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Hölle, Hölle, Hölle "Die Horde" wird dich jagen!

"Die Horde" - ein richtig böser Film.

"Die Horde" - ein richtig böser Film.

Eine Gruppe Schüler fährt mit ihrer Lehrerin und deren Freund zu einer Foto-Safari in einen Wald an einem See ... Wenn das mal kein typischer Slasher-Beginn ist! Zwei Zutaten fehlen noch: mutierte Hinterwäldler und ein Ex-Navy-Seal. Perfekt!

"Und denkt an unser Motto: Schönheit kann man in allem finden." Ein philosophisch wertvoller Satz, lässig ausgesprochen von der jungen Lehrerin Selina (Tiffany Brouwer; "The Held", "Muse"), die mit ein paar Schülern gerade auf Fotosafari ist. "Auf in die Natur!" Sie befinden sich am Saphire Lake, einem der größten Seen der USA. Die Kameras im Anschlag machen sich eine Handvoll Jugendliche auf die Suche nach dem perfekten Motiv. Die Sonne lacht, der Himmel ist blau, die Temperatur bewegt sich oberhalb der 20-Grad-Marke. Alles scheint perfekt.

Auch für Selina, denn ihr Freund John (Paul Logan; "Zeit der Sehnsucht", "Mega Piranha") ist mit von der Partie. Er wollte sie an diesem Wochenende eigentlich in ein schickes Restaurant ausführen und ihr die Frage aller Fragen stellen. Nun ist kurzerhand Plan B gefragt und so begleitet er Selina und die jungen Fotografen in die Natur. Als Ex-Navy-Seal sind seine Skills zum Thema Zelten und Lagerfeuer gern gesehen. Zudem ist John ein Kerl von einem Baum und ruht in sich selbst.

John hatte an dem Wochenende eigentlich etwas ganz anderes vor ...

John hatte an dem Wochenende eigentlich etwas ganz anderes vor ...

Das muss er auch, wie er schnell herausfindet: Riley (Thomas Ochoa) ist der Nervbolzen der Gruppe. Sohn stinkreicher Eltern, was er immer wieder süffisant heraushängen lässt. Ärger ist da programmiert. Bei der Mittagspause während ihrer Fahrt zum Saphire Lake passiert das: Riley beleidigt einen Einheimischen und prompt stehen gleich mehrere von ihnen parat, um ihn aufzumischen und sich an die Mädels der Gruppe ranzumachen. John versucht die Situation zu beruhigen, bietet den Hinterwäldlern einen schnellen Abgang an. Doch am Ende fliegen Fäuste, werden Messer gezückt und Knochen gebrochen. John behält die Oberhand - und er, Selina und der Fotonachwuchs ziehen von dannen. Jetzt hat selbst Riley etwas Respekt vor John. Immerhin.

"Willst du ..."

Am Lake Saphire werden die Zelte aufgebaut, dann zitiert Selina das Motto der Gruppe und die Jugendlichen gehen ihrer Wege. John nimmt seine Angebetete in den Arm und kurze Zeit später, direkt am See, kniet er vor ihr, einen Ring in der Hand und macht ihr den Antrag. Sie lacht und freudestrahlend sagt sie: "Ja!".

Am abendlichen Lagerfeuer muss Selina den Ring herumzeigen. Riley verfällt in alte Verhaltensmuster und poltert los: "Ganz nett", aber natürlich wäre seiner viel größer und wertvoller ausgefallen. John steht wortlos auf - Holz holen im Wald. Es brodelt in ihm.

Noch ahnt hier keiner, dass bald die Hölle losbrechen wird.

Noch ahnt hier keiner, dass bald die Hölle losbrechen wird.

Kaum ist er weg, bricht die Hölle aus im Fotografen-Camp: Düstere Gestalten machen Jagd auf die Jugendlichen. Riley entkommt, der Rest wird getötet oder gefangen genommen. Als Hohn die Hilferufe hört und ins Camp zurückeilt, sind bereits alle verschwunden.

"... der Horde dienen?"

Selina landet im Haus des Anführers der Wilden, der sagt, sie habe es gut erwischt. Eine ihrer Schülerinnen, Hailey (Sydney Sweeney; "The Ward") hatte nicht so viel Glück: Sie endet mit Nägeln an Händen und Füßen am Kreuz. Danach macht sich die Horde über sie her.

Selina bekommt von all dem nichts mit. Riley, mittlerweile auch gefangengenommen, ebenso wenig. John erkennt am Zustand der getöteten anderen Jugendlichen, dass ein Frontalangriff, selbst für ihn als Ex-Seal, der reinste Selbstmord wäre. Er denkt nach und plant.

"Nein!"

Währenddessen wird Selina vom Anführer der Horde aufgeklärt, was hier eigentlich abgeht: In dem Dorf, wo sie sich befinden, lebten einst alle von einer Mine, in der Uran abgebaut wurde. Irgendwann wurde sie geschlossen, ein paar Einheimische blieben und so entstanden aus radioaktiven Verstrahlungen und jahrzehntelanger Inzucht ebenjene Mutanten, die sie überfallen haben. Der Anführer selbst ist ein bei einem Gefangenentransport geflohener Häftling, der drei Mal lebenslänglich absitzen sollte. Zwei seiner Mitgefangenen leben ebenfalls im Dorf und haben sich zu den Herren der Horde aufgeschwungen. Mit einer Meth-Küche wollen sie Millionen scheffeln und dann auf eine einsame Insel abhauen. So der Plan. Dass die mutierte Horde sich von Menschenfleisch ernährt? Den Anführer schert das wenig.

Manches bleibt besser im Ungewissen.

Manches bleibt besser im Ungewissen.

John dagegen schon. Und so dezimiert sich langsam, aber gezielt und sicher die Zahl der Mutanten. John findet Riley, dem die Zunge herausgerissen wurde und die Waden abgeschnitten. John entdeckt auch Haley und befreit sie von ihren Nägeln. Im Gegensatz zu Riley hat sie die Tortur aber überlebt. Nun muss John nur noch seine Verlobte finden und befreien und dann können sie allesamt fliehen.

Was John aber noch nicht weiß: Die örtliche Polizei, das Restaurant, wo sie zu Mittag essen wollten und die geflohenen Sträflinge machen gemeinsame Sache. Drogen sind halt ein Millionengeschäft. Und als John gerade denkt, mit den beiden Frauen in Sicherheit zu sein, bricht die Hölle erst richtig los.

Hölle! Hölle! Hölle!

Für die jungen Fotografen sowie Selina und John ist der Saphire Lake definitiv die wahr gewordene Hölle auf Erden. Die Horde mutierter Inzest-Hinterwäldler müssen die Handlanger des Teufels sein -  sie sehen nicht nur so aus, sie riechen auch so. Ihr gewaltiger Blutdurst scheint unstillbar. Sie bieten damit die perfekte Grundlage für den Slasher-Streifen "Die Horde".

"Die Horde" ist bei Pierrot Le Fou erschienen.

"Die Horde" ist bei Pierrot Le Fou erschienen.

Der kommt irgendwie schräg daher, was in erster Linie an der deutschen Synchronisation liegt. Als Zuschauer will man bereits nach den ersten paar Minuten, dass Riley einen schmerzvollen und vor allem sehr schnellen Tod stirbt: Seine absolut nervige Stimme und die dämliche Großkotz-Attitüde sind der Grund dafür. Regisseur Jared Cohn ("Hold your Death") erfüllt den Zuschauern diesen Wunsch nicht. Aber er hat Sinn für Humor, denn Riley verliert ja später immerhin seine Zunge.

Der schwarze Humor passt zu den Charakteren. Selina hätte wohl jeder pubertierende Schüler gern als Lehrerin gehabt, erst recht, wenn sie mit ihrem bauchfreien Top durch den Wald streift, um Tiere zu fotografieren. Ihre Lehrerinnenbrille, die sie im Unterricht noch trägt, die Haare streng im Zopf zurückgebunden, tun ihr Übriges. Gibt es so etwas wirklich?

"Schönheit kann man in allem finden"

Dass ihr Freund ein Ex-Elitesoldat ist, der den Kriegsalltag hinter sich gelassen hat, ist auch etwas weit hergeholt. Dass er zum Campen mit den Jugendlichen seine Pistole mitnehmen wollte, ist dagegen durchaus nachvollziehbar. Man weiß schließlich nicht, was einen im Unterholz am See so erwartet. Hätte Selina ihm das mal erlaubt ...

"Die Horde" ist hart, brutal und blutgetränkt. Aber die zum Teil ins Lächerliche verzerrten Charaktere wiegen das etwas auf. Man weiß zudem schnell, wie der Film enden wird: Schöne Freundin eines Ex-Elitesoldaten wird von mutierten Kannibalenhinterwäldlern entführt. Hallo? Das schreit nach fantastischen letzten Filmminuten und irgendwie auch nach weiteren Teilen!

Das würde ich dem Film auch zugestehen. Er unterhält genreseitig perfekt. Zuschauer mit schwachen Mägen sollten sich einfach immer wieder folgendes Mantra vorbeten: "Schönheit kann man in allem finden."

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Quelle: n-tv.de

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