädchen sind neugierig. Aber Neugier hat auch seine Schattenseiten.

Den Zanders wird klar, dass in dem Haus, in dem sie nun leben, schrecklichste Dinge passiert sind, dass hier gemordet und gemeuchelt wurde - und dass ihr Keller einem Friedhof gleicht. Aber das Beste kommt erst noch: Doris ist nicht mehr sie selbst. Sie ist besessen. Der Vatikan sei bereits informiert, so Priester Hogan, der nun mit einem Exorzismus den Dämon vertreiben will.

"Ouija" hat was

Mal ehrlich, damit konnte der Zuschauer zu Beginn des Films "Ouija: Ursprung des Bösen" des Regisseurs Mike Flanagan ("Oculus") nicht wirklich rechnen. Man bekommt die guten alten Zutaten (fast wie beim Genre-Benchmark "Conjuring") eines Geisterhorrorstreifens vorgesetzt: ein altes Haus, eine Familie, die von einem Schicksalsschlag heimgesucht worden ist, ein Gag-Spiel, das nach hinten losgeht. Das passt.

"Quija" ist bei Universal erschienen.

"Quija" ist bei Universal erschienen.

Zudem sind die Charaktere gut eingeführt, haben Tiefe und sind sympathisch. Dass der Film in einer Zeit spielt, die einige Jahre zurückliegt, wertet ihn zusätzlich auf. Schließlich heißt es ja auch: Früher war alles besser. Für Geisterhorrorfilme gilt das auf alle Fälle. Das i-Tüpfelchen ist dann die Figur des "Teufelsarztes" aus der Nazi-Zeit. Da weiß man als Zuschauer unweigerlich: Alle sofort raus aus dem Haus - oder es wird ein Blutbad geben!

Dazu noch ein paar äußerst nette und gelungene Special Effects, ein durchaus in die Zeit des Films passender Score und auch die Schauspielerleistungen können sich sehen lassen. Allen voran Lulu Wilson als Doris weiß zu überzeugen. Das nette süße Nesthäkchen vom Beginn des Films muss man einfach mögen. Das besessene kleine "Wesen" am Ende von "Ouija" will man nicht einmal tagsüber in den schützenden Räumen einer Kirche treffen.

Und genau das macht doch einen guten Geisterhorrorfilm aus. Das und die Tatsache, dass, wenn es Regeln gibt, man sie zumindest bei dieser Art von Horrorfilmen unbedingt befolgen sollte. Unwissenheit schützt dabei nicht vor Strafe.

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Quelle: n-tv.de

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