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"The Girl with all the Gifts" Das ist die Zukunft des Zombiefilms

Von Thomas Badtke

Ein Leben opfern, um die Menschheit zu retten?

Ein Leben opfern, um die Menschheit zu retten?

England. Post-Apokalypse. Die Menschheit ist weitgehend dahingerafft. Eine Pilzinfektion, die das Gehirn befällt, tötet jede Menschlichkeit. Zurück bleiben immer hungrige Untote. Aber es gibt Hoffnung: "The Girl with all the Gifts".

Seitdem George A. Romero das Zombiegenre erschaffen hat, sind Jahrzehnte vergangen. Nicht zuletzt, seitdem die Staffeln von "The Walking Dead" auch das breite TV-Publikum ansprechen und Hollywoodstars wie Brad Pitt ("World War Z", 2013) das Genre ins Blockbuster-Segment gebracht haben, ist der Zombie an sich Mainstream. Ob das gut ist? Daran scheiden sich die Geister. Fakt ist aber, dass richtig gute Untoten-Filme so selten sind wie ein satter Zombie. Wenn allerdings etwas Spektakuläres zu dem Thema kommt, dann aus Großbritannien.

Danny Boyles "28 Weeks later" hat das einst bewiesen. Und nun legt "The Girl with all the Gifts" nach. Hochkarätig besetzt, unter anderem mit Glenn Close und Gemma Arterton, wartet der Film des Regisseurs Colm McCarthy ("Outcast", "Sherlock") mit Tiefgang, Ruhe, rasenden Untoten und einem neuen Dreh auf.

Die Kinder ...

Eine Pilzinfektion hat die Menschheit dezimiert. Der Pilz rankt sich dabei um das Gehirn wie Efeu um eine Eiche. Die Menschlichkeit ist dahin, es regiert der rasende Hunger auf Fleisch. In Großbritannien gibt es noch einige Militärbasen, die der Katastrophe trotzen. Verbarrikadiert und bis an die Zähne bewaffnet, findet dort das statt, was man in einer postapokalyptischen Welt so Leben nennt.

Helen Justineau (Gemma Arterton; "Hänsel und Gretel: Hexenjäger") arbeitet auf einer solchen Basis als Lehrerin. Sie unterrichtet auf dem Stützpunkt untergebrachte Kinder. Allerdings sind diese keine normalen menschlichen Wesen mehr. Der Pilz hat auch sie befallen. Nur können die Kinder damit umgehen. Sie scheinen die meiste Zeit völlig normal. Können sich normal unterhalten, denken, reden. Nur wenn sie hungrig sind, wird es gefährlich.

"The Girl with all the Gifts" ist bei Universum erschienen.

"The Girl with all the Gifts" ist bei Universum erschienen.

Die Kinder leben deshalb voneinander isoliert. Sie sind mit Ketten gefesselt und nur im streng überwachten Unterrichtsraum "frei". Während die bewachenden Soldaten wie Sergeant Eddie Parks (Paddy Considine; "Das Bourne Ultimatum") Angst vor den Kindern haben, ist Helen da völlig anders. Sie sieht nur das Gute in den Kids - und so behandelt sie sie auch. Vor allem die kleine Mel (Sennia Nanua) hat es ihr angetan.

... sind die Zukunft

Sie ist auch die Klügste der Kinder. Bei ihr scheint es, als ob sie dem Pilz in ihrem Gehirn Paroli bieten und seine manipulierenden Kräfte unterbinden könne. Genau deshalb hat es aber auch Dr. Caroline Caldwell (Glen Close) auf sie abgesehen. Sie arbeitet an einem Impfstoff, an einem Gegenmittel, der allerletzten Hoffnung für ein Überleben der Menschheit.

Wie ernst die Lage mittlerweile ist, zeigen die immer wieder anrollenden Angriffe der Untoten auf die Militärbasis. Sie können nur mit immer größer werdendem Aufwand zurückgeschlagen werden. Ein Eindringen der Zombies in die Basis ist nur eine Frage der Zeit. Caldwell weiß das und lässt Mel in den OP bringen. Sie will ihren Kopf aufschneiden und auch an ihr Rückenmark.

Mels Leben hat für die Soldaten oberste Priorität. Vorerst.

Mels Leben hat für die Soldaten oberste Priorität. Vorerst.

Helen bekommt das mit. Mit gezückter Waffe stürmt sie in den OP, um das Ganze zu verhindern. Aber sie schafft es nicht. Es sind die Untoten, die die Basis nun überrennen. Ein kleines Loch in der Verteidigung reicht aus, damit eine Welle von Zombies den Stützpunkt flutet und alles mit sich reißt, was sich ihr in den Weg stellt.

Mel ist der Schlüssel

Caldwall lässt von Mel ab. Stattdessen macht sie sie los und gemeinsam mit Helen, Sergeant Parks und ein paar weiteren Soldaten flieht sie. Runter vom Stützpunkt, weiter zur nächsten vermeintlich sicheren Basis. Raus aus der einst sicheren "Heimat", raus in die postapokalyptische Welt.

Mel entpuppt sich dabei schnell als Hilfe. Sie wittert die Untoten, so wie sie, wenn sie Hunger hat, Menschen auf Kilometer riechen kann. Sobald Mel ihren Hunger bemerkt, lässt sie sich bereitwillig von den anderen fesseln und mit einer Maske beißunfähig machen. So kämpft sich die Truppe durch die unwirtlich gewordene Welt. Kein Vogel zwitschert mehr. Es ist ruhig geworden - und tödlich.

Düstere Zukunftsvision, düstere Bilder.

Düstere Zukunftsvision, düstere Bilder.

Die Gruppe wird aufgerieben. Immer wieder trifft sie auf Untote, ehe sie endlich ihr Ziel erreicht. Eine mobile Forschungsstation, mit Solarpanels ausgestattet, vollkommen autonom. Hier will Caldwell nun beenden, was sie in der mittlerweile vernichteten Basis begonnen hat: Aus Mels Blut, Gehirn und Rückenmark ein Gegenmittel gegen den Pilz entwickeln.

Caldwell muss sich aus zwei Gründen beeilen: Zum einen hat es der Pilz geschafft, nicht mehr nur durch Blut oder Speichel, sondern auch durch die Luft übertragbar zu sein. Zum anderen ist Caldwell selbst erkrankt und ihre Zeit läuft schneller ab, als sie denkt. Hoffentlich funkt ihr diesmal keiner dazwischen...

Weiter so!

Na, das wäre dann aber doch zu einfach gewesen: Mel aufgeschnippelt, das Gegenmittel entwickelt und die Welt gerettet. Das wäre banales Hollywoodkino. Aber bei den Briten läuft es anders. Zum Glück. Und so sorgt auch das Ende des knapp zweistündigen Horrorfilms für einen wohligen Schauer den Rücken hinab.

Dass die Darsteller top sind - geschenkt. Dass der Plot klasse ist - geschenkt. Dass man durchaus einen zweiten, weiterführenden Film zum Thema drehen könnte - auch das ist geschenkt, denn so viel sei verraten: Es gibt Überlebende. Und solange es die gibt, gibt es auch Hoffnung. Das ist wie bei Zombiefilmen: Solange es Streifen wie "The Girl with all the Gifts" gibt, braucht man sich als Fan um das Zombiegenre keine Gedanken zu machen.

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Quelle: n-tv.de

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