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Arbeitswütig, eitel, einmalig Prince - Musik als Massenverführung

Von Andrea Beu

Prince beim Hop Farm Festival im Juli 2011 im britischen Paddock Wood.

Prince beim Hop Farm Festival im Juli 2011 im britischen Paddock Wood.

(Foto: gettyimages/Neil Lupin/Kontributor)

Wenige Meldungen haben die Musikwelt so erschüttert wie die Todesnachricht von Prince im April 2016. Eine detaillierte Biografie zeichnet nun sehr genau das Leben des "sexy motherfuckers" nach, zeigt ihn als Arbeitstier, hochbegabt und ehrgeizig.

Todesmeldungen erreichen uns fast jeden Tag, aber manche rufen nur ein bedauerndes Achselzucken hervor - andere wiederum erschüttern die halbe Welt. So auch die Nachricht vom 21. April 2016: Prince ist tot, mit gerade mal 57 Jahren. Was? Das kann doch nicht sein? war die Reaktion vieler Menschen, wahrhaft erschrocken, ähnlich wie bei David Bowies Tod kurz zuvor. Kollegin Sabine Oelmann würdigte in ihrem Nachruf "mit warmen Worten, die auf keinen Fall auszudrücken vermögen, was der Verlust dieses Musik-Genies bedeutet". Und für Kollege Volker Probst war Prince "der wahre King of Pop".

Viel wurde bereits geschrieben über das Multitalent, den Ausnahmekünstler, den kleinen Sänger mit der großen Strahlkraft, der zu Lebzeiten mehr als 100 Millionen Tonträger verkaufte, sieben Grammys gewann, einen Oscar und einen Golden Globe. Nun, zum ersten Todestag von Prince, legt der britische Kritiker Matt Thorne eine Biografie vor, sehr umfangreich und detailliert - schließlich hat er auch mehr als sieben Jahre daran gearbeitet, recherchiert, unzählige Interviews geführt. Und die lange Beschäftigung mit dem Phänomen Prince merkt man dem Buch auch an - man kann Thornes Arbeit wohl guten Gewissens akribisch nennen.

Bei der "Purple Rain"-Tour im März 1985 - Single, Album und Film brachten Prince 1984 den internationalen Durchbruch.

Bei der "Purple Rain"-Tour im März 1985 - Single, Album und Film brachten Prince 1984 den internationalen Durchbruch.

(Foto: gettyimages/Ebet Roberts/Kontributor)

Großteil noch unveröffentlicht

Anhand des mehr als 500 Seiten starken Werkes kann der Leser den Werdegang von Prince sehr genau nachvollziehen, aber auch die Entstehungsgeschichte seiner Bands, Songs, Alben und Filme. Thorne führt ausführlich auf, wer wann mit wem woran gearbeitet hat, wer was zum Werk von Prince beitrug - zum außerordentlich umfangreichen Werk. Denn Prince war unglaublich produktiv - er hat (neben vielen anderen Arbeiten) etwa 1000 Songs verfasst, eine Vielzahl davon noch unveröffentlicht.

Ein großer Teil davon lagert im legendären "Vault", seinem Archiv im Anwesen Paisley Park - ein gesicherter Lagerraum im Keller des Studiokomplexes. "Die Sachen stehen einfach im Vault, ganz gleich wie viel Geld Prince dafür ausgegeben hat, ein dreißig-, vierzig- oder fünfzigköpfiges Orchester zu engagieren und alles arrangieren zu lassen. Als es fertig war, entschloss er sich, es nicht zu veröffentlichen. Damit hatte er kein Problem", erinnert sich Brent Fischer, einer der unzähligen musikalischen Mitstreiter von Prince, die zu Wort kommen. Und nur eine seiner vielen Besonderheiten, Facetten und Spleens, auf die im Buch genau eingegangen wird.

Hart arbeitendes Ausnahmetalent

Prince, 1958 geboren als Prince Rogers Nelson, schrieb seinen ersten Song bereits mit 7 (!) - der hieß "Funk Machine" und deutet schon an, wo die Reise hingehen soll. Denn Prince war von Anfang an äußerst zielstrebig, ehrgeizig, wird als pedantisch und penibel beschrieben; eine hart arbeitende Musikmaschine im harten Showgeschäft. Aber bekanntermaßen auf der Basis eines außergewöhnlichen Talents. Auch wenn seine Stimme vor allem in den Anfangsjahren als zu dünn und schwach galt - es lief "alles gut, bis es an den Gesang ging, weil Prince so leise und hoch sang, dass das Mikrofon seine Stimme nicht auffangen konnte ... eine kleine, hohe Falsettstimme - süß, irgendwie an Michael Jackson erinnernd", erzählt der Produzent Chris Moon, häufig betitelt als "der Mann, der Prince entdeckte". Aber Prince holte sich Rat von anderen Sängern, lernte mit seiner Stimme zu arbeiten - und lernte, sie "sexy" einzusetzen.

"Prince - Die Biografie" ist bei Edel Books erschienen, 544 Seiten mit 30 Abbildungen, Hardcover, Preis: 29,95 Euro.

"Prince - Die Biografie" ist bei Edel Books erschienen, 544 Seiten mit 30 Abbildungen, Hardcover, Preis: 29,95 Euro.

(Foto: Edel Books)

Triebkraft Sexualität

Denn schon am Anfang seiner Karriere, noch unter den Fittichen von Moon, überlegten sie gemeinsam, wie sich Prince wohl am besten vermarkten ließe - mit welcher Zielgruppe und welcher Marketingstrategie. "Ich sagte: ... Ältere Teenager werden dein Zeug nicht kaufen, das ist was für junge Mädchen. Du siehst schnuckelig aus, tanzt und springst herum, also brauchen wir ein Marketingthema in den Songs, das sie anspricht. Junge Mädchen werden erwachsen, sie entdecken ihre Sexualität. Ich schätze, das ist wohl die mächtigste Triebkraft, die wir ansprechen können", erinnert sich Moon.

Auf "Sex sells" sind schon andere gekommen, aber Prince brachte es mit seinem Spiel mit seiner erotischen Ausstrahlung, mal androgyn, mal mit süßem Augenaufschlag, mal provokativ, mit SM-Inszenierungen von unterwürfig bis dominant, mit eindeutigen Zweideutigkeiten oder auch mit "sexueller Deutlichkeit" zur wahren Meisterschaft. Beflügelt durch seinen Hang zur Selbstinszenierung und -mystifizierung. Nicht nur auf der Bühne - auch in Interviews; darin gab er laut Musikjournalist Barney Hoskins "immer nur kryptische, kurze Antworten, ... die keinen Sinn ergaben". Was auch daran gelegen haben dürfte, dass er auf die Meinung von Musikjournalisten (und allen anderen) nichts gab - er selbst war nach eigener Aussage der einzige Mensch, der etwas von seiner Musik verstand.

Ständiger Kampf um Anerkennung

Aber egal, wie spröde und abweisend sich Prince gegenüber Journalisten und auch einigen Kollegen und Mitstreitern verhielt - ein immer wiederkehrendes Thema im Buch ist sein ständiges Ringen um Anerkennung. "Das Auffälligste an Prince' früher Musikkarriere ist, wie hart er dafür arbeitete, gemocht zu werden", schreibt Thorne. Und: "Dem Publikum zu gefallen - ein so wesentliches Element von Prince' Studioplatten - war auf der Bühne noch wichtiger." Er hätte seine Shows weniger wie Rockshows als vielmehr wie Massenverführungen inszeniert.

Einer der prägendsten Momente im Leben von Prince sei gewesen, wie er als fünfjähriges Kind seinen Vater auf der Bühne sah - "inmitten einer kreischenden Menge, umgeben von attraktiven Frauen." Das hat ihn wohl fasziniert - und den Antrieb dafür gegeben, dass er sich schon früh in die Musik stürzte, sich ihr hingab, ihr seine Zeit widmete und hart an seinem Erfolg arbeitete. Allein wie viele Instrumente er beherrschte! Eine Mitschülerin erinnert sich: "Ob Prince zu cool für die Schule war? Absolut. Die meiste Zeit verbrachte er im Musiksaal ... oder in einem Proberaum ... oder er spielte einfach Gitarre."

Mitschüler, Lehrer, Entdecker, Techniker, Produzenten, Konzertveranstalter, Musiker - sie alle kommen in dem Buch zu Wort. Kommt Thorne durch die vielen Stimmen aus Prince' Umfeld, durch die detaillierte Beleuchtung seiner Karriere von Anfang bis Ende dem Mythos Prince bei? Das nicht. Aber für jeden Fan, der alles ganz genau wissen will, ist sein Buch durch die Fülle an Geschichten und Informationen ein wahrer Schatz.

Das E-Book von "Prince - Die Biografie" von Edel Books erscheint am 21. April, das Buch am 28. April 2017 - bei Amazon bestellen.

Quelle: n-tv.de


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