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Jenseits von Spitzenhäubchen Wir müssen über Jane Austen sprechen

Von Wilhelmine Bach

Nicht nur im Jane Austen House in Chawton wird die Autorin verehrt.

Nicht nur im Jane Austen House in Chawton wird die Autorin verehrt.

(Foto: REUTERS)

Jane Austen musste in den letzten Jahren für vieles herhalten. Literaturkritiker sahen entweder ihr satirisches Genie oder ihren radikalen Feminismus. Dass es lohnt, sich die Autorin erneut vorzunehmen, zeigen zwei junge Wissenschaftlerinnen.

Mit Jane Austen verbindet jeder etwas anderes. Manche können die berühmten ersten Worte aus "Stolz und Vorurteil" auswendig aufsagen. Andere haben das Bild vor Augen, wie der noch deutlich jüngere Colin Firth in der Rolle des Mr Darcy im Hemd einem englischen See entsteigt. Wieder andere denken an kitschige Buchcover und Kalender mit Rosenmuster. Doch so richtig kommt an der Schriftstellerin, die am 16. Juli 1817 in Winchester starb, keiner vorbei. Sie zählt zu den Klassikern der britischen Literatur und wird oft in einem Atemzug mit William Shakespeare genannt.

Zu Austens 200. Todestag haben die Literaturwissenschaftlerin Rebecca Ehrenwirth und die Kunsthistorikerin Nina Lieke der Ausnahmeschriftstellerin nun eine neue Biografie gewidmet. Auf der Grundlage des Wenigen, das es über Jane Austen zu wissen gibt, entstauben sie in "By a Lady - Das Leben der Jane Austen" gründlich den Mythos von der viktorianischen Jungfer.

By a Lady: Das Leben der Jane Austen
EUR 24,95

Weshalb übt die große Unbekannte aus dem ländlichen Hampshire auch zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod so eine Faszination auf uns aus? Wird man ihr wirklich gerecht, wenn sie als Symbol für eine heile Welt herhalten muss? Und ist Austens antiquierte Welt voller Empirekleider und liebestrunkener Gentlemen überhaupt noch interessant?

Der Traum jeder heutigen Singlefrau

Dabei beten Ehrenwirth und Lieke nicht nur die wenig interessanten Umzüge der Familie Austen herunter. Sie setzen die gesicherten Fakten in einen Zusammenhang mit der Entstehung der insgesamt sechs Novellen Austens. Interessanterweise beziehen die Biografinnen auch das wenig bekannte Jugendwerk der Autorin mit ein. So lässt sich Austens Entwicklung vom frühreifen Teenager zur scharfzüngigen Satirikerin wunderbar nachvollziehen. Nebenbei werden auch die Handlungen von Austens Romanen zusammengefasst und ein Überblick über die gängigen Interpretationen gegeben. Das macht die Biografie für alle Austen-Leser spannend, vom Superfan bis zum blutigen Anfänger.

Themen wie Heimatlosigkeit, Zusammenhalt innerhalb der Familie und nicht zuletzt die oft aussichtslose Suche nach dem idealen Partner machen Austen laut Ehrenwirth und Lieke auch noch heute aktuell. Oder eben wieder. Denn der Austen'sche Traummann setzt sich letztendlich immer wieder nach den selben Kriterien zusammen: er muss Respekt, Liebe, finanzielle Sicherheit und intellektuellen Anspruch bieten. Genau danach sehnt sich durchaus auch die moderne Singlefrau, selbst wenn sie heute kein Taschentuch mehr vor die Füße vorbeimarschierender Soldaten werfen muss.

Dass Jane Austens Werk immer noch inspiriert, zeigen nicht zuletzt die zahllosen auf ihr aufbauenden Titel. Übertragungen der Handlungen von "Sinn und Sinnlichkeit" in moderne Zeiten, Um- und Weiterdichtungen wie "Jane Fairfax" von Joan Aiken und die sicherlich erfolgreichste der letzten Jahre, "Stolz und Vorurteil und Zombies" von Seth Grahame Smith, beweisen den Ideenreichtum von Austen-Fans überall auf der Welt.

Mit viel Charme und Feingefühl präsentieren die Biografinnen Jane Austen in einem neuen Licht. Der radikal feministischen Austeninterpretation der 1970er-Jahre setzen sie ein Bild von einer mutigen und bestärkenden Weiblichkeit entgegen. Ganz im Sinne von Austen reicht es schon, wenn jede Frau ihren eigenen Weg geht oder eben die Literatur revolutioniert – one Spitzenhäubchen at a time.

Quelle: n-tv.de

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